Rolex Deepsea Challenge

„The Sequel“ – a Deep Sea Adventure directed by James Cameron

Erst drei Menschen haben bis im Jahr 2014 den tiefsten bekannten Punkt der Erde erreicht. Zwei Uhren von Rolex können das ebenfalls von sich behaupten, aber zwischen den beiden Technologieträgern liegen fast 60 Jahre.

Im Jahr 2011 begannen die Medien langsam, im grösseren Rahmen eine Story über vier Unternehmen aufzugreifen, die mehr oder weniger das gleiche Ziel verfolgten: einen erneuten, bemannten Tauchgang zum tiefsten Punkt der Erde. – Ein Unterfangen, das erst- und letztmals im Jahr 1960 dem Duo Piccard/Walsh gelungen war. Vergleicht man diese Pioniertat beispielsweise mit der Menge an bemannten Mond- oder Weltraummissionen in den Jahrzehnten dazwischen, wird schnell klar, wie wenig die Tiefen des eigenen Planeten bislang in den wissenschaftlichen Fokus gerückt worden waren.

Passend dazu handelte es sich bei den vier Kandidaten um Unternehmen, die mehrheitlich auch mit den passenden, medienwirksamen Aushängeschildern dienen konnten: Virgin Oceanic mit Sir Richard Branson, Triton mit Bruce Jones, DOER mit Eric Schmidt und Acheron mit dem kanadischen Regisseur James Cameron. – Cameron, der zuvor bereits zahlreiche Tauchfahrten absolviert hatte und das Thema vor allem mit Spielfilmen wie „Abyss“ und „Titanic“ erfolgreich auf die Leinwand gebracht hatte (nicht zu vergessen „Ghost of Abyss und „Bismarck“), sollte auch derjenige sein, der die „Deepsea Challenger“ im Jahr 2012 zum Grund des Marianengrabens steuern würde und damit das von dem Medien etwas arg hochstilisierte „Rennen zum tiefsten Punkt der Erde“ quasi für sich entschied.

Das dafür benötigte, 7.3 Meter grosse Tauchgefährt wurde in den Jahren davor in Australien entwickelt und gebaut, unter anderem mit Unterstützung von Rolex und der National Geographic Society. Eine Besonderheit des enorm kompakten Designs des auf den Namen „Deepsea Challenger“ getauften Tauchboots: die senkrechte Auslegung (von Cameron „vertical Torpedo“ bezeichnet) rund um eine 1 Meter grosse Tauchkugel, die damit Platz für nur eine Person bot (während Piccard und Walsh noch gemeinsam unten waren, sollte Cameron dadurch als erster Mensch die Strecke alleine zurücklegen).

Weitere wesentliche Unterschiede zum Projekt Nekton: Die leuchtend grüne (mit syntaktischem Schaumstoff verkleidete) Deepsea Challenger wiegt mit 11.8 Tonnen weniger als einen Zehntel der Trieste, und sie kann bedeutend mehr Ausrüstung schneller nach unten befördern, als das im Jahr 1960 möglich gewesen wäre: Über 180 Systeme an Bord, zwei bewegbare 3D-Kameras aussen und eine zweite, separat steuerbare Plattform sollten dem Filmemacher somit nicht nur den Weg nach unten, sondern auch dessen filmische Aufbereitung danach ermöglichen.

Am 26. März des Jahres 2012 erreichte James Cameron u.a. mit einem “All systems okay” auf Twitter (und einer Liebeserklärung an seine an der Oberfläche anwesende Ehefrau) als erster Mensch alleine den tiefsten Punkt der Erde. Er kam bei diesem bislang vierten Tauchgang (respektive dem zweiten bemannten) auf eine maximale Tiefe von 10908 Meter (8 Meter weniger als bei der Trieste im Jahr 1960 errechnet wurden), verbrachte aber drei Stunden am Grund des Marianengrabens. Der Abstieg dauerte 2 Stunden und 36 Minuten, der Aufstieg 1 Stunde und 10 Minuten.

Cameron selbst trug im Innern des Druckbehälters eine Sea-Dweller Deepsea (Ref. 116660) am Handgelenk, und auf der Höhe seiner linken Schulter wurde zudem eine, oder vielleicht sogar die historische „Deep-Sea Special“ montiert (siehe oben). Draussen aber am ferngesteuerten Roboterarm des Tauchgefährts befand sich eine bis 12000 Meter wasserdichte experimentelle Uhr von Rolex, die dieses Mal auch tatsächlich wie eine Taucheruhr von Rolex aussehen sollte:

Rolex_Sea-Dweller_Deepsea_Challenge_12000m_MIH_2014

Von der Deep-Sea zur Deepsea, und von der Deepsea Challenge zur Deepsea D-Blue

Während die erste Deep-Sea Special optisch noch ganz ihrer Aufgabe unterstellt worden war, gab man sich fast 60 Jahre später beim Nachfolger bedeutend mehr Mühe, die Formensprache der eigenen Taucheruhrenmodelle zu übernehmen. Dazu gehört auch der Drehring, der bei dieser Art Tauchgang selbstverständlich wenig Nutzen, aber viel optische Nähe bringt. Erstmals wurde die Uhr der Öffentlichkeit kurz nach der Baselworld 2012 vorgestellt, nachdem sich der Zeitpunkt der Tauchfahrt Camerons immer mehr konkretisierte.

