Hands-On: Citizen Promaster „Fujitsubo“ Dive Automatic

Kaum ein Uhrenhersteller hat das Taucheruhren-Segment in den 80er- und 90er-Jahren so beeinflusst, wie der japanische Uhrengigant Citizen – es dürfte damals nur wenige Sporttaucher gegeben haben, die nicht mit einer Aqualand oder generell einer Promaster am Arm ins Wasser gegangen sind. Fast noch interessanter: in den letzten 50 Jahren hat Citizen bei fast jeder neuen Modell-Generation versucht, das Design der Taucheruhr grundsätzlich zu hinterfragen und neu zu interpretieren, dazu gehören bspw. die bis 1’300 Meter wasserdichte, erste Titan-Taucheruhr von 1982, die Auto- und Eco-Zillas von 2002, oder die 2006 lancierten Orca-Modelle.

Völlig umgekehrt ging man noch in den 60er- und 70er-Jahren ans Werk: die ersten bis 150 Meter wasserdichten Taucheruhren der Marke basierten auf einem tendenziell generischen Design mit Mercedes-Zeiger, mit dem die Marke in den 60er- und 70er-Jahren zu arbeiten begonnen hatte (Parawater). Ein späteres Modell von 1977, das unter der Bezeichnung „Challenge Diver“ vermarktet worden ist, hat Citizen nun im Jahr 2022 zurück auf den Markt gebracht, was in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert ist: erstens passte ein Remake eines Retro-Designs bislang nicht wirklich in die Kollektion zeitgemässer Uhren, der Launch markiert also so etwas wie einen Stretegiewechsel bei Citizen, zweitens sieht die damals generische Uhr im heutigen Marktumfeld überraschend eigenständig aus. Und drittens handelt es sich auch um ein weiteres Indiz, dass Citizen die Mechanik-Liebhaber wieder stärker in den Fokus rückt, schliesslich ist die „Fujitsubo“ mit dem Cal. 9051 bestückt.

Citizen "Fujitsubo" Tacuheruhr mit schwarzem Zifferblatt am Handgelenk
Mit 41 mm Durchmesser und 70 Gramm Gewicht (mit Band) macht die Titan-Uhr von Citizen auch am Handgelenk eine gute Figur.

Die Taucheruhr, die im Pazifik verloren gegeangen ist – und mit Seepocken überwachsen wieder gefunden wurde

Ihren Spitznamen „Fujitsubo“ (jap. für „Seepocken“) verdankt die Uhr dabei einem besonders glücklichen Exemplar, das 1983 bei Sydney aus dem Meer gezogen wurde und – offenbar nach einigen Jahren im Salzwasser und entsprechend grossflächig mit Seepocken überwachsen – immer noch funktioniert haben soll. Die Uhr von 2022 zollt genau diesem Modell Tribut und kam im Sommer 2022 in vorerst zwei Ausführungen auf den Markt: einmal mit schwarzem Zifferblatt und schwarzem Band (Ref. NB6021-17E), und einmal mit Metallband und blauem Zifferblatt (Ref. NB6021-68L). Beide Uhren sind mit einem Gehäuse (respektive Band) aus gehärtetem „Super Titan“ ausgestattet, das laut Citizen bis zu fünfmal besser vor Kratzern geschützt sein soll, als ein vergleichbares Gehäuse aus Edelstahl. Dazu kommen die damit verbundene Gewichtsreduktion (die schwarze NB6021-17E wiegt gerade mal 70 Gramm mit Band), eine bessere Hautverträglichkeit und ein höherer Schutz vor Korrosion. Citizen setzte dabei die einseitig rastende (60 Klicks) Lünette durchgehend poliert um, während der (sehr schlicht ausgeführte) Boden und das Gehäusemittelteil gebürstet sind. Die Krone ist verschraubt und bei 3 Uhr positioniert, aufgrund des fehlenden Schutzes und der anglierten Bandanstösse ist somit bereits ein Teil der doch eher feinen Unterschiede zu anderen Uhren zu sehen. Der Durchmesser ist mit 41 mm gleich wie beim Original geblieben, aber das Gehäuse ist mit 12,3 mm etwas flacher geworden, und statt bis 150 nun bis 200 Meter wasserdicht, beim Glas kommt zudem Saphir zum Einsatz. Ein weiteres markantes Detail sind die breiten, gestanzten Indexe auf dem Zifferblatt der nach ISO-zertifizierten Taucheruhr. In der Summe also eine für Citizen sehr zurückhaltende, fast generisch gestaltete Uhr, von der es in der Gegenwart überraschenderweise weniger vergleichbare Modelle gibt, als noch vor über 50 Jahren.

