Clerc Hydroscaph

Ausnahmeerscheinung aus Genf

Im Jahr 2008 überraschte die Genfer Marke Clerc mit einer Modell-Evolution, die in erster Linie völlig anders aussah, als praktisch jede andere Taucheruhr auf dem Markt. Drei Jahre später folgte von der überarbeiteten Hydroscaph erstmals ein Chronographen-Modell. Es verfügt über eine zentralen Chronographen-Anzeige, 24-Stunden-Anzeige, Datum sowie über die charakteristische Drehringsperre. Im Test: die Version mit geschwärztem Gehäuse und orangen Akzenten (CHY 585).

New Edge

In der Regel halten sich Hersteller an bekannte Elemente, wenn es darum geht, ein neues Taucheruhrenmodell zu entwickeln. Bei Clerc hatte man wohl eher den Anspruch (und mangels historischer Vorlage auch die Chance), auf der sprichwörtlich grünen Wiese zu beginnen. Das Resultat ist ein ebenso eigenständiges wie unverkennbares Design, das sich in den letzten 7 Jahren immer mehr zur Identität der gesamten Marke entwickelte. Besonders erfreulich: trotz aller Eigenständigkeit wirkt die Hydroscaph alles andere als exotisch.

Clerc_Hydroscaph_Chrono_CHY_585_2_2015

Auffälligstes Merkmal dürfte die runde Lünette mit den vier abgeschrägten Seiten sein. Sie sorgt nicht nur für überraschend guten Halt, berücksichtigt man deren durchwegs glatte Oberfläche, sondern steht auch stellvertretend für das Spiel mit Widersprüchen: Quadrate werden abgerundet, Rundungen werden kantig. Die selben Elemente findet man beispielsweise auch im Logo, als Gegengewicht beim zentralen Sekundenzeiger und bei der Krone bei 10 Uhr.

Clerc_Hydroscaph_Chrono_CHY_585_Bezel_Lock_2015Hier findet sich denn auch ein erstes konstruktives Highlight: Liegt der Bügel an, lassen sich weder Krone noch Drehring bewegen. Erst im aufgeklappten Zustand lässt sich die Lünette drehen – entweder, indem die Krone bedient wird, oder noch einfacher, indem der einseitig rastende Drehring regulär von Hand eingestellt wird (dann dreht die Krone ebenfalls mit). Diese Konstruktion in Kombination mit dem ohnehin schon überdurchschnittlich komplex ausgeführten Gehäuse lässt die Zahl der verbauten Komponenten auf 103 steigen. – In einer Gattung, da normalerweise möglichst wenig Teile verbaut werden, ein in jeder Hinsicht beeindruckendes Ergebnis.

Selbstverständlich ist die Frage berechtigt, inwieweit eine solche Sperre heute überhaupt noch notwendig ist, zumal ja auch der aufgerufene Preis eher nicht auf eine ganz normale Gebrauchsuhr schliessen lässt. Gleichzeitig darf hier aber attestiert werden, dass das Design der Uhr von der Konstruktion nicht massgeblich beeinflusst wurde (bspw. im Vergleich zur Ploprof oder der Oceanographic) und sämtliche Funktionen der Hydroscaph mit einer Hand bedient werden könnten (was bei der Ploprof praktisch unmöglich ist). – Im Wasser, dann auch noch mit Handschuhen, wäre das Ganze aber sicher ebenfalls etwas komplizierter zu bedienen als eine reguläre Lünette, dafür wird man an Land mit einer interessanten Haptik belohnt, da der Drehring überdurchschnittlich satt aufliegt.

Clerc_Hydroscaph_Chrono_CHY_585_Case_2015Ein weiteres Beispiel für den Aufwand beim Gehäuse kommt in Form des seitlich angebrachten Stossfängers, der im schlechtesten Fall einfacher ersetzt werden könnte, ohne das ganze Gehäuse zu tangieren. Mit Betonung auf „könnte“, liegt dieser „lateral protector“ im Vergleich zur Lösung von Seiko doch eher tief auf dem Arm und zudem nur auf der weniger exponierten Seite, womit Lünette, Drücker und Krone weiterhin einem unverändert hohen Risiko für Kratzer und Schläge ausgesetzt wären. Damit liegt dessen primäre Aufgabe wohl eher im optischen denn funktionalen Bereich.

