Blancpain Bathyscaphe

Die grosse kleine Schwester

Zum 60jährigen Jubiläum der Fifty Fathoms lancierte Blancpain an der Baselworld 2013 eine etwas kleinere und günstigere Taucheruhr „Bathyscaphe“, die anstatt Saphirglaseinlage mit einer Keramiklünette ausgestattet worden war. Trotz der für manchen eher ungewöhnlichen Zeigerform und der hauseigenen Konkurrenz in Form der Fifty Fathoms entwickelte sich aus dem dem Modell in wenigen Jahren eine ziemlich ausgewachsene Kollektion an Uhren, die nebst unterschiedlichen Gehäusematerialien und Durchmessern spätestens seit 2018 auch eine beachtliche Zahl an Komplikationen zu bieten hat.

Die Blancpain Fifty Fathoms „Bathyscaphe“, hier die Version mit 43 mm grossem Titangehäuse und grünem Natoband (Ref. 5000-1230-NAKA), debütierte an der Baselworld 2013

Den Anfang machten eine 43 mm grosse Edelstahlversion mit grauem Blatt, eine etwas mattere Titanversion mit schwarzem Blatt (beide mit Kal. 1315 und von Beginn weg mit zahlreichen Bandoptionen erhältlich) sowie ein weisses Damenmodell mit 38 mm Durchmesser und mit Kal. 1150 als Antrieb.

Sprichwörtlich Gas gab Blancpain im Folgejahr mit der 43 mm grossen Chronographen-Version (Kal. F385 mit 36’000 Halbschwingungen pro Stunde), mit der auch erstmals schwarze Keramik als Gehäusematerial bei Blancpain Einzug hielt.

An der Baselworld 2014 lancierte Blancpain die Chronographen-Version der Bathyscaphe – nebst neuem Werk (F385 mit 5 Hz) unter anderem auch erstmals in der Geschichte der Marke mit Keramikgehäuse (abgebildet: Ref. 5200-0130-NABA)

Bereits im Herbst des selben Jahres wurde die Ocean Commitment-Initiative lanciert und mit einem limitierten Sondermodell des Chronographen (mit grauem Keramik-Gehäuse und blauem Zifferblatt) gefeiert. – Im Vergleich zum Metall-Gehäuse wurden hier aber 43,6 mm Durchmesser gemessen. Und spätestens jetzt wurde klar, dass die Bathyscaphe längst kein Kompromiss mehr zur Fifty Fathoms war, sondern eine für die Marke strategisch wichtige Erweiterung darstellte.

Seit 2015 gibt’s auch bei der Dreizeigeruhr Keramik-Optionen, und mit der Sedna-Gold Bathyscaphe die bislang einzige Edelmetall-Variante (links Ref. 5000-0130-NABA, rechts, Ref. 5000-36S30-NABA)

2015 fand das schwarze Keramikgehäuse (ebenfalls 43,6 mm) auch bei der Dreizeigeruhr Verwendung, und mit einer Rotgold-Version (Sedna-Gold) wurde zeitgleich die bislang teuerste Version der Uhr gezeigt. 2016 wurde dann auch das „Plasma-graue“ Keramikgehäuse für die Dreizeigeruhr erhältlich, das vorher dem Ocean-Commitment-Sondermodell vorbehalten war.

Mechanisch nochmals komplizierter wurde es im Jahr 2018: mit der „Quantième Complet“ mit Vollkalender und Mondphase, der „Quantième Annuel“ mit Jahreskalender (Kal. 6054-P) und der auf 500 Stück limitierten „Jour Date 70’s“ mit Tages- und Datumsanzeige (Kal. 1315DD) wurden erstmals funktionale Upgrades bei der Dreizeigeruhr eingeführt.

Die 2018 vorgestellte Bathyscaphe „Jour Date 70’s“ ist auf 500 Exemplare limitiert und verfügt über eine Wochentags- und Datums-Anzeige bei 3 Uhr sowie ein Zifferblattdesign, das auf einem Modell der Siebzigerjahre basiert (abgebildet: Ref. 5052-1110-063A)

Insgesamt stehen derzeit über alle Versionen drei Keramik-Gehäuse (schwarz, grau und blau), ein Titan- und Stahlgehäuse, eine Edelmetall-Option (Sedna-Gold), zwei Durchmesser (38 mm und 43 mm resp. 43,6 mm) und mehrere Komplikationen zur Verfügung; ähnlich sieht’s bei den Bändern aus: Segeltuch, Metall und Nato stehen zur Wahl, bei den Zifferblättern gibt’s mindestens fünf Farben (schwarz, grau, grauer Verlauf, weiss und blau).

Für die zivile Kundschaft entwickelt

Während die Fifty Fathoms in den 50ern in enger Kooperation mit dem französischen Militär entwickelt worden war, wollte Blancpain mit der Bathyscaphe (für die man sich bei der Namensgebung von Jacques Piccards Tauchgefährt inspirieren liess) ab 1956 auch eine etwas kleinere Option für Sporttaucher anbieten.

