Die mit Abstand extremste Taucheruhr in der Geschichte Hublots wurde 2011 an der Baselworld erstmals gezeigt und bis 2015 in zahlreichen Ausführungen produziert. Mit einer Wasserdichtheit von 4’000 Metern Tiefe (laut Hublot wurde die Uhr bis auf 5’000 Meter getestet) konnte die King Power Diver Oceanographic 4000 (Ref. 731.NX.1190.RX) damals zwar keine Tiefenrekorde mehr brechen, sie war aber auf dem Papier 100 Meter wasserdichter (und auch einiges teurer) als die drei Jahre zuvor lancierte Sea-Dweller Deepsea von Rolex (Ref. 116660). Und das war vermutlich auch das Briefing an die Entwickler.

Das in einer geschätzten Auflage von rund 2’000 Stück während vier Jahren produzierte Modell dürfte bis heute die wasserdichteste mechanische Taucheruhr mit innenliegender Lünette sein und hat mich in den letzten 14 Jahren aus mehreren Gründen immer wieder beschäftigt: Einerseits handelt es sich bei der 48 mm grossen Tiefseebewohnerin naturgemäss um eines der spannendsten Modelle von Hublot für eine Website wie diveintowatches.com. Zudem nimmt die Oceanographic 4000 bei Hublot eine Sonderrolle ein – die Schweizer Uhrenmarke ist in der Regel eher für „extreme“ Material-Kombinationen, Designs und Werke bekannt, für „Profi-Instrumente“ für den Extrem-Einsatz indes eher nicht. Und schlussendlich gehört sie auch noch zu einer exklusiven Gruppe von ähnlich gelagerten Modellen wie der „Tuna„ von Seiko, der „Ploprof„ von Omega oder der „Autozilla„ von Citizen – alles Uhren, die konstruktiv im Prinzip weit über das gesteckte Ziel hinausgeschossen sind und damit ein Paradebeispiel für das technisch Machbare darstellen (und mir allesamt ans Herz gewachsen sind).

Ein weiterer Grund, warum mich die Uhr all die Jahre nicht losgelassen hat: Natürlich konnte ich die Oceanographic 4000 im Jahr 2011 in Basel live sehen, aber halt nur durch die Vitrine des Messestandes fotografieren. Und das mit einer vergleichsweise bescheidenen Ausrüstung (Canon PowerShot G11). 2013 schaffte ich es sogar ins Ozeanographische Museum in Monaco, mit dem Hublot damals eine Partnerschaft eingegangen war (womit sich auch die Namensgebung und die Bodengravur erklärt), war aber erneut nur mit einer Kompaktkamera unterwegs, und musste wieder durch die Vitrine fotografieren. Ein Jahr darauf hatte ich dann endlich Gelegenheit, die Uhr in Nyon bei einem Besuch bei Hublot „richtig“ zu fotografieren. Leider nicht wie erhofft das hier gezeigte Basis-Modell, sondern die eher wenig sportliche Ref. 731.OE.2180.RW mit Rotgold-Gehäuse und weissem Zifferblatt. – Und immer noch mit vergleichsweise bescheidenem Foto-Equipment in der Hand.
Erst Ende 2024 sollte sich die nächste Gelegenheit bieten, nochmals einen fotografischen Anlauf zu starten (dem drei erfolglose Versuche in den USA und der Schweiz vorangegangen waren): eine der wenigen auf dem Markt verfügbaren Titan-Uhren befindet sich aktuell auf der Online-Plattform der deutschen Uhrenkapital GbR im Angebot und damit geografisch in Reichweite eines anständigen Objektivs. Es handelt sich bei der hier gezeigten Uhr also definitiv nicht um ein fabrikneues Exemplar, dafür konnte auch gleich der Beweis erbracht werden, dass der Schutzbügel bei zwei Uhr keine Schwachstelle darstellt. Mehr über dessen Funktion gleich im Anschluss.
Bei der hier mehrheitlich abgebildeten Variante handelt es sich um eine der auf 1’000 Stück limitierten Initial-Uhren. Zeitgleich hatte Hublot noch eine auf 500 Stück limitierte Variante mit Vollkarbon-Gehäuse am Start (Ref. 731.QX.1140.RX), es folgten dann Gold-Modelle und zahlreiche Kleinauflagen, unter anderem auch mit Jeans-Zifferblatt und sogar ein Einzelstück für die Only Watch Auktion 2011. Hublot selbst fasst das Ganze heute in fünf Referenzen zusammen, vermutlich aufgeteilt in die verwendeten Gehäusematerialien (Titan, Gelb-, Weiss- und Rotgold, sowie Karbon), obschon alleine schon die “Caribbean Special Edition” von 2012 auf neun individuelle Referenz-Nummern kommt. Aber, wie schon gesagt, die hier gezeigte Ref. 731.NX.1190.RX von 2011 ist und bleibt die konzeptionell konsequenteste Umsetzung, und könnte – mit Blick auf deren Design – auch gerade erst lanciert worden sein.

