Breitling SO Heritage

Perfekte Wasserlandung

Wasser und die Fliegerei gehören seit mehr als 100 Jahren untrennbar zueinander. Und auch wenn die Ära der grossen Flugboote (Clipper, BV 238, Mars etc.) oder auch der faszinierenden experimentellen Düsenjäger (Saunders-Roe SR.A/ oder Sea Dart) resp. -bomber (SeaMaster) mit Schiffsrumpf heute längst vorbei ist, so finden sich rund um den Globus noch immer zahlreiche unverzichtbare Flugzeugtypen, meist mit Propeller und Schwimmkörpern ausgestattet, die an die grosse Zeit erinnern, da ein Hafen sowohl für Schiffe wie auch Flugzeuge gedacht war. Vor diesem Hintergrund überrascht es vielleicht etwas weniger, dass ausgerechnet Breitling, ein Unternehmen, das den Begriff „Fliegeruhr“ wie kein anderes für sich beansprucht, auch Uhren für den Einsatz im Wasser im Programm hat. – Und das mit beachtlichem Leistungsausweis und ebenso beachtlicher Historie in dieser Beziehung.

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Breitlings Jungfernflug in die Welt unterhalb des Meeresspiegels fand vor 50 Jahren statt: 1957, mit der bis 200 Meter wasserdichten Superocean.

Die damals primär für Berufstaucher entwickelte Uhr trug erstmals den bis heute beibehaltenen Namen in die Öffentlichkeit. „Schalenbauweise“ und „Panzerglas“ sollten laut Werbung genau die Vorzüge bringen, die von einer zunehmend grösser werdenden Zielgruppe gefordert wurden. Und mit dem damals ebenfalls erhältlichen Schwestermodell Superocean Chronograph konnte Breitling auch die Kernkompetenz des Unternehmens unterstreichen – schliesslich gilt die Messung von Zwischenzeiten seit 1915 als eigentlicher Schwerpunkt des Unternehmens.

Die eigentliche Erfolgsgeschichte der Taucheruhren mit dem Namen Breitling sollte indes erst weit nach Übernahme der Markenrechte durch Ernest Schneider erfolgen: 1995 überraschte Breitling beispielsweise mit einer bis 1‘500 Meter wasserdichten Taucheruhr, 2002 brach eine bis 3‘000 Meter wasserdichte Uhr sämtliche bislang geltenden Rekorde innerhalb der mechanischen Taucheruhren-Welt, und bis heute fallen die aktuellen Modelle vor allem durch ein Attribut auf: Sie schneiden in allen Tests der Fachpresse überdurchschnittlich gut ab, obschon sich die Gestaltungselemente der Breitling-Taucheruhren in der Regel stark vom üblichen Design unterscheiden.

Die an der Baselworld 2007 anlässlich des 50-Jahre-Jubiläums des Ur-Modells vorgestellte (wenn dort auch nicht offiziell ausgestellte) Superocean Heritage ist da natürlich eine Ausnahme: Wie der Namenszusatz bereits vermuten lässt, orientiert sie sich mehr oder weniger am Original von 1957 und somit auch am klassischen Taucheruhren-Design. Sie passt damit perfekt in den derzeit herrschenden Trend der Hommagen und geht gleichzeitig nicht ganz so streng mit der historischen Vorgabe um: Insbesondere die beim Ur-Modell auffälligen Indexe und die nach Innen abfallende Lünette wichen einem insgesamt und für Breitling sowieso dezenteren Design; Wasserdichtheit und Gesamt-Eindruck bleiben aber sehr nahe an der Vorgabe.

Auf jeden Fall überrascht es angesichts so viel Klassik nicht, wenn selbst hartgesottene Breitling-Kritiker (zu denen sich auch der Autor zählt) zugeben, dass es sich hier um eine Uhr handelt, die gefährlich für die Brieftasche werden könnte.

Und – Hand aufs Herz – eines muss man ihr wirklich lassen: Sie ist schlicht und ergreifend wunderschön.

Was Sie hingegen nicht ist: Sie ist weder günstig, noch als kompromissloses „Instrument for Professionals“ ausgelegt. Selbstverständlich kann man mit ihr abtauchen, die Lünette ist sogar überraschend griffig – aber mit 200 Meter Wasserdichtheit fällt der Vergleich zu den anderen Modellen des Herstellers (die z.T. bis 15x tiefer gehen, mit Heliumventilen etc. ausgestattet sind) natürlich schwer. Hinzu kommen kleinere Regelverstösse wie ein Sekundenzeiger ohne Leuchtmasse und eine Lünette ohne durchgehende Nummerierung, die man in Grenchen bislang nicht in Kauf nehmen wollte.

Sei’s drum, es bleibt – wie bereits erwähnt – eine wunderschöne Uhr.

