Das Warten hat sich definitiv gelohnt: Die am 11. Januar 2024 lancierte, sechste Variante der Scuba Fifty Fathoms von Blancpain und Swatch brach gleich mit zwei Traditionen der jungen Kollektion aus Biel und Le Brassus; erstens kommt hier ein vergleichsweise klassisches Farbmuster zum Einsatz, das nahe am Original ist, zweitens orientiert sich die Namensgebung nicht an einem der irdischen Ozeane, sondern wurde von unserem Erdtrabanten inspiriert:
„Das mechanische SISTEM51-Uhrwerk ist durch das transparente Saphirglas sichtbar und mit dem Oceanus Procellarum („Ozean der Stürme“) sowie einem Digitaldruck der Meeresschnecke Okenia Luna illustriert.“
Swatch
Es gibt aber noch weitere Unterschiede zu den bisherigen fünf Uhren: Die fast ausschliesslich schwarze „Ocean of Storms“ (Ref. SO35B400) verfügt im Unterschied zu den fünf Uhren der Basiskollektion nicht über ein bedrucktes, sondern über ein dunkelgraues Zifferblatt mit Sonnenschliff und einen stärker hervorgehobenen Text-Zusatz „Swiss Made“ bei 6 Uhr (das „Swatch AG 2023“ ist dafür etwas in den Hintergrund gerückt). Witziges Detail: unter UV-Licht erscheint auf dem Werk zudem ein Mond im Design der für Blancpain typischen Mondphasen-Anzeige.

Wie ihre farbenfroheren Schwester-Modelle verfügt aber auch die „Ocean of Storms“ über ein 42,3 mm grosses, 14,4 mm hohes und bis 91 Meter wasserdichtes Gehäuse aus Biokeramik und kostet in der Schweiz CHF 375.00 (in Deutschland €400.00), der Verkauf ist auf eine Uhr pro Kunde und Tag beschränkt. Die Grösse orientiert sich dabei an der historischen Fifty Fathoms aus den 50er-Jahren und wurde in identischer Form im 2023 – einfach in Edelstahl und mit 300 Meter Wasserdichtheit – erstmals für die drei Serien des Act 1 von Blancpain eingesetzt.
Sistem51: ein mechanisches Uhrwerk aus 51 Teilen
Werk hinter dem Saphirglasboden ist das Sistem51 von Swatch, das 2013 anlässlich des 30jährigen Geburtstags der Marke seine Premiere feierte und eine Gangreserve von 90 Stunden bietet. Das in 5 Module aufgeteilte Automatik-Kaliber lässt sich auch über die Krone von Hand aufziehen (rund 80 Umdrehungen bis zum Vollaufzug), verfügt aber nicht über einen Sekundenstopp. Produziert wird es im ultra-modernen Werk des Konzerns in Boncourt (Jura), und zwar komplett vollautomatisch. Zeitgleich dürfte es mengenmässig das volumenstärkste mechanische Werk aus Schweizer Produktion sein (pro Minute werden aktuell zwischen 5 und 6 Werke produziert und bedruckt). Aufgrund der hohen Nachfrage läuft die Produktion rund um die Uhr in drei Schichten.

Während die Zifferblätter aus Grenchen stammen, findet die Assemblage der Uhr in Sion im Kanton Wallis statt. Dort kommen auch gleichzeitig die einzigen manuellen Prozesse in der Herstellung der Scuba Fifty Fathoms zum Einsatz: das Einziehen des überlangen NATO-Bandes (hier ebenfalls in Schwarz) und das Verpacken in die Box.
„Protect What You Love“
Während das Band als Upcycling-Produkt nicht nur durch seine Länge an Land und vor allem im Wasser überzeugt, sind sämtliche Biokeramik-Bestandteile (also Gehäuse, Krone, Dornschliesse und Bügel) durch Swatch wiederverwertbar. Die Uhr und das Werk sind zwar nicht für Reparaturen ausgelegt, das Werk könnte aber im Falle eines Falles ausgestauscht und ebenfalls rezykliert werden. Insofern mag die neue Blancpain-Kampagne „There is Eternity in Every Blancpain“ nur bedingt auf die Scuba Fifty Fathoms zutreffen, punkto Wiederverwertbarkeit und Ökobilanz einer Uhr, die ohne Knopfzellen-Batterie auskommt und nicht als Wegwerfprodukt konzipiert wurde, muss sie sich aber definitiv auch nicht verstecken. Und Hand aufs Herz: mancher Anbieter von günstigen mechanischen Uhren tauscht das Werk bei einer Revision heutzutage eher aus, als er einen Uhrmacher nach Fehlern suchen lässt, insofern ist die Scuba Fifty Fathoms bei weitem nicht die erste Uhr dieser Art, aber bedeutend besser in eine übergreifende Sustainability-Strategie eines Konzerns eingebettet worden, der pro Jahr 2’600 Tonnen1 Rohmaterialen verarbeitet. Und nicht vergessen werden darf dabei, dass es sich in erster Linie um eine Swatch handelt, auch wenn das Design und Logo der grossen Schwester mit zum Einsatz kommt.