Ebenfalls mitverantwortlich für die ungewöhnlich hohe Zahl an Gehäuseteilen: Die Bandanstösse der Hydroscaph sind beweglich und können somit unterschiedliche Handgelenksgrössen etwas ausgleichen. Im schmalsten aller Fälle passt sich die Lücke zwischen Gehäuse und Band an den Zwischenraum des seitlichen Schutzes bei 9 Uhr an; im umgekehrten Fall schliesst das Band nahtlos ans Gehäuse an.

Clerc_Hydroscaph_Chrono_CHY_585_Lugs_2015

Clerc gibt den Durchmesser der Hydroscaph mit annähernd 50 mm an (ohne Krone); auf dem Papier dürfte  diese Zahl grösser wirken als am Arm, da die Uhr dennoch relativ kompakt daherkommt und ohne zusätzlichem Schutzbügel eher in der Region 44 mm angesiedelt wäre. Aber: mit fast 55 mm über die ganze Länge gemessen ist die Chance da, dass man die Krone gelegentlich im Handrücken spürt.

Clerc_Hydroscaph_500_SS_Blue_Front_Baselworld_2015Wer hier an seine Grenzen kommt: das automatische Dreizeigermodell H1 wie auch das GMT-Modell mit Gangreserve kommen mit kompakteren Massen, aber ähnlichem Look.

Alle anderen Interessenten können zwischen regulärem Stahlgehäuse, geschwärztem DLC-Gehäuse, Rotgold- oder Karbonfaser-Komponenten wählen, und bei Zifferblättern und Bändern unterschiedliche Farb- resp. Materialoptionen ankreuzen. Sämtliche Chronographen-Varianten scheinen dabei auf maximal 500 Exemplare limitiert zu sein, die Nummer ist fortlaufend auf dem Gehäuseboden zu finden.

Beim vorliegenden Modell handelt es sich vermutlich um die sportlichste Variante: mit den orangen Kontrasten zum Stahl-Gehäuse mit schwarzer Beschichtung (DLC) sowie dem orangen Kautschukband passt das gute Stück perfekt zu jedem Korallenriff.

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Aufgrund der Bandanstösse und der Befestigung mit doppelten Federstegen dürfte der zukünftige Bandwechsel nur mit dem offiziellen Lieferanten möglich sein.

Clerc_Hydroscaph_Chrono_CHY_585_Clasp_2015Bei der doppelten Faltschliesse mit seitlichen Drückern wäre eine herkömmliche Dornschliesse zwar etwas weniger raffiniert, dafür zweckdienlicher gewesen, oder eine massivere Faltschliesse etwas besser für die Gewichtsverteilung geeignet gewesen, zumal die Uhr so etwas kopflastig, dafür das Band angenehm weich zu tragen ist. Dessen Länge müsste hingegen für eine Vielzahl an Handgelenken passen.

Werkschau

Clerc verbaut für die Hydroscaph ein automatisches Chronographen-Kaliber mit der Bezeichnung C608, die Schwungmasse ist entsprechend personalisiert. – Vermutlich wird sich hinter dem Kürzel das bewährte ETA 2892 als Basiskaliber verstecken, das mit einem passenden Modul versehen zu ganz neuen Fähigkeiten gekommen ist. Damit schafft es das Werk auf 51 Lagersteine und rund 44 Stunden Gangautonomie.

Clerc_Hydroscaph_Chrono_CHY_585_Caseback_Full_2_2015

Ein interessantes Detail ist die Aufteilung des Sichtglasbodens in zwei kleinere, runde Gläser: Einerseits schafft dieses Layout einen einzigartigen Look, andrerseits steigt mit kleinerem Durchmesser auch die Möglichkeit für höhere Wasserdichtheit, in diesem Fall bis 500 Meter Tiefe.