Was man sich hingegen bei aller Verliebtheit nicht ganz schön reden kann: Mit CHF 3‘480.- für die hier abgebildete Variante mit Kautschukband wird doch ein sehr professioneller Preis verlangt, der entsprechend auch nicht ganz kommentarlos bleiben soll. – Auch wenn Diskussionen um den Preis sowieso eher sinnlos sind, in einer Branche, da sich teure Uhren tendenziell einfacher verkaufen lassen und da eine Marke meist mehr wiegt, als das Produkt selbst. Aber nichtsdestotrotz liegt im vorliegenden Fall der Verdacht nahe, dass Breitling bei der Preisfindung schlicht und einfach das Modell aufwerten und in die Nähe des Mitbewerbers Planet Ocean bringen wollte. Denn wie sonst liesse sich erklären, dass man in der aktuellen Kollektion nach wie vor eine bis 3‘000 Meter dichte Avenger Seawolf im Titangehäuse für CHF 2‘990.- kriegt? Selbstverständlich werden die Qualität, Durchmesser und bspw. das Zifferblatt bei der Superocean Héritage recht ins Produktionsbudget eingegriffen haben, aber nichtsdestotrotz fällt eine Rechtfertigung schwer.

Wie gesagt, es ist und bleibt eine wunderschöne Uhr. Eine Uhr, die sich punkto Verarbeitung keinerlei Schwächen leistet, aber die dennoch mit einem Werk auf ETA-Basis (2824), einem simplen Drehring-Inlay ohne jede Raffinesse und einem hochglanzpolierten Gehäuse auskommt.

Wer damit leben kann, kriegt dafür eine Menge an Perfektion geboten: Angefangen bei den wunderbar dimensionierten und ausgeführten Zeigern, einem atemberaubenden Blick aufs Zifferblatt oder der cleveren variablen Faltschliesse – die Superocean Heritage bietet keine einzige Sekunde lang irgend etwas, das sich wirklich bemängeln liesse (ausser vielleicht, dass der Werkdurchmesser nicht unbedingt mit den Zifferblattabmessungen mithalten kann, was mit dem Datum bei 6 Uhr aber sehr elegant gelöst wurde).

Selbst wem die mit 46 mm zwar stattliche, aber dennoch sehr komfortable und flache Uhr zu gross sein sollte: Die Variante mit 38 mm Durchmesser und dezentraler Sekunde hat ebenfalls ihren Reiz. Und als blaue, braune (Bronze) oder schwarze Version in beiden Grössen dürfte sich so auch garantiert die ideale Begleiterin für jeden Badewannen-Piloten finden lassen.

Bei den Bändern steht das farblich abgestimmte Leder- oder das hier abgebildete Kautschukband zur Verfügung, wahlweise gibt’s auch das aufgrund fehlender Bandanstösse etwas ungewohnte anmutende, geflochtene Stahlband „Ocean Classic“ (mit entsprechendem Aufpreis) – plus natürlich alles, was zur Bandanstossbreite von 24 mm passt.

Auf dem Zifferblatt gibt’s – wie man es von Breitling gewohnt ist – jede Menge zu lesen, u.a. auch, dass das Werk (Breitling Kal. 17) wie gewohnt COSC-zertifiziert ist. Und daran gibt’s wenig zu zweifeln, die Gangresultate sind äusserst erfreulich.

Fazit

Makellose Uhr, für Breitling (noch) überdurchschnittlich teuer. Aber wer sich dem Reiz dieses wunderschönen Instant-Klassikers ebenfalls nicht entziehen kann, kriegt auch überdurchschnittlich viel Freude mit auf den Weg – unabhängig davon, ob dieser nun auf, über oder unter dem Meeresspiegel verläuft.

Technische Daten

Modell: Breitling Superocean Héritage 46
Referenz-Nummer: A1732024/B868/201S/A20D.2
Lancierungsjahr: 2007
Zifferblatt: schwarz mit aufgesetzten Indexen
Werk: Breitling Kal. 17 (Basis ETA 2824), weisse Datumsscheibe, 25 Rubine, ca. 48h Gangreserve bei Vollaufzug, COSC-geprüft
Grösse: 46 mm Durchmesser, ca. 13 mm Höhe, 24 mm Bandanstossbreite
Gewicht: ca. 156 Gramm (mit Kautschukband)
Band: Kautschkukband „Ocean Racer“, Stahl- und Lederoptionen erhältlich
Gehäuse: Stahl poliert, Krone verschraubt, einseitig drehbarer Drehring (120 Schritte) mit Aluminium-Einlage
Glas: Saphir bombiert, beidseitig entspiegelt
Zubehör: Breitlings schwarze Bakelit-Box, eine integrierte Reise-Box/Kissen, Umkarton, Bedienungsanleitung, Garantieschein und COSC-Zertifikat gehören zum Lieferumfang
Preis: ab CHF 3’480.- (2007)

 

Dieser Artikel wurde im Jahr 2007 erstmals veröffentlicht. 2017 präsentierte Breitling eine leicht überarbeitete Generation mit neuem Werk.

2 Kommentare zu “Breitling SO Heritage

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