Rolex_Sea-Dweller_Deepsea_Front_MIH_2014

Funktional stand die 2008 lancierte Sea-Dweller Deepsea (Ref. 116660) Pate, von der die Ringlock-Bauweise übernommen wurde, die aber im Vergleich zu den 51.4 mm Durchmesser natürlich fast schon wie eine Damenuhr wirkt. Verzichtet wurde dafür nachvollziehbar auf das integrierte Heliumventil, und das Logo auf der Triplock-Krone wurde gelasert (siehe auch technische Daten unten).

Überraschend – respektive vergleichsweise – flach fiel dazu die Bauhöhe der Uhr aus: Mit 28.5 mm (davon 14.5 fürs Glas) ist der Unterschied zu einer 2000 Meter wasserdichten Aquatimer aus der 2014er Kollektion (20.5 mm) oder zur 6000 Meter wasserdichten Rekorduhr von cx Swiss Military (ebenfalls 28.5 mm) nicht mal so extrem. Aber natürlich mit ein Grund für Rolex, um auch dieses Modell nicht käuflich anzubieten.

Rolex_Sea-Dweller_Deepsea_D-Blue_Front_Winterthur_2014

Anstelle dessen wurde im August 2014 mit der „Deepsea D-Blue“ (ebenfalls Ref. 116660) erstmals ein Sondermodell der Sea-Dweller Deepsea lanciert, das mit einem Zifferblatt-Farbverlauf von Blau zu Schwarz den Abstieg in die Tiefe symbolisiert, und mit dem grünen, nach unten versetzten Deepsea-Schriftzug die Aussenfarbe der Deepsea Challenger aufnimmt. Zeitgleich mit der im Vergleich zur Deepsea mit schwarzem Blatt 300 Franken teureren Uhr feierte auch Camerons Dokumentation „Deepsea Challenge“ Premiere, die seine Tauchfahrt und seine Zeit am Boden entsprechend in Szene setzt.

Rolex_Sea-Dweller_Deepsea_Challenge_12000m_Bezel_MIH_2014

Aber zurück zur Deepsea Challenge, die auch 10 km unter der Wasseroberfläche noch zuverlässig die Zeit anzeigte und damit ihre Aufgabe erfüllt hatte (im Vergleich zum Roboterarm, der nach einem etwas arg inszenierten Schwenker vor die Kamera den Geist aufgab).

Getestet wurde die Ausnahme-Uhr übrigens bis 1500 Bar, was einer Tiefe von 15000 Metern entspricht – einen dazu passenden Platz zum Tauchen zu finden, dürfte aber zumindest auf diesem Planeten unmöglich werden.

 

Technische Daten

Hersteller: Rolex
Modell: Oyster Perpetual Sea-Dweller „Deepsea Challenge“
Jahr der Vorstellung: 2012
Wasserdichtheit: 12000 Meter / 39370 ft (getestet bis 15000 Meter resp. 1500 bar)
Gehäuse: 51.4 mm Durchmesser, 28.5 mm Höhe, Edelstahl (904L, Mittelteil); 5.3 mm starker Schraubboden aus Titan (Grad 5), patentierte dreiteilige Gehäusekonstruktion „Ring Lock“, verschraubte Triplock-Krone, 14.3 mm hohes Saphirglas, einseitige drehbare Taucherlünette mit „Cerachrom“ Keramik-Einlage
Werk: Rolex Kal. 3135, COSC-zertifiziert, automatischer Aufzug, ca. 48h bis 55h Gangautonomie, blaue Parachrom-Spirale, 28.5 mm Durchmesser, 6 mm Höhe, 28‘800 A/h, 31 Rubine
Band: massives Stahlband mit Edelstahl (904L), Fliplock-und Glidelock-Verlängerungssystem
Auflage: unbekannt
Preis: nicht käuflich zu erwerben

Dieser Artikel wurde erstmals im Jahr 2014 veröffentlicht.

2 Kommentare zu “Rolex Deepsea Challenge

  1. Pingback: Rolex: Deepsea D-Blue | Dive into Watches

  2. Pingback: Rolex: “Deep-Sea Special” in der Werbung | Dive into Watches

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