All inclusive

Clerc_Hydroscaph_Chrono_CHY_585_Dial_2_2015

Mit diesem Antrieb versehen bietet die Hydroscaph nebst regulärer Zeitanzeige vor allem einen zentralen Chrono; das bedeutet, dass die gemessene Zeit in Sekunden (weisser Zeiger) und maximal 60 Minuten (oranger Zeiger) zentral aus der Mitte dargestellt wird, was beispielsweise perfekt für Dekostopps verwendet werden könnte. Der kleine Sekundenzeiger bei 3 Uhr gehört zur regulären Zeitanzeige und läuft konstant mit, bei 9 Uhr gibt’s zusätzlich noch eine 24-Stunden-Anzeige mit Tag-/Nacht-Unterteilung.

Clerc_Hydroscaph_Chrono_CHY_585_Lume_2015Die getestete Version verfügt über Leuchtmasse auf dem Minutenzeiger, den Indexen und zweifarbig auf der Lünette. Im Prinzip wären damit die fürs Tauchen zentralen Funktionen in der Dunkelheit verfügbar (ausgenommen Sekundenzeiger zur schnelleren Funktionskontrolle), fürs restliche Leben wäre aber ein grosszügigerer Umgang mit Leuchtmasse wünschenswert gewesen. Dafür unterscheiden sich hier der Minuten- und Stundenzeiger farblich besser.

Fazit

Die Hydroscaph ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass auch ein halbes Jahrhundert nach Submariner und Co. immer noch neue Umsetzungen gefunden werden können, wenn man gewillt ist, entsprechend ins Design zu investieren und wenn immer möglich auf Standardkomponenten zu verzichten. Diese Exklusivität hat logischerweise ihren Preis, was erneut dazu beiträgt, nicht an jeder Ecke eine Hydroscaph zu sehen. Wem also eine Big Bang zu nervös, eine Royal Oak Offshore bereits zu weit verbreitet ist und die klassischen Formen einer Taucheruhr zu traditionell sind: Die Hydroscaph-Kollektion von Clerc könnte frischen Wind aufs Handgelenk bringen.

Eindrücke (Grossansicht nach Klick):

Technische Daten

Hersteller: Clerc Watches / Bezugsquelle: Clerc Boutique
Modell-Bezeichnung: Hydroscaph Limited Edition Central Chronograph
Referenz-Nr.: CHY 585
Limitierung: 500 Stück
Funktionen: Stunden, Minuten und Sekunden (Totalisator bei 9 Uhr), Datums-Anzeige bei 6 Uhr. 24-Stunden-Anzeige (Totalisator bei 9 Uhr) mit Tages- und Nacht-Anzeige; Chronographen-Anzeige aus der Mitte mit einem weissen Zeiger für die Sekunden, einem orangen für die Minuten.
Wasserdichtheit: 500 Meter
Gehäuse: 49,6 mm grosses, ca. 17 mm hohes, mehrteiliges Stahlgehäuse (103 Komponenten) mit durchgehender schwarzer DL-Beschichtung ohne seitliche Stossfänger und Drücker: 44 mm). Einseitig rastender Drehring (120 Klicks) arretierbar/bedienbar über eine separate Krone bei 10 Uhr. Saphirglas, verschraubter Boden mit Sichtglaseinsätzen. Bandanstösse beweglich, Krone verschraubt.
Werk: C608 mit automatischem Aufzug; 51 Lagersteine, ca. 44 h Gangreserve, 28’800 A/h
Zifferblatt: Schwarzes Zifferblatt mit aufgesetzten Indexen, Totalisatoren abgesenkt. Leuchtmasse ausschliesslich auf Minutenzeiger und Indexen sowie zweifarbig auf dem Drehring aufgebracht.
Band: poprietäres Kautschukband (ca. 21 mm beim Gehäuse) mit doppeltem Federsteg; Schmetterlingfaltschliesse mit DLC; seitliche Drücker, keine Sicherung
Varianten: mehrere Versionen erhältlich, mit unterschiedlichen Zifferblattfarben, wahlweise auch ohne DLC oder mit Lünette aus Rotgold oder Karbonfaser
Preis (Stand 2015): EUR 10’250.00

 

Dieser Artikel wurde erstmals im Jahr 2015 publiziert.

Ein Kommentar zu “Clerc Hydroscaph

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