Tudor Heritage Black Bay

Nummer 5 lebt

Wenn man an Tudors 2016 vorgestellten Version der Heritage Black Bay etwas kritisieren könnte, dann ist es vermutlich der Umstand, dass die Marke ganze fünf Anläufe und geschlagene vier Jahre brauchte, bis sie die vielerorts als ultimativ bezeichnete Konfiguration ins Trockene gebracht hatte – und dabei den farblich eng gefassten Produktnamen vielleicht etwas arg strapazierte.

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Wer nicht so lange auf das hier vorgestellte Modell warten wollte, musste sich 2012 zuerst die Black Bay mit ETA-Werk und roter Lünette besorgen (Ref. 79220R ), zwei Jahre später die nachgeschobene Option mit blauer Lünette ordern, 2015 an der Only Watch Auktion für das Einzelstück mit schwarzer Lünette mitbieten und im selben Moment realisieren, dass es davon praktisch zeitgleich endlich auch eine – natürlich optisch leicht veränderte – unlimitierte Version mit schwarzer Lünette geben würde. – Die wiederum wenige Monate später komplett neu mit Inhouse-Werk neu bestückt wurde – und mit einem vergleichsweise fairen Preisaufschlag von CHF 550.- im Sommer des selben Jahres in den Handel gelangte.

Das war’s dann aber auch schon.

Die wichtigsten Entwicklungsstufen auf einen Blick:

Das Ur-Modell der Heritage Black Bay wurde 2012 mit roter Lünette, goldenen Zeigern und Indexen sowie dem charakteristischen „Snowflake“ Stundenzeiger lanciert. Basis: ETA 2824.

An der Baselworld 2014 folgte auf dieser Basis eine blaue Version mit unvergoldeten Zeigern und passender Tubus-Ummantelung. – Für manch einen der ultimative Beweis, dass man farblich nicht zu nahe an die Modelle der Schwestermarke Rolex kommen wollte.

Die Sensation folgte im Jahr darauf: Zur Only Watch Auktion 2015 stellte Tudor ein Einzelstück der Heritage Black Bay „One“ mit schwarzer Lünette vor, das anschliessend zum Rekordpreis von CHF 375’000.- versteigert wurde. Basis: erneut ETA 2824, man beachte zudem die rote Dreieck-Markierung bei 12 Uhr, den Zifferblatt-Aufdruck, die Zeiger und den Bandanstoss.

Praktisch zeitgleich präsentierte Tudor – endlich – auch eine unlimitierte Black Bay „Black“ (Ref. 79220N), die – immer noch von einem ETA 2824 angetrieben – im Herbst in den Handel gelangte. – Immer noch, weil das etwas leistungsorientiertere Schwestermodell Pelagos bereits 2015 mit dem eigenen Inhouse-Kaliber MT5612 mit Datum aufgewertet (und um eine blaue Version ergänzt) worden war.

Zur Baselworld 2016 wurde dieser Schritt in Form des MT5602 dann endlich auch bei der gesamten Heritage Black Bay Kollektion gemacht: Vorgestellt wurde einerseits eine neue „Black“ mit der Ref. 79230N (man achte auf den neuen Zifferblatt-Aufdruck in der unteren Hälfte und das Schild-Logo), eine „Dark“ mit PVD-Beschichtung (Ref. 79230DK), eine um 2 mm vergrösserte (und teurere) Version mit Bronze-Gehäuse, aufgesetzten Zahlen bei 3, 6 und 9 Uhr (Ref. 79250BM) sowie dem Inhouse-Kaliber MT5601…

Tudor_Black_Bay_Bronze_Leather_Front

…, und für sämtliche Stahlmodelle wurde als Sahnehäubchen auch noch ein neues Band mit seitlichen Nieten vorgestellt, das den Vintage-Look vervollständigte. Oder mit anderen Worten: Kaum vorstellbar, wie Tudor das im Jahr 2017 noch toppen könnte.