Das vom Werke-Hersteller Miyota (der ebenfalls zur Citizen-Gruppe gehört) gelieferte 9051 baut 4,1 mm hoch, bietet 42 Stunden Gangreserve und erhöhten Schutz vor Magnetfeldern.

Beim Werk setzt Citizen auf das 9051 mit 28’800 Halbschwingungen pro Stunde und rund 42 Stunden Gangreserve bei Vollaufzug. Laut Citizen ist das von Miyota gefertigte Kaliber etwas besser vor erhöhter Magnet-Resistenz (bis 16’000 A/m) geschützt und wird auf die doch eher breit gestreute Ganggenauigkeit von -10 bis +20 Sekunden pro Tag einreguliert. Sowohl Sekundenstopp als auch Handaufzug sind bei dem hier gezeigten Modell möglich.

Eine mechanische Taucheruhr mit exzellentem Preis-/Leistungs-Verhältnis

Mit einem Listenpreis von aktuell CHF 695.00 (NB6021-17E) gehört die „Fujitsubo“ zu den günstigsten mechanischen Taucheruhren mit Titangehäuse, und stellt aktuell die preiswerteste Option dar, das vergleichsweise neue 9051 in die Sammlung oder ans Handgelenk zu bringen. – Dass selbiges in einem Plastikhaltering steckt, passt zur Preis- und Gewichtsklasse, ebenso der etwas nüchterne Boden und die Dornschliesse. Eher weniger gut passt dafür das (lobenswert lange) schwarze Band, hier wäre ein durchgehend 20 mm breites Band oder ein Textilband als Kontrast zum klassischen Design vermutlich etwas harmonischer gewesen.

Zum Vergleich: Die Taucheruhr an einem schwarzen NATO-Band.

Immerhin, die „Fujitsubo“ dürfte an fast jedem Band eine gute Figur machen, auch wenn die nicht durchbohrten Hörner den Wechsel etwas umständlicher machen als bei Uhren der Konkurrenz-Marke Seiko. Und wenn die Kritik an der Uhr einzig dem Band gilt, scheint Citizen mit dem Relaunch in der Tat einiges richtig gemacht zu haben. Damit zu den Bildern (Grossansicht nach Klick):

Technische Daten Citizen Fujitsubo

Hersteller:Citizen
Modell:Promaster Dive Automatic “Fujitsubo”
Referenz:NB6021-17E
Markteinführung:2022
Gehäuse:41 mm grosses, bis 200 Meter wasserdichtes Titangehäuse mit gehärteter Oberfläche („Duratect TIC“), einseitig rastende Lünette (60 Klicks) mit Aluminium-Inlay, verschraubter Gehäuseboden und verschraubte Krone, flaches Saphirglas mit anglierten Kanten (innenseitig gewölbt), 12,3 mm Höhe, 70 Gramm Gewicht (mit Band, 54 Gramm ohne), ca. 48 mm Länge (von Bandanstoss zu Bandanstoss)
Werk:Cal. 9051 mit 28’800 Halbschwingungen pro Stunde (4 Hz), 42 Stunden Gangreserve bei Vollaufzug, 24 Rubine
Band:Schwarzes Polyurethan-Band mit Dornschliesse, 20 mm Bandanstossbreite
Varianten:NB6021-68L mit blauem Zifferblatt und blauem Drehring-Inlay sowie Titan-Band (Gesamtgewicht: 110 Gramm)
Garantie:2 Jahre in der EU, 5 Jahre in den USA, England, Kanada, Irland, Karibik und Mexiko
Preis:CHF 695.00 (2023) resp. €650.00

Bilder der blauen Variante gibt’s hier. Die Uhr in Bewegung gibt’s hier.

2 Kommentare

  1. Ein „will haben“ Teil. Ich hätte gerne die mit schwarzem ZB aber mit dem Titanband. Ich verstehe nicht warum es das Titanband nur für die blaue gibt. Schade.

    1. Habe beide grad letzte Woche in München gesehen, preislich praktisch kein Unterschied mehr, selbes auf der USA-Website, wo grad eine Promo läuft. Umgekehrt finde ich, dass die Uhr an einem Metallband etwas untergeht.

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