Die Uhr für mondsüchtige Sammler
Der Launch an der Bahnhofstrasse in Zürich (der dortige Store gehörte zu den teilnehmenden Locations) am 11. Januar 2024 war vergleichsweise ruhig, sei es nun wegen der – im Vergleich zu den bisherigen Vollmond-MoonSwatches – unlimitierten Verfügbarkeit der Uhr, oder wegen der doch sehr unfreundlichen Temperaturen an einem Wochentag, an dem die nicht-uhrenverrückte Mehrheit der Bevölkerung in der Regel arbeitet.
Wie bei den „Rolling Planets“ der MoonSwatch gab’s auch für die Scuba Fifty Fathoms-Nachzüglerin einen Cinquecento, stilecht mit gelber Peli-Box auf dem Heckträger.




Entsprechend konnten die schlussendlich rund dreissig Wartenden eher in die Kategorie „Hardcore-Fans“ eingeordnet werden. Der erste Sammler war dabei kurz vor 8.00 Uhr eingetroffen, der Swatch Store an der Bahnhofstrasse öffnete um 10.00 Uhr, der Verkauf der Ocean of Storms lief aber erst um 10.30 Uhr an, nachdem die Uhren praktisch zeitgleich mit dem Swatch Team aus Biel eintrafen und erst noch inventarisiert werden mussten. Kurz gesagt: wer am Tag der Lancierung unbedingt eine Ocean of Storms wollte, hatte zum Verkaufsstart auch garantiert eine gekriegt.
Und unabhängig, wie man zu den Kollaborations-Projekten innerhalb der Swatch Group steht: die Ocean of Storms ist ganz einfach eine schöne Uhr. Damit zu den Bildern der zweiten an diesem Tag in Zürich verkauften Uhr (Grossansicht nach Klick):












Fazit: während bei der Omega X Swatch MoonSwatch von Beginn weg Modelle dabei waren, die von der Farbgebung sehr nahe an bestehende Speedmaster kommen („Mission to Mercury“ und „Mission to the Moon“), ist man für die bedeutend exklusivere Scuba Fifty Fathoms zu Beginn auschliesslich in der farbenfrohen Unterwasserwelt der berühmten Taucheruhr von Swatch geblieben. Insofern dürfte es spannend werden, ob in den kommenden Monaten noch weitere Varianten der Scuba Fifty Fathoms auftauchen, die ein graues, beiges oder olivegrünes Gehäuse haben und damit automatisch ein noch breiteres Feld an Interessenten erschlossen wird, oder ob die „Ocean of Storms“ die Ausnahme bleibt. Unbestritten ist, dass die extraterrestische Uhr am Arm gut wirkt. – So gut, dass sich das Anstehen in der Kälte retrospektiv nicht mehr so schlimm anfühlt.
Technische Daten Scuba Fifty Fathoms Ocean of Storms
| Hersteller: | Swatch |
| Modell: | Blancpain X Swatch Collection Bioceramic Scuba Fifty Fathoms Ocean of Storms |
| Lancierungsjahr: | 2024 |
| Referenz: | SO35B400 |
| Gehäuse: | bis 91 Meter wasserdichtes Gehäuse aus Bioceramic, Sichtglasboden aus Saphir, einseitig rastende Lünette (120 Klicks) und biobasiertes Deckglas (beide sind mit einer kratzfesten Beschichtung behandelt), 42,3 mm Gehäuse-Durchmesser, 14,4 mm Höhe, 48,0 mm Länge (Bandanstoss zu Bandanstoss), 44 g Gewicht (mit Band) |
| Band: | Textilband mit Dornschliesse, 21 mm Bandbreite |
| Werk: | Swatch Sistem51 mit 90 Stunden Gangreserve und Nivachron-Spirale |
| Garantie: | 2 Jahre |
| Varianten: | Pacific Ocean (Ref. S035P100), Atlantic Ocean (Ref. S035A100), Indian Ocean (Ref. S035I100), Antarctic Ocean (Ref. S035S100), Arctic Ocean (Ref. S035N100) |
| Preis: | CHF 375.00 / EUR 400.00 / $400.00 |
Mehr über die Kollektion gibt’s hier, in Bewegung gibt’s die Uhr hier zu sehen.
1Swatch Group Geschäftsbericht 2023


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