2023 war das Jahr, in welchem Blancpain den 70. Geburtstag der Fifty Fathoms in drei Akten feierte, genauer gesagt drei neue Taucheruhren-Modellen vorstellte, darunter auch erstmals eine 42,3 mm grosse Umsetzung des Basismodells der Fifty Fathoms mit dem Kaliber 1315. 2023 war aber auch das Jahr, in welchem Swatch die zweite Konzern-interne „Collab“ der Öffentlichkeit präsentieren sollte: die bunte Farbenwelt der 1990 eingeführten Swatch Scuba sollte dabei auf eben jene neue Gehäusegrösse der Fifty Fathoms Automatique (Ref. 5010) treffen, und das hauseigene Automatik-Kaliber Sistem51 zeitgleich zu neuer Grösse finden.

Mit anfangs fünf Modellen konnte die Biokeramik-Kollektion der Scuba Fifty Fathoms zwar nicht vom Stand weg den selben weltweiten Hype auslösen wie die MoonSwatch von Omega und Swatch im Jahr davor, aber sie hat dennoch mit mittlerweile neun Varianten eindrücklich bewiesen, dass das Design der berühmten Taucheruhr auch in einer anderen Preiskategorie bestens funktioniert. Und das sowohl über als auch unter der Wasseroberfläche.
In acht Tagen vom Teaser zum Schlangestehen
Am 1. September 2023 hatte Swatch mit einer bewusst kryptischen (sowie nicht signierten) Teaser-Kampagne in ausgesuchten Tageszeitungen losgelegt, und spätestens am 4. September 2023 wurde von offizieller Seite bestätigt, dass es sich beim zweiten Konzern-internen Kollaborations-Partner effektiv um Blancpain handelte: die teilnehmenden Boutiquen (beider Marken) waren über Nacht mit gelben Peli-Cases mit dem Logo beider Uhrenhersteller ausgestattet worden, und zeitgleich geschaltete Print-Anzeigen wiesen nun ebenfalls auf die fünf Weltmeere und die Partnerschaft der beiden Marken hin.

Am 7. September 2023 wurden die fünf Scuba Fifty Fathoms Modelle enthüllt (in Anzeigen in 41 Tageszeitungen und den nunmehr geöffneten Koffern am POS), am 9. September 2023 startete der weltweite Verkauf in ein paar ausgesuchten Boutiquen von Swatch. – Aufgrund der im Vergleich zur MoonSwatch spürbar höheren Preise (und vermutlich auch wegen der zu Beginn eingeschränkteren Produktions-Kapazitäten) mit einem etwas weniger dichten Filial-Netz, als am 26. März 2022 mit der Speedmaster-Umsetzung von Swatch und Omega. Schlangen gab es zum Verkaufsstart natürlich auch hier, aber die meisten ernsthaften Interessenten konnten an dem Tag auch eine Uhr mit nach Hause nehmen – was bei der MoonSwatch definitiv nicht der Fall gewesen war.

Die erste Kollektions-Erweiterung der Scuba Fifty Fathoms kam am 11. Januar 2024 mit der schwarzen „Ocean of Storms“ (Ref. SO35B400), die Lancierung erfolgte wie gewohnt wieder mit einer Teaser-Anzeige. Als Besonderheit, nebst der im Vergleich zu den ersten fünf Modellen sehr zurückhaltenden Farbgebung, verfügt die „Ocean of Storms“ zudem über ein Blancpain-typisches Mond-Symbol auf dem Werk, das nur unter Schwarzlicht zu sehen ist.

Die siebte Variante, die „Blue Lagoon“ (Ref. SO35L400), wurde am 14. Dezember 2024 ohne jegliche Ankündigung in den Läden angeschwemmt, die “Pink Ocean” (Ref. SO35P400) wurde am 23. Januar 2025 dann wieder etwas konventioneller angekündigt und ausgeliefert, und wie die „Blue Lagoon“ ebenfalls mit einem zweiteiligen Band ausgestattet. Irgendwann im Sommer davor hatte Swatch die Bänder der “Indian Ocean” (neu Ref. SO35I100C) und “Pacific Ocean” (neu Ref. SO35P100C) getauscht, dabei aber immer noch auf ein einteiliges NATO-Band gesetzt. Die erste Uhr mit dem Copyright-Vermerk „2025“ kam am 7. Juni 2025 mit dem Namen „Green Abyss“ (Ref. SO35G100) in den Verkauf, ebenfalls mit zweiteiligem Band (und Feuchtigkeits-Indikator auf dem Zifferblatt). Kurz danach wurde auch bei der Ocean of Storms auf das zweiteilige Band gewechselt.