Die Oceanographic 4000 verfügt über ein für die Marke typisch konstruiertes Sandwich-Gehäuse mit 48 mm Durchmesser (u.a. zusammengehalten mit den geschwärzten H-Schrauben auf der Vorderseite), dank des integrierten Bandes ist die Uhr vergleichsweise gut zu tragen, durch die gebotene Wasserdichtheit und die innenliegende Lünette steigt die Bauhöhe aber auf eindrückliche 20,3 mm an (wovon über 6 mm vom Deckglas beansprucht werden), und das verlangt dann definitiv nach etwas stärkeren Handgelenken – oder Selbstvertrauen. Zwischen den Titan-Elementen auf der Ober- und Unterseite liegt die mehrteilige Mittelsektion aus schwarzem Verbund-Kunstharz.

Das kantige Titan-Gehäuse verfügt bereits über das Hublot-eigene Schnellwechsel-System (mit Druck auf das Dreieck bei sechs und zwölf Uhr lässt sich das Band entfernen), bei zwei und vier Uhr gibt’s zwei üppig proportionierte Kronen: die Bedienung des automatischen Werks erfolgt über die verschraubte Krone bei vier Uhr, die ebenfalls verschraubte Krone bei zwei Uhr ist zur Bedienung der innenliegenden Lünette. – Die zudem nur einseitig rastend zu drehen ist (im Gegenuhrzeigersinn dreht die Krone im Leeren). Die Krone selbst wird im verschraubten Zustand dann noch vom aufklappbaren Schutzbügel verdeckt. Mit anderen Worten: keine Lünette und keine Krone dürfte besser geschützt worden sein als diese hier bei der Oceanographic 4000.


Die Verbindung zu Monaco
Offiziell lanciert wurde die Uhr am 6. Juni 2011 in Monaco in Anwesenheit von HRH Prince Albert II of Monaco, Robert Calcagno (dem aktuellen CEO des Oceanographischen Institutes), Sir Alex Ferguson and Jean-Claude Biver, dem damaligen CEO von Hublot.
Das Musée Océanographique in Monaco zählt zu den „largest museums dedicated to marine science. More than 60,000 scientific, naturalist, artistic and ethnological objects are part of the Oceanographic Museum’s collections.“ Es gehört wie sein Gegenstück in Paris (Maison de l’Océan), zum Institut Océanographique, das 1906 von Prinz Albert I (13. November 1848 – 26. Juni 1922) gegründet und von 1957 bis 1988 von niemand anderem als Jacques-Yves Cousteau (11. June 1910 – 25. Juni 1997) geleitet worden ist.

