Die Geschichte des Tauchens ist auch eine Geschichte der Improvisation: Seien es nun zweckentfremdete Armbanduhren für den Unterwassereinsatz, oder selbst konstruierte Masken oder Kamera-Gehäuse, Taucher waren in der Regel schneller mit einer Lösung im Wasser als die Industrie ein passendes Produkt entwickelt hatte, und oft auch weniger solvent als von dieser erhofft.
Taucher hinter dem Eisernen Vorhang hatten zudem nur bedingt Zugriff auf westliches Equipment, und darunter fielen auch Uhren: In dem im Jahr 1958 im „Verlag Sport und Technik“ veröffentlichten Lehrbuch „Sporttauchen“ wird denn auch genau für das eine pragmatische Lösung geboten: „Den meisten Kameraden wird es nicht möglich sein, teure Geräte und Zubehörteile für das Sporttauchen käuflich zu erwerben.“ – Mit ganz konkreten „Bauanleitungen“ für Tauchanzüge, Kameragehäuse, Unterwasser-Telefonen oder -Beleuchtung. Und natürlich auch für die zuverlässige Zeitanzeige unter der Wasseroberfläche (es gab natürlich auch fertige solche Gehäuse zu kaufen):
„Unter Wasser verliert der Mensch jedes Zeitgefühl. Wenn der Signalmann nicht das Zeichen zum Auftauchen gibt, verpasst der Taucher das Austauchen. Eine wasserdichte Uhr wird daher vom Taucher sehr geschätzt. Es genügt, wenn eine normale Armbanduhr in ein wasserdichtes Gehäuse eingebaut wird. Zum Aufziehen kann die Uhr diesem Gehäuse entnommen werden. Anschliessend bleibt sie möglichst einige Zeit im offenen Gehäuse liegen, damit eine eventuelle Kondensfeuchtigkeit verdunsten kann. Eine Bauanleitung für ein wasserdichtes Uhrengehäuse wird unter 6.3 beschrieben.“
Ing. Kurt Klingbeil, Dipl.-Biol. Dietrich Kühlmann, „Sporttauchen“ von 1958
Für eine maximal 30 mm grosse und 9 mm hohe Uhr (ohne Krone) empfahlen die beiden Autoren, Messing oder „gewöhnlichen Baustahl“ zu verwenden, der dann vernickelt oder verchromt werden musste und lieferten die Baupläne gleich mit. Selbst an eine einfache, drehbare Lünette mit Markierung wurde gedacht: „In das Gehäuseunterteil wird eine dünne Filz- oder Gummiplatte gelegt, damit die Uhr nicht auf dem blanken Metall liegt. Dann wird die Uhr, mit der Krone zuerst, seitlich in das Gehäuse eingelegt. Nachdem sie richtig im Gehäuse liegt, wird eine dünne Schnur aus Zellgummi oder Schwammgummi zwischen die Uhr und den oberen Gehäuserand eingeschoben, die ein Klappern oder Verdrehen der Uhr im Gehäuse verhindert. Ein etwa 2 mm Gummiring wird auf den Rand des Gehäuses gelegt und auf diesen die Glasscheibe. Anschliessend wird das Gehäuseoberteil mit dem lose darin befindlichen Stellring aufgelegt und mit dem Unterteil verschraubt.“



Das 2014 eröffnete Museum des Tauchsportklub Adlershof e.V. Berlin in Köpenick hat denn auch gleich mehrere solche Eigenkonstruktionen aus dieser Zeit in der Sammlung ausgestellt (zu erkennen sind bspw. Eine Zobo (Westclox), eine Gruen Grand Prix sowie mehrere Modelle von UMF-Ruhla).
Dazu kommen aber auch ein paar „fertige“ Modelle passender Herkunft: so finden sich u.a. eine Slawa und zwei Glashütte GUB Spezimatic in den Vitrinen des Museums:



Das Sporttauchermuseum des TSK Adlershof kann nach vorheriger Absprache besucht werden und befindet sich an der Wendenschlossstrasse 420 in 12557 Berlin (Köpenick, Wendenschloss).






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