Chr. Ward C60 Trident

Der englische Dreizack spricht auch Schweizerdeutsch

Christopher_Ward_London_C60_Tridente_GMT_42_GreenDie 2004 ins Leben gerufene englische Marke Christopher Ward stellte anfangs 2015 eine leicht überarbeitete Version der Trident-Modelle vor. Diveintowatches.com hatte Gelegenheit, einem der GMT-Modelle auf Basis ETA 2893-2 etwas genauer auf die Zeiger zu schauen:

Very British, very sexy

Vermutlich gibt es kaum ein besseres Beispiel für die aktuell enorme Anziehungskraft englischer Marken, als die Menge an ausgelieferten Minis mit Union Jack auf Dach oder Rückspiegeln, die sich vor allem auf Strassen mit Linksverkehr tummeln. Und vermutlich gibt es auch kaum ein besseres Beispiel für die zum Teil erstaunlich starke Entkoppelung des „Made in England“ von den vor noch nicht allzu langer Zeit herrschenden Vorurteilen einem gänzlich englischen Produkt gegenüber – eine englische Automarke in deutscher Hand mit Komponenten aus Ländern wie Japan oder Brasilien funktioniert heute offenbar ähnlich gut, wie eine Barbour-Wachsjacke aus Tunesien.

Im Vergleich zu Rover und Konsorten galt aber gerade die britische Uhrmacherei bekanntlich lange Zeit als Inbegriff der Präzision, und ihr Einfluss auf die mechanische Zeitmessung war dementsprechend schon weit vor Daniels bedeutend grösser, als es der von Marmite auf die weltweiten Essensgewohnheiten je sein dürfte. Kurz gesagt: englische Uhren sind gut unterwegs, aber – und das zeigt sich vor allem beim Zusatz „Swiss made“ auf dem Zifferblatt – noch ein ziemliches Stück davon entfernt, wieder eine ähnliche Autonomie zu erreichen, wie das früher der Fall war.

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Dabei gilt es, zwischen den aus der Schweiz reanimierten und produzierten ehemals englischen Marken wie Arnold & Son oder Graham und den aus England heraus entstandenen neuen Marken wie Bremont, Schofield, Meridian oder Christoper Ward zu unterscheiden, auch wenn beide Gruppen ähnlich viele Schweizer Komponenten verbauen. In der Königsklasse schlussendlich finden sich ein paar wenige Einzelpersonen, die darin bestrebt sind, den handwerklichen Traditionen und den Vorgaben ihrer Idole gerecht zu werden. Alle drei Gruppen verbindet aber der Wunsch nach zunehmender Exklusivität und ein starkes Bekenntnis zur geographischen Herkunft.

Und zumindest damit liegen sie alle goldrichtig in einer Zeit, in der Britishness so cool wie nie zu sein scheint.

Since 2004

„Christopher Ward London“ wurde 2004 ins Leben gerufen und befindet sich somit zum Zeitpunkt dieses Artikels in den besten Flegeljahren. Dazu passt der entsprechend widersprüchliche Anspruch, “the cheapest most expensive watches in the world” im Direktvertrieb anbieten zu wollen, was seit dem Zusammengehen im Jahr 2014 mit der Bieler Synergies Horlogères SA sogar mit einem eigenen Inhouse-Kaliber, dem SH21 mit 5 Tagen Gangreserve möglich ist. Daneben macht die Marke auch immer wieder mal mit betont unkonventionellen Marketingstunts von sich reden, beispielsweise der Benennung eines eigenen Gipfels.

Im Vergleich zu Bremont (mit klassischem Vertriebsmodell und spürbar höherpreisigen Uhren) setzt man indes auf eine ziemlich grosse Kollektion an etwas austauschbareren Uhren, was im Falle der hier beschriebenen Trident über 100 Wahlmöglichkeiten beinhaltet.