Die historische Vorlage der aktuellen Blancpain Bathyscaphe wurde 1956 lanciert und primär für den zivilen Taucher konzipiert

Wie auch bei der Fifty Fathoms, zeichnet sich die Entwicklung der Bathyscaphe nicht als eine stringente Kollektion aus; so gibt es von dem Modell zahlreiche unterschiedliche Zeigerformen und Lünetteneinlagen auf dem Vintage-Markt zu finden. Für die 2013er Neuauflage setzte Blancpain auf eine für die Marke ungewöhnlich klare Formensprache mit aufgesetzten Indexen und Stabzeigern. Gleich wie beim Schwestermodell entschied sich das Team in Le Brassus für ein leicht nach Innen versetztes Datumsfenster zwischen 4 und 5 Uhr, was erfahrungsgemäss nicht jedem Käufer gefallen dürfte, wie auch die dünnen Fortsätze von Stunden- und Minutenzeiger nicht jedermanns Geschmack treffen dürften. Der Durchmesser liegt bei stattlichen 43 mm, was die Uhr aber gut zu kaschieren weiss.

Dafür steht mit dem Kaliber 1315 ein zeitgemässes Inhouse-Werk zur Verfügung, das mit 120 Stunden Gangreserve und Silizium-Spirale aufwarten kann. Das Automatik-Werk misst 30,6 mm Durchmesser und 5,65 mm in der Höhe; es hat 35 Lagersteine und besteht aus insgesamt 227 Komponenten. Es ist notabene das selbe Werk, das bereits die Fifty Fathoms seit 2007 antreibt (mit anderem Rotor) und kann hier zu einem um ein Drittel tieferen Preis ans Handgelenk geschnallt werden.

Damit wären wir auch bereits bei der Preisfrage: mit einem Listenpreis von 9’500 Euro im Lancierungsjahr ist die Uhr tatsächlich günstiger als die Fifty Fathoms, aber natürlich immer noch ein kapitaler Brocken. Zudem ist die Uhr spürbar über der Submariner angesiedelt und damit strategisch gut zwischen „ich bin auf der Suche nach einer exklusiven Marke und eigenständigem Design“ und „als Blancpain-Fan ist mir die Fifty Fathoms etwas zu poliert und auffällig“ positioniert. Interessenten dürften dadurch vermutlich vor allem mit der hauseigenen Konkurrenz hadern: Einerseits wäre da der optisch und inhaltlich hochinteressante Chrono mit dem Schaltradchronophen-Werk, andrerseits aber auch die Omega Planet Ocean mit dem schwarzen Keramikgehäuse, die preislich sehr nahe an der Blancpain liegt, und werkstechnisch ebenfalls ein paar handfeste innovative Lösungen zu bieten hat.

Ein unaufgeregter Klassiker

Beiden fehlt aber der angenehm reduzierte Auftritt am Handgenk, der aus der Bathyscaphe eine gute Anwärterin auf eine Uhr für alle Gelegenheiten werden lässt. Wer sich mit dem Datum und den unkonventionellen Zeigern anfreunden kann, hat hier also grosse Chancen auf einen zeitlosen Klassiker in der Sammlung, mit dem man zwar nicht an allen Ecken auffällt, dafür aber gelegentlich mit einem anerkennenden Blick belohnt wird.

 

Impressionen (Grossansicht nach Klick):

 

Technische Spezifikationen:

Hersteller: Blancpain
Modell: Fifty Fathoms Bathyscaphe
Referenz: 5000-1110-B52A
Lancierungsjahr: 2013
Gehäuse: Edelstahl satiniert, Sichtglasboden und Krone verschraubt, Drehlünette mit Keramikeinlage
Dimensionen: 43 mm Durchmesser, 13,4 mm Bauhöhe, 23 mm Bandanstoss
Wasserdichtheit: 300 Meter
Funktion: Stunde, Minute, Sekunde, Datum
Drehring: einseitig rastend, Edelstahl mit Keramik-Einlage
Werk: Inhouse-Kaliber 1315 mit Silizium-Spirale und 120 Stunden Gangreserve
Preis: €9’500.00 (2013)
Varianten: zahlreiche Zifferblatt-, Gehäuse- und Bandvarianten sind erhältlich, darunter Sedna-Gold, Keramik (mit 43,6 mm Durchmesser) und Titan; ebenfalls sind seit 2018 zahlreiche Komplikationen für die Dreizeigeruhr verfügbar, und seit 2014 auch ein Chronographen-Modell. Eine kleinere Version der Automatik-Uhr (38 mm) ist ebenfalls verfügbar.

 

Dieser Artikel wurde 2018 erstmals veröffentlicht.

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