Letzten September wurde bekannt, dass die Schweizer Uhrenmarke Rolex, unter anderem auch bekannt für deren fast beispiellose Verschwiegenheit, erstmals mit einem Verlag für ein Buch-Projekt zusammengespannt hat:
„Swiss watchmaker Rolex has partnered with global design authority Wallpaper* to publish the first authorized history of the Oyster Perpetual Submariner watch. Written by author and watch expert Nicholas Foulkes, the 252-page book, Oyster Perpetual Submariner – the watch that unlocked the deep, is available from September 16, 2024 in English and French. It is the first in a series of titles exploring the brand’s unique watches.“
Rolex Pressemitteilung
Was wir dabei selbstverständlich nicht wissen: wie umfangreich der Zugang ins Archiv von Rolex war, wie umfangreich selbiges ist und wieviel Kontrolle der Uhrenhersteller über das finale Werk behalten wollte. Wenn aber bereits auf Seite 16, mehr oder weniger die erste redaktionelle Seite des Buches, die Falschaussage „The Oyster, the first waterproof wristwatch“ wiederholt wird, darf man sich sicher fragen, wie Nicholas Foulkes, „a historian with a lifelong obsession with watches“, im Jahr 2024 als einer der wenigen in der Branche nicht zu wissen scheint oder wissen will, dass die Geschichte der wasserdichten Uhr definitiv nicht mit Rolex begonnen hat. Oder warum Rolex hier (und später auf Seite 92) nicht souverän genug war, korrigierend einzugreifen, zumal die Leistungen des Unternehmens in diesem Bereich tatsächlich unerreicht sind. Beide Szenarien lassen die beteiligten Parteien in wenig gutem Licht erscheinen (schlampige Recherche versus Unwissenheit versus absichtliche Falschaussage), und so trübt der erste Eindruck automatisch die durchaus sehens- und wissenswerten Informationen des Buches, darunter vor allem die erstmals veröffentlichten Produktionszahlen einzelner Referenzen (bspw. wurden gemäss Buch knapp 650’000 Exemplare der Submariner Date Stahl Ref. 16610LN produziert). Der Vollständigkeit halber: Auch zu den Zahlen gibt es den einen oder anderen kritischen Hinweis, aber hier dürfte einzig Rolex die Wahrheit kennen.

Insgesamt ist das 252-seitige Buch empfehlenswert, es dürfte aber für Freaks zu oberflächlich und für Einsteiger historisch zu selektiv sein. Insofern lohnt sich ein Kauf sicher wegen der erstmals veröffentlichten Produktionszahlen, aber beide Gruppen sollten die Erwartungen etwas realistisch halten, weder wird das Kapitel Panerai erwähnt, noch die Entstehungsgeschichte des Heliumventils korrekt dargestellt, um nur zwei weitere Problemstellen zu erwähnen.
Aus eigener Erfahrung weiss ich, wie schwierig die Recherche bei einem solchen Projekt ist, und ich ziehe meinen Hut vor der Arbeit Foulkes und dem Coup, Wallpaper und Rolex zusammengebracht zu haben. Nichtsdestotrotz muss auch ich José Perez von Pereztroika.com grundsätzlich zustimmen, das Resultat ist für mich eine verpasste Chance, einer der wichtigsten Uhren der Industrie endlich ein würdiges Denkmal in Buchform zu setzen.

Das üppig bebilderte Werk „Oyster Perpetual Submariner – the watch that unlocked the deep“ (ISBN 9781805218937) hat einen offiziellen Listenpreis von £100.00 und kann unter anderem hier bestellt werden.


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