Christopher Ward

Das Modell wurde um 2010 eingeführt und aus deren Ähnlichkeit mit dem Genfer Pendant auch nie ein Geheimnis gemacht, im Gegenteil. Damit dürfte die Linie klar die Rolle eines Volumenmodells einnehmen, wie man das auch andernorts schon zur Genüge gesehen hat und bei MarcelloC ja sogar in Form eines italienisch angehauchten Namensvetters angeboten wird.

Nichtsdestotrotz wären die Ähnlichkeiten eigentlich eher bei Omega denn Rolex zu suchen: Sowohl das Wellenzifferblatt als auch die Indexe und die vergleichsweise kleine Krone erinnern stärker an die Seamaster 300, der Birnen- resp. Spaten-förmige Zeiger dafür an die 2009 lancierte Supermarine von Bremont.

Wahlkampf

Anfangs 2015 wurde die Trident-Reihe dann erstmals überarbeitet: Das eher unglücklich bei 4 Uhr platzierte Datum wanderte zumindest bei den mechanischen Modellen auf die 3-Uhr-Position hoch, die typografischen Elemente wurden generell beruhigt, Zeiger vereinzelt angepasst und die eine oder andere qualitative Verbesserung (bspw. Keramik-Inlays, gesteigerte Wasserdichtheit) umgesetzt.

Grundsätzlich stehen Interessenten sowohl eine 42 mm als auch eine 38 mm grosse Gehäuseversion zur Verfügung. Beide sind als GMT- oder reine Taucherversion erhältlich, und wahlweise mit Quarz- oder Automatik-Antrieb (Basis ETA 2893-2 oder 2824-2, alternativ SW200) verfügbar. – Im Falle der auf 300 Stück limitierten Dreizeigerversion mit COSC-Zertifikat sogar mit dem eingangs erwähnten SH21 (zu einem rund dreifach höheren Preis). Zifferblätter sind in schwarz, weiss oder blau erhältlich, die Drehringe in schwarz, blau, rot, grün oder orange. Bei den Bändern gibt’s von Stahl-, Kautschuk-, Nato- bis zu Lederbändern praktisch alle denkbaren Optionen, und wer mag, kann sogar noch zwischen unterschiedlichen Boxen wählen. Preislich geht’s bei 299.00 Pfund für die kleinste Quarz-Version los, die Automatik-Modelle bewegen sich je nach Werk und Band zwischen 599.00 und 860.00 Pfund, die Option mit dem SH21 kommt auf 1‘599.00 Pfund.

Damit hat es der Kunde auch direkt in der Hand, wie nahe seine gewählte Uhr einem bereits bestehenden Modell kommt; die Option mit rotem Drehring, schwarzem Zifferblatt und Stahlband (Ref. C60-42-AUTO-SKRS) also zum Beispiel als offensichtlicherer Ersatz für die Black Bay von Tudor bestellt wird, oder – wie mit der hier näher vorgestellten C60-42-GMT-SKVT – nach gesteigerter optischer Eigenständigkeit gesucht wird.

Eine Stunde Zeitdifferenz zum europäischen Festland

Das erklärt vielleicht auch, warum mit GMT-Zeiger und -Lünette sowie braunem Lederband mit Dornschliesse ausgerechnet eine (aus Sicht des Tauchers) funktional nicht ganz optimale Konfiguration für diesen Artikel gewählt wurde: in Kombination mit der „British Racing Green“ Keramiklünette bietet diese Version nämlich nicht nur eine optisch eigenständige Kombination, sie dürfte trotz „Swiss Made“ auch „the most British of them all“ sein. Probably.

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Hinzu kommt, dass Tauchen oftmals mit Ferien und Ferien oftmals mit Zeitverschiebungen in Zusammenhang stehen, eine Taucheruhr mit GMT-Funktion also gerne als die ideale Kombination von Sport- und Reise-Uhr bezeichnet wird. Und damit hätten wir auch gleich einen weiteren Grund, das Thema hier genau mit diesem bereitgestellten Modell zu behandeln.

