Revisited: Blancpain X Swatch Scuba Fifty Fathoms „Antarctic Ocean“

Vergleicht man die Kollaboration zwischen Swatch und der Konzernschwester Blancpain mit derjenigen zwischen Swatch und Omega vom Vorjahr, wird schnell klar, dass die mit einem Listenpreis von CHF 250.00 einiges günstigere MoonSwatch einen weltweit signifikant grösseren Hype auszulösen vermochte, als die im September 2023 lancierte Scuba Fifty Fathoms mit dem Sistem51, die in der Schweiz für CHF 375.00 in ausgewählten Boutiquen von Swatch zwischenzeitlich recht problemlos verfügbar ist. Nebst dem höheren Preis, der in der breiten Bevölkerung aller Wahrscheinlichkeit etwas weniger bekannten Partner-Marke und dem Umstand, dass die MoonSwatch die erste Uhr dieser Art war, dürfte allenfalls auch der Entscheid der Verantwortlichen, fünf ausschliesslich unkonventionelle Farbvarianten der Scuba Fifty Fathoms zu lancieren, zu vergleichsweise schnell verfügbaren Uhren geführt haben (bei der MoonSwatch sind bspw. die „Mission to Mercury“, Ref. SO33A100 oder die „Mission to the Moon“, Ref. SO33M100, beide sehr konventionell in der Farbgebung, und damit optisch einiges näher am Original, der Speedmaster aus Edelstahl). Umgekehrt dürfte Swatch zwischenzeitlich auch einiges an der eigenen Produktion und Logistik optimiert haben, schliesslich handelt es sich bei der Scuba Fifty Fathoms ebenfalls um eine von Beginn weg unlimitierte Kollektion, bei der es als Restriktion einzig nur die Regel „eine Uhr pro Person pro Store und Tag“ gibt. Und damit wurde es auch möglich, nach der gelben „Pacific Ocean“ (Ref. SO35P100), die zeitgleich mit dem Launch am 9. September 2023 für ein Hands-On herhalten konnte, jetzt auch noch einer zweiten Variante innerhalb der Kollektion etwas mehr Platz einzuräumen.

Die Blancpain X Swatch Scuba Fifty Fathoms-Modelle, hier die Antarctic Ocean (Ref. SO35S100) mit weissem Gehäuse aus Biokeramik, verfügen wie die Fifty Fathoms Act 1 zum 70. Geburtstag des Modells über ein 42,3 mm grosses Gehäuse. Die Wasserdichtheit liegt indes bei 91 Metern.

Sowohl die Arctic Ocean (Ref. SO35N100) als auch die hier gezeigte „Antarctic Ocean“ (Ref. SO35S100) verzichten im Vergleich zu den drei Schwestermodellen auf ein Datum zwischen 4 und 5 Uhr. Zudem sind die aufgesetzten Indexe ohne arabische Zahlen ausgeführt, und in der unteren Hälfte des Zifferblattes gibt’s entweder das Symbol für „No Radition“, oder den hier gezeigten „zweifarbigen Wasserkontaktanzeiger, der Spuren von Feuchtigkeit erkennt.“ – Dieser „Sensor“, wie Swatch im Produkbeschrieb der Uhr korrekt vermerkt, „ist ein wichtiges Merkmal militärischer Taucheruhren [gewesen] und ein begehrtes Detail unter Uhrensammlern.“ Während die blaue „Atlantic Ocean“ (Ref. SO35A100) mit der konventionellsten Farbgebung der fünf Uhren ausgestattet worden ist, sind die beiden No-Date-Versionen sicher die bei Uhren-Enthusiasten attraktivsten Biokeramik-Modelle der „zu Ehren der ersten echten Taucheruhr“ lancierten Kollektion. Umgekehrt hatte ich mich im September von den fünf Uhren ohne zu zögern zuerst für die „Pacific Ocean“ entschieden, da diese Farbkombination meiner Meinung am besten zu einem schwarzen Neopren passt. Es bleibt somit, wie immer, eine Frage des persönlichen Geschmacks, und die Verfügbarkeit ist zwischenzeitlich bei allen Farben recht gut.

Aufgesetzte Indexe, Super-Luminova auf Zifferblatt und Drehring, blaue Zeiger – und mitten drin der zweifarbige „Moisture Indicator“ der militärischen Fifty Fathoms natürlich.