Im Rahmen der Partnerschaft zwischen Hublot und dem Institut wurde „a financial contribution to the missions and scientific surveys conducted by the Institute“ vereinbart. Im Gegenzug wurde die Uhr im Aquarium ausgestellt und mit einer entsprechenden Bodengravur versehen (bei späteren Varianten, wie bspw. der „Exo 4000“, Ref. 731.QX.1123.NR.EX, findet sich ein anderes Motiv).
Apropos Antrieb: Hinter dem massiven Gehäuseboden kommt das HUB1401 mit 42 Stunden Gangreserve zum Einsatz. Hinter dem Kürzel versteckt sich ein modifiziertes 2892-A2 von ETA – einerseits verschmerzbar, da bei einer solchen Uhr die Aussenschale Priorität und das Werk einen ausgezeichneten Ruf hat, gleichzeitig aber angesichts des aufgerufenen Verkaufspreises auch etwas enttäuschend, auch wenn Hublots Inhouse-Kapazitäten damals noch auf einem anderen Niveau waren.
2011 wurde die Oceanographic 4000 am Grand Prix d’Horlogerie de Genève (GPHG) eingereicht und schaffe es in der Kategorie „Design Watch“ immerhin in die Vorselektion.
Ein zweites Fazit – 13 Jahre nach der Premiere
Die vorrangige Frage bei der Beurteilung einer Uhr wie der Oceanographic 4000 ist sicher, ob ein solches Produkt überhaupt zu einer Marke wie Hublot passt. Mit der Partnerschaft mit dem Ozeanographischen Institut, der „Mission Return to Antikythera“ und dem dabei eingesetzten Panzertauchanzug „Exosuit“ wurden Marketing-technisch sicher die richtigen Entscheide gefällt, die Passgenauigkeit der beiden Elemente zu erhöhen. Umgekehrt hatte Hublot die Uhr aber in den lediglich vier Jahren ihrer Verfügbarkeit auch rasch auch als Plattform für zahlreiche, nicht mit dem Tauchen verbundene Limited Editions genutzt, darunter für die Alinghi und als „Carbon Denim“ Edition – und spätestens hier wurde das Paket dann etwas unglaubwürdig.
Unabhängig davon hat es die Marke geschafft, mit dem rastenden Innenring das grösste Manko von Uhren dieser Bauart zu eliminieren, ist aber natürlich mit der zweifach geschützten Krone etwas über deren Praxisnutzen hinausgeschossen. Optisch und konstruktiv hat die Taucheruhr – vielleicht auch gerade deshalb – nichts von ihrer beeindruckenden Wirkung am Arm (und in der Hand) verloren, auch wenn ein exklusiveres Werk sicher wünschenswert gewesen wäre, und die Schriftart der Datumsscheibe moderner hätte sein können (mit Blick auf die verwendete Military Spray Paint auf dem Drehring). Das war’s dann aber auch schon.
Und damit zu den Bildern (Grossansicht nach Klick) – endlich:











Technische Daten Hublot Oceanographic 4000
| Hersteller: | Hublot |
| Modell: | King Power Diver Oceanographic 4000 |
| Referenz: | 731.NX.1190.RX |
| Markteinführung: | 2011 |
| Funktionen: | Stunden, Minuten, Sekunde, Datum |
| Werk: | HUB1401 mit 42 Stunden Gangreserve, 28’800 Halbschwingungen pro Stunde |
| Wasserdichtheit: | 4’000 Meter / 400 bar |
| Gehäuse: | Titan (Grade 2) mit Verbund-Kunstharz-Elementen; Aufzugskrone verschraubt, innenliegende Lünette (einseitig rastend), integriertes Heliumventil bei 10 Uhr |
| Glas: | Saphirglas entspiegelt (6,5 mm) |
| Durchmesser: | 48 mm |
| Lünette: | innenliegend, einseitig rastend |
| Krone: | verschraubt (beide) |
| Band: | schwarzes Kautschukband mit Dornschliesse und überlanges Nylonband |
| Preis (2012): | CHF 17’900.00 / $19’900.00 |
Mehr über die Oceanographic 4000 (und auch Oceanographic 1000 mit Chronograph) gibt’s bei Interesse hier. In Bewegung gibt’s die Uhr hier zu sehen. Und das Verkaufsangebot von Uhrenkapital.de gibt’s hier (an der Stelle herzlichen Dank an die beiden Gesellschafter Jan Grundmann und Stephan Schmitz für die Möglichkeit, die Uhr fotografieren zu können).


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