Eine Kollektion für die Weltmeere
Für die „Antarctic Ocean“ (Ref. S035S100) die „Arctic Ocean“ (Ref. S035N100) und die „Green Abyss“ (Ref. SO35G100) kommt konsequenterweise eine No-Date-Variante des automatischen Sistem51 von Swatch zum Einsatz, während die anderen Modelle mit einem Datumsfenster zwischen vier und fünf Uhr ausgestattet worden sind und die unverschraubte Krone somit eine zusätzliche Position fürs Datum hat. Ebenfalls verfügen die No-Date-Uhren über ein Zifferblatt mit Stab-Indexen (sowie einem Feuchtigkeis- oder „No Radiation“ Symbol in der unteren Zifferblatt-Hälfte) und einem anderen Logo in der oberen Zifferblatthälfte, während die restlichen Modelle mit aufgesetzten arabischen Zahlen ausgestattet worden sind.

Für alle Uhren wurde ein farblich passendes Reise-Etui entwickelt, das Gehäuse und die Krone (sowie Schlaufen und Dornschliesse) sind aus Biokeramik, einem „völlig neuartigen Mix aus Keramik und biobasierten Materialien“, wobei der Keramik-Anteil bei zwei Dritteln liegt. Für den Sichtglasboden kommt Saphir zum Einsatz, auf der Zifferblatt-Seite „ein biobasiertes Glas.“ Offiziell wasserdicht sind die Scuba Fifty Fathoms in Ahnlehnung an die namensgebenden „50 Fathoms“ bis 91 Meter, Praxistests haben aber bestätigt, dass die Gehäuse einiges mehr aushalten.

Nachdem die Initial-Kollektion mit „Arctic Ocean“ (Ref. SO35N100), „Antarctic Ocean“ (Ref. S035S100), „Pacific Ocean“ (Ref. SO35P100), „Atlantic Ocean“ (Ref. SO35A100) und „Indian Ocean“ (Ref. SO35I100) die irdischen Meere erschöpft hatte, wählte Swatch für die „Ocean of Storms“ (Ref. SO35B400) den „Oceanus Procellarum“ auf dem Mond, und mit „Blue Lagoon“, „Pink Ocean“ und „Green Abyss“ ein freieres Namenskonzept, das entsprechend unlimitiert erweitert werden kann.

Alle Modelle haben punkto Farbgebung zudem eine Meeresschnecke als Paten-Tier (sog. „Nudibranchs„), zu finden auf der transparenten Schwungmasse des Automatik-Kalibers.
„Diese Kollektion erscheint in exklusiven Farben, die von verschiedenen Meeresschnecken inspiriert sind. Meeresschnecken sind in den Ozeanen beheimatet und für ihre oft aussergewöhnlichen Farben und bizarren Formen bekannt.“
Swatch
Das mechanische Werk hinter dem Saphirglasboden ist wie eingangs erwähnt das Sistem51 von Swatch, das 2013 anlässlich des 30jährigen Geburtstags der Marke seine Premiere feierte und eine mehr als stattliche Gangreserve von 90 Stunden bietet. Das in fünf Module aufgeteilte Automatik-Kaliber lässt sich – im Gegenuhrzeigersinn – auch über die Krone von Hand aufziehen (rund 80 Umdrehungen bis zum Vollaufzug), verfügt aber nicht über einen klassischen Sekundenstopp.

Produziert wird es im ultra-modernen Werk des Konzerns in Boncourt (Jura), und zwar komplett vollautomatisch. Zeitgleich dürfte es mengenmässig das volumenstärkste mechanische Werk aus Schweizer Produktion sein (pro Minute wurden im 2024 zwischen fünf und sechs Werke produziert und bedruckt).