Somit dürfte hoffentlich auch etwas verständlicher geworden sein, wenn die fehlende Tauchverlängerung oder das für eine Ärmelkanal-Überquerung wenig praktikable Lederband hier ausnahmsweise mal nicht umgehend kritisiert werden – es hätte schliesslich genügend andere Optionen gegeben.

And now for something completely different: zu den wichtigsten Eindrücken

Wer Uhren mit Drehring generell als Kopie von den ursprünglichen Modellen der beiden anderen Hersteller sieht, wird natürlich auch bei der Trident zuerst genau dieses Argument ins Feld führen. Wer das Ganze aber etwas differenzierter betrachtet (resp. betrachten will), müsste schnell genügend Unterschiede finden, um zwar nicht von ultimativer visueller Eigenständigkeit, aber immerhin von sichtbarer Abgrenzung sprechen zu können. Und wie schon erwähnt: die Ähnlichkeit zur 93er Seamaster 300 von Omega ist implizit grösser, als der vom Hersteller zu Beginn explizit bemühte Vergleich zur Submariner von James Bond. Verantwortlich dafür sind einerseits die Gehäuseproportionen und andrerseits vor allem das Zifferblatt mit Wellenmuster (das bei Omega mittlerweile ausgemustert wurde).

Bei der Lünette wurde zu Gunsten der Optik ein funktionaler Kompromiss eingegangen: Anstelle der für das Segment typischen 24-Stunden-Skala wurde das erste Viertel traditionell noch als Taucherskala ausgeführt, und somit mischt sich streng genommen eine Viertelstunde unter die ersten 6 Stunden. Optisch vor allem für Taucheruhrenfans interessant, funktional sowohl als GMT- oder Taucheruhr dafür gleichermassen unbefriedigend. Vernachlässigbar ist dafür die Ausführung als einseitig rastende Konstruktion im Sinne von „better safe than sorry“.

Christopher_Ward_London_C60_Tridente_GMT_42_Green_Bezel_PipEine interessante Option zur Abgrenzung wurde mit dem Zeigersatz gewählt: Einerseits, weil die betont klassische Zeigerform sehr selten bei Taucheruhren zu sehen ist, andrerseits, weil der Kontrast zum gelb-orangen Stundenzeiger für die Anzeige der zweiten Zeitzone der Uhr gut steht. Einzig der Leuchtpunkt des Sekundenzeigers und die nüchterne Krone mögen stilistisch nicht so recht zu den eleganten Zeigern resp. der Lünettenriffelung passen, fallen aber kaum auf. Dafür das Gegenwicht des Sekundenzeigers in Form des namengebenden Dreizacks.

Sowohl Stunden- und Minutenzeiger des vorliegenden Modells weisen an der Spitze etwas unsaubere Kanten auf, was aber aufgrund des dicken, planen Saphirglases kaum auffällt, wenn man seitlich aufs Zifferblatt zu blicken versucht. – Die aufgrund der Zifferblattstruktur teilweise etwas ausgefranst wirkenden grünen Leuchtpunkte vor der aufgesetzten Stundenindexen hätte man vermutlich mit regulärer Fortführung der scharf aufgedruckten, weissen Minuterie verhindern können; von blossem Auge ist aber praktisch nichts erkennbar. Und das wär’s dann auch schon mit den Kritikpunkten zur Verarbeitung: Gehäuse-Finish, Bodengravur und Haptik muten so hochwertig an, wie die Bilder das hoffentlich erahnen lassen, die Lünette sitzt ebenso satt wie sie sich drehen lässt.

Christopher Ward gibt sich diesbezüglich kämpferisch mit der Aussage, für die gebotene Qualität würde andernorts ein bis zu dreimal höherer Preis verlangt werden. Hier stellt sich natürlich unweigerlich die Frage, welchen Hersteller man zu einem Vergleich heranzieht (und ob dieser ebenfalls im Direktvertrieb agiert) und welchen Stellenwert dessen Marken-Image oder -bekanntheit bei Konsumenten geniesst. Was man aber auch mit weniger Kampfgeist sagen kann: Für knapp 800 Pfund erhält man hier tatsächlich eine erstaunliche Menge Uhr, die es darüber hinaus schafft, kaum Anlass zur Kritik zu bieten, wenn es um Verarbeitung und um die geschickt gewählte Qualität einzelner Komponenten geht. Im Gegenteil: Alleine schon die gebogenen Federstege zeigen, dass hier einiges unternommen wurde, die Erwartungen einer Kundschaft möglichst zu übertreffen, die aufgrund fehlender Konzessionäre nur aufgrund von Abbildungen und Empfehlungen bestellen kann. Und sonst gäbe es ja noch eine 60tägige Rücknahmemöglichkeit.