Update (März 2017): Die Antwort: Eine Black Bay Steel mit Edelstahl-Lünetteneinlage und Datum (Ref. 79730) auf Basis MT5612 sowie eine Bi-Color-Version S&G (79733N), ebenfalls mit Datum.

Aber zurück zur aktuellen Uhr: Mit dem neuen Werk wurden nicht nur die Zifferblatt-Aufdrucke optisch angepasst (u.a. nicht mehr gerundet) und um die COSC-Bezeichnung ergänzt, sondern das 200 Meter wasserdichte Gehäuse auch mit einem etwas höher abstehenden Gehäuseboden bestückt.

Das MT5602 selbst verfügt über 28 Lagersteine, Siliziumspirale, 70 Stunden Gangreserve und wurde laut Hersteller mit Blick auf Robustheit und Modularität entwickelt. Bei Tudor ist es im Prinzip seit 2015 im Einsatz (bei der North Flag mit Gangreserve, bei der Pelagos mit Datumsanzeige).

Selbstverständlich ist die Heritage Black Bay dennoch weiterhin deutlich weniger auf den Ernstfall getrimmt, wie die bis 500 Meter wasserdichte Pelagos im Titangehäuse mit Keramiklünetteneinlage, Kronenschutz und flexibler Schliesse. Entsprechend fällt es schwer, die etwas exponiertere Krone mit der charakterischen, farblich angepassten Ummantelung, die fehlende Tauchverlängerung etc. zu kritisieren, denn dafür gäbe es ja eine mehr als geeignete Alternative. Nichtsdestotrotz braucht sich die Black Bay nicht zu verstecken und könnte problemlos untertauchen. Kurz gesagt: sie bietet – wie schon eingangs erwähnt – an sich wenig Anlass für Kritik, was explizit auch für den Preis gilt.

Potentielle Käufer dürften angesichts der zahlreichen Optionen vielleicht etwas in Grübeln kommen. Die Anfälligkeit für Kratzer dürfte mindestens bei der Schliesse etwas höher sein, dafür ist die Lünetteneinlage vermutlich etwas weniger anfällig wie bei der grossen Schwester. Etwas inkonsequent ist der Einsatz von durchbohrten Hörnern: Pelagos und Black Bay kommen mit geschlossenen Hörnern, bei der Black Bay Bronze hat’s indes Löcher.

Und wem der Stundenzeiger weiterhin nicht gefällt, wird auch bei der nun „perfektesten“ Heritage Black Bay weiterhin nicht glücklich werden. Alle anderen dafür schon, das Warten auf Black Bay Nummer 5 hat sich definitiv gelohnt.

Weitere Impressionen (Grossansicht nach Klick):

Technische Details:

Herstellermarke: Tudor
Modell: Black Bay
Referenz-Nummer: 79230N
Lancierungsjahr: 2016
Wasserdichtheit: 200 Meter
Gehäuse: Edelstahlgehäuse mit 41 mm Durchmesser (ohne Krone), Schraubboden und -krone; entspiegeltes, leicht gewölbtes Saphirglas; einseitig drehbare Taucherlünette aus Edelstahl mit schwarzem Alu-Inlay, 60er Rastung, Perle bei 12 Uhr mit Leuchtmasse bestückt
Band: massives Stahlband mit Edelstahl-Faltschliesse und genieteten und verschraubten Gliedern; keine Tauchverlängerung; zusätzlich im Lieferumfang enthalten: schwarzes Textilband in Nato-Optik (aber regulären Federstegen) mit Dornschliesse
Funktion: Stunden-, Minuten-, Sekunden-Anzeige
Werk: automatisches Aufzugswerk MT5602, 28’000 Halbschwingungen/h, ca. 70h Gangreserve
Preis: CHF 3’500.- mit Stahlband (Stand 2016)
Varianten: rot, blau, PVD, Bronze

Dieser Artikel wurde erstmals im Jahr 2016 veröffentlicht.