Die weisse „Antarctic Ocean“ (Ref. SO35S100) passt dafür etwas besser zu Jeans. Ihr zurückhaltenderes, monochromes Farbmuster ist ebenfalls inspiriert von einem sog. Nacktkiemer (Nudibranchia), und zwar der „Tritoniella Belli“, einer von mehr als 3’000 Arten, die im Meer leben. Alle fünf Uhren der Bioceramic Scuba Fifty Fathoms-Kollektion sind mit einer Illustration einer solchen Meeresschnecken-Patin auf der Schwungmasse des Werks versehen. Diese ist wiederum der primäre Antrieb für das mechanische Sistem51 von Swatch.

Das stark vereinfachte, 2013 lancierte mechanische Automatik-Uhrwerk besteht aus 51 Komponenten – so wie die Original-Swatch.

Das vor zehn Jahren vorgestellte Swiss Made-Uhrwerk besteht aus nur 51 Teilen inklusive einer einzigen, zentralen Schraube, es hat erstaunliche 90 Stunden Gangreserve und ist dank einer Nivachron-Spiralfeder auch noch magnetgeschützt. Bei Bedarf lässt sich das durch den Glasboden sichtbare Werk über die (unverschraubte) Krone im Gegenuhrzeigersinn aufziehen; ein Sekundenstopp fehlt, bei gezogener Krone lässt sich der Sekundenzeiger zwar kurzzeitig stoppen, wenn die Zeiger zurückgestellt werden, dennoch ist das Sekunden-genaue Zeit-Einstellen eher Glückssache, da beim Hereindrücken der Krone einiges an ungewollter Bewegung möglich ist. Die „Hightech-Hemmung“ hat zudem keine Regulations-Möglichkeit, das heisst, der Gang wird ab Fabrik mit einem Laser eingestellt, und damit entfällt die manuelle Gangjustierung einer klassischen mechanischen Uhr. Und umgekehrt auch die Möglichkeit der Reparatur oder zumindest Revision, was langfristig sicher der objektiv grösste Kritikpunkt an der Uhrenlinie ist. Umgekehrt haben sich die vor 40 Jahren lancierten Swatch-Uhren allesamt als erstaunlich langlebig erwiesen, insofern bleibt wohl auch hier abzuwarten, wie lange eine Uhr mit Sistem51 ihre Arbeit zuverlässig verrichten wird.

Sei’s drum: Auch wenn der Preis von CHF 375.00 für eine Swatch ein ungewohntes Preislevel bedeutet, die Scuba Fifty Fathoms macht in erster Linie Spass. Für einen Uhren-Sammler, der angesichts der erstaunlich guten Verarbeitung (die Lünette ist beispielsweise perfekt ausgerichtet und rastet in 120 Schritten) die ideale Uhr für den Sommer, die Freizeit oder den Trip ins Ausland findet, oder für den Mechanik-Novizen, der die Faszination einer automatischen Uhr so auf besonders bunte Art erfahren kann (aber gleichzeitig nicht zu hohe Anforderungen an dessen Ganggenauigkeit stellen sollte).

Mit anderen Worten: Die Blancpain X Swatch Collection Bioceramic Scuba Fifty Fathoms macht vor allem eines, gute Laune. Vor allem, weil man mittlerweile nicht mehr dafür Schlange stehen muss. Schön wäre, wenn Swatch dieses Modell in Zukunft zum Anlass nehmen täte, das Thema „Circular Economy“ noch stärker zu pushen, wenn schon ein rezykliertes Textilband zum Einsatz kommt.

Damit zu den Bildern (Grossansicht nach Klick):

Technische Daten Scuba Fifty Fathoms Antarctic Ocean

Hersteller:Swatch
Modell:Blancpain X Swatch Collection Bioceramic Scuba Fifty Fathoms Antarctic Ocean
Lancierungsjahr:2023
Referenz: SO35S100
Gehäuse:bis 91 Meter wasserdichtes Gehäuse aus Bioceramic, Sichtglasboden und einseitig rastende Lünette (120 Klicks), 42,3 mm Durchmesser, 14,4 mm Höhe, 48 mm Länge (Bandanstoss zu Bandanstoss), 44 g Gewicht (mit Band)
Band:Textilband mit Dornschliesse, 21 mm Bandbreite
Werk:Sistem51 mit 90 Stunden Gangreserve und Nivachron-Spirale
Garantie:2 Jahre
Varianten:Arctic Ocean (Ref. SO35N100), Pacific Ocean (Ref. SO35P100), Atlantic Ocean (Ref. SO35A100), Indian Ocean (Ref. SO35I100)
Preis:CHF 375.00 / EUR 390.00 / $400.00

Mehr über die Kollektion gibt’s hier: Link

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