Selbstverständlich verschenkt aber auch Christopher Ward keine Uhren, und so dürfte die Trident da und dort vielleicht etwas weniger aufwändige Prozesse oder Handarbeit abgekriegt haben, als es ein erster Blick vermuten liesse.

Die inneren Werte

Christopher Ward greift für die Trident GMT auf das 2893-2 von ETA zurück. Das 25.6 mm grosse Werk arbeitet mit 28‘800 Halbschwingungen und ist für diese Art der zusätzlichen Komplikation fast schon so etwas wie ein Klassiker – entsprechend gerne wird es für GMT-Uhren in diesem Preissegment verwendet.

Nebst Stunde, Minute, Sekunde und Datum verfügt es über einen zentralen 24-Stunden-Zeiger, der nicht nur als sinnvolle Komplikation gelten kann, sondern auch optisch nochmals etwas Abwechslung aufs Zifferblatt bringt. Last but not least: Christopher Ward gewährt 5 Jahre Garantie auf das Werk.

Fazit

Christopher Ward gelingt es mit der überarbeiteten Trident vortrefflich, dem Käufer das gute Gefühl zu geben, viel Uhr fürs Geld gekriegt zu haben. In Kombination mit einem ebenso soliden wie gefälligen Design, enorm vielen Konfigurationsmöglichkeiten, bewährten Komponenten und bis zu 5 Jahren Garantie auf einzelne Komponenten steigen damit die Chancen, in Zukunft noch mehr von der jungen englischen Marke zu sehen und hören. Vor allem, wenn nebst dem kürzlich lancierten Inhouse-Werk dann auch bei der Formensprache der Uhren zunehmend auf eine eigene Handschrift gesetzt wird. – Und die Herkunft der Marke als zusätzliches Mittel zur Abgrenzung vielleicht nochmals etwas geschärft wird.

Im Falle der hier näher vorgestellten GMT-Version gibt’s bis auf die Zeigerkanten und die hybride Lünette kaum Kritik anzubringen, die über den persönlichen Geschmack hinausgeht. Grösste Herausforderung bei einem Kauf dürfte somit die Entscheidung zwischen den unterschiedlichen Werken, Grössen, Bändern und Farben sein.

Oder mit anderen Worten: Well done, Christopher!

Weitere Eindrücke (Grossansicht bei Klick):

Technische Details

Marke: Christopher Ward London
Modell: C60 Trident GMT 600
Referenz: C60-42-GMT-SKVT
Funktion: Stunden, Minuten, Sekunden und Datumsanzeige, zentraler GMT-Zeiger zur Anzeige einer zweiten Zeitzone
Werk: ETA 2893-2
Abmessungen: 42 mm grosses Stahlgehäuse, 13.7 mm hoch
Bandanstossbreite: 22 mm
Wasserdichtheit: 600 Meter
Aufbau: Dreiteiliges Gehäuse, verschraubte Krone und Gehäuseboden, 3.4 mm dickes Saphirglas mit Entspiegelungsschicht; 105 Gramm schwer
Lünette: einseitig drehbare (120 Klicks) GMT-Lünette mit grüner Keramik-Einlage
Besonderheit: 60 Monate Garantie aufs Werk
Preis: £799.00 innerhalb EU (ca. €1’100.00, Stand 2015)

 

Dieser Artikel wurde erstmals im Jahr 2015 veröffentlicht.

2 Kommentare zu “Chr. Ward C60 Trident

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