Laut Swatch kann das Werk repariert werden, zudem besteht eine geschlossene Kette zur Wiederverwertung aller Komponenten. Ob dadurch eine Scuba Fifty Fathoms von 2023 im Jahr 2048 noch repariert werden kann, ist indes eine andere Geschichte. Und hier kommt vermutlich auch der grösste Knackpunkt zum Vorschein: wer die Zusammenarbeit fälschlicherweise als Blancpain-Uhr zum Einstiegs-Preis sieht, wird bei der Meinungsfindung unweigerlich zu einem anderen Resultat kommen als Käufer einer hochwertigen Swatch mit Automatik-Kaliber. Unbestritten ist, dass die Uhr am Arm gut wirkt und erstaunlich funktional ist, aber man sollte das Ganze tatsächlich eher aus der Perspektive Swatch betrachten, um das Produkt ganzheitlich zu verstehen. – Und kein Besitzer einer Swatch aus den 80er-Jahren wird ernsthaft erwarten, dass Ersatzteile unendlich vorhanden sind und Werke im Falle eines Falles unendlich repariert werden können.
Im Langzeit-Test hat sich die Uhr bislang bewährt, selbst die Schlaufen des NATO-Bandes haben mehrere Tauchgänge überstanden. Einzig das Band neigt am runden Ende etwas dazu, auszufransen, kann aber bei Bedarf gegen ein neues getauscht werden (das mit CHF 25.00 mehr als fair bepreist ist).

Same same but different
Von den Abmessungen her ist die Scuba Fifty Fathoms identisch zur 2024 regulär eingeführten Fifty Fathoms Automatique (Ref. 5010) von Blancpain, seitlich am Gehäuse steht aber natürlich nicht das Blancpain- sondern das Swatch-Logo, zudem ist die Krone bei der vierzigmal günstigeren Swatch nicht verschraubt und das im Vergleich zum 1315 bedeutend einfachere Werk mit 30 Stunden weniger Gangreserve ausgestattet worden.

Unter dem Strich ist die Scuba Fifty Fathoms damit ein perfektes Stunt-Double für Besitzer des Originals, ein risikofreier Tragetest für Kauf-Interessierte oder einfach eine farbenfrohe, Swiss Made-Sommeruhr mit dem bewährten Design eines Klassikers. Und das ist – mit Blick auf den grundsätzlich erschwinglichen Preis – schon eine ganze Menge. Die grosse Frage ist sicher, ob das Sistem51 für Mechanik-Einsteiger eine ausreichend positive Erfahrung im Alltag bietet, was dessen langfristige Präzision und Zuverlässigkeit betrifft. Und was die Erwartungshaltung punkto Ersatzteilen und Reparatur weit über die Garantie-Dauer von zwei Jahren ist. – Hoffentlich nicht die selbe wie bei einer Uhr von Blancpain. Wer das versteht, wird mit der Scuba Fifty Fathoms den selben Spass haben, den die Macher bei der Farb- und Themenwahl wohl haben mussten.
Alle Varianten am Arm (Grossansicht nach Klick):









Technische Daten Scuba Fifty Fathoms
| Hersteller: | Swatch |
| Modell: | Blancpain X Swatch Collection Bioceramic Scuba Fifty Fathoms |
| Lancierungsjahr: | 2023 |
| Gehäuse: | bis 91 Meter wasserdichtes Gehäuse aus Bioceramic, Sichtglasboden aus Saphir, einseitig rastende Lünette (120 Klicks) und biobasiertes Deckglas (beide sind mit einer kratzfesten Beschichtung behandelt), 42,3 mm Gehäuse-Durchmesser, 14,4 mm Höhe, 48,0 mm Länge (Bandanstoss zu Bandanstoss), 44 g (mit NATO) oder 42 g Gewicht (mit zweiteiligem Band) |
| Band: | Textilband mit Dornschliesse, 21 mm Bandbreite |
| Werk: | Swatch Sistem51 mit 90 Stunden Gangreserve und Nivachron-Spirale |
| Garantie: | 2 Jahre |
| Varianten: | 2023: Pacific Ocean (Ref. S035P100), Atlantic Ocean (Ref. S035A100), Indian Ocean (Ref. S035I100), Antarctic Ocean (Ref. S035S100), Arctic Ocean (Ref. S035N100) 2024: Ocean of Storms (Ref. SO35B400), Blue Lagoon (SO35L400) 2025: Pink Ocean (Ref. SO35P400), Green Abyss (Ref. SO35G100) |
| Preis: | CHF 375.00 / EUR 400.00 / $400.00 |
Dieser Artikel wurde 2025 erstmals veröffentlicht. Mehr über das Pendant von Blancpain gibt’s hier.

