Oris Force Recon GMT

Für immer treu

2015 präsentierte Oris in Basel mit der 100 Meter wasserdichten Sixty-Five Diver (Ref. 733 7707 4064) eine ebenso wunderbare wie zurückhaltende Hommage an die frühen Taucheruhren der Marke. Den Gegenpart dazu sollte die im selben Jahr präsentierte, bis 1000 Meter wasserdichte „Force Recon GMT“ (Ref. 01 747 7715 7754-Set) übernehmen, die mit ihrem bewusst martialischen Design und dem damit verbundenen, eindeutigen thematischen Bezug zur amerikanischen Spezialeinheit „Force Recon“ vermutlich nicht gerade diejenigen Pazifisten ansprechen dürfte, die eine neue Uhr zum Anzug suchen.

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Black Operations

Bereits 2010 wagte Oris mit der limitierten „Col Moschin“ (Ref. 667 7645 72 84) den Schritt weg vom Hersteller von Uhren mit rein zivilem Bezug zum Tauchen, und mit der „Force Recon GMT“ wurde diese thematische Brücke nun nach Nordamerika gelegt: Die Spezialeinheit „Force Reconnaissance“ (kurz „Force Recon“) des US Marine Corps kümmert sich vor allem um Aufklärung und Erkundung weit hinter den feindlichen Linien und ist seit dem Vietnamkrieg im wahrhaftigen Einsatz.

Ob nun die Wahl eines Zeigers für die Anzeige einer zweiten Zeitzone mit eben jenen Operationen in fremden Ländern in Zusammenhang steht, oder einfach als praktische Komplikation für den zivilen Alltag betrachtet wurde, ist nicht bekannt. Bekannt ist jedoch, dass Mitglieder von Spezialeinheiten heutzutage eher auf G-Shocks und Co. zurückgreifen und unter „Komplikationen“ vermutlich etwas weniger Wünschenswertes sehen als der gut informierte Uhrenkäufer.

Oris_Prodiver_Force_Recon_GMT_Nato_Semper_FidelisDafür trägt die Force Recon GMT auf dem Zifferblatt und Gehäuseboden das Abzeichen mitsamt dem obligaten lateinischen Motto „Semper Fidelis“ (immer treu) des US Marines Corps. Und das dürften sinngemäss wiederum alle gutheissen.

Wie auch der generelle Look kaum Anlass zur Kritik lässt: vom mattschwarzen Zifferblatt mit Wellenmuster, der schwarzen Datumsscheibe oder der ungewöhnlichen, als Scheibe ausgeführten kleinen Sekunde bei 9 Uhr ist die Force Recon GMT wohl eine der optisch gelungensten Uhren innerhalb der ProDiver-Kollektion, und wer sich am Logo des US Marines Corps nicht stört, müsste eigentlich relativ schnell den Weg zur persönlichen Aushebung zum Konzessionär finden.

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Titan im kleinen Schwarzen

Anstelle regulärem Edelstahl-Gehäuse und durchgehender PVD-Beschichtung sorgt bei der Force Recon GMT ein Titan-Gehäuse mit mehrheitlicher DL-Beschichtung (DLC) für den markanten schwarzen Look.

Oris_Prodiver_Force_Recon_GMT_Nato_HE_Release_Valve_2Zeiger, Krone und Heliumventil scheinen indes etwas glänzender ausgefallen zu sein und dürften somit eher mit PVD beschichtet worden sein. Die Drehringeinlage ist je nach Lichteinfall aus dunkelgrauer bis matt-schwarzer Keramik gefertigt und wird seitlich fast durchgehend durch Kautschuk geschützt.

Mit anderen Worten: Oris hat bei der Force Recon GMT nicht gespart und wählte zeitgemässe Materialen, die möglichst leicht und dennoch robust sind, während die Leuchtmarkierung, Zeiger und Indexe weniger getarnt respektive gut ablesbar geblieben sind. – Besonders erfreulich, weil der Trend zur durchgehend schwarzen Uhr eher wieder abnimmt und eine Begründung mit dem militärischen Einsatz und Notwendigkeit der Tarnung mehr als lächerlich gewesen wäre.

Nichtsdestotrotz macht sich die Konfiguration im Listenpreis von CHF 3800.00 natürlich bemerkbar: Das Dreizeiger-Modell der ProDiver (Ref. 01 733 7682 7154-07 4 26 34TEB) im Edelstahlgehäuse (und ohne Bezug zu den Marines, GMT-Zusatz u.dgl.) kostet CHF 2450.00 und ist im Vergleich somit etwas näher am gewohnten Preisniveau der Marke aus Hölstein, und innerhalb der Aquis-Kollektion hätte man damit bereits den Tiefenmesser am Handgelenk.

Was man dafür nicht am Handgelenk hätte wäre die derzeit „most bad-ass“ Taucheruhr von Oris. Aber lassen wir das.

Rotation Safety System

Oris_Prodiver_Force_Recon_GMT_Nato_Bezel_UnlockedEine der konstruktiven Besonderheiten der seit 2009 angebotenen ProDiver-Kollektion: Der Drehring lässt sich jeweils nur dann ver- resp. einstellen, wenn der äussere, mit Kautschuk eingefasste Sicherungsring leicht hochgezogen wird (siehe Bild). Im normalen, quasi ausgekuppelten Zustand lässt sich der selbe äussere Ring jederzeit frei und somit ohne Rastung bewegen, die in diesem Fall aus Keramik hergestellte, dunkelgraue Lünetten-Einlage bleibt dann davon aber gänzlich unbeeindruckt, sprich stehen.

Oris hat mit dieser Konstruktion also schon seit sechs Jahren eine grundsätzlich perfektionierte Version des lediglich durch Herunterdrücken verstellbaren Drehrings im Angebot (siehe beispielsweise GST Aquatimer), denn schliesslich wird damit selbst noch die (wenn auch sehr theoretische) Gefahr des unbeabsichtigten Verstellens im Falle eines Stosses minimiert. Und mit der zusätzlichen, fast durchgehenden Ummantelung aus Kautschuk wird auch das Risiko von damit verbundenen Kratzern nochmals etwas reduziert, was angesichts des stattlichen Durchmessers und der nicht minder stattlichen Bauhöhe auch im zivilen Alltag nicht unwillkommen sein dürfte. Demzufolge folgt hier die Form klar der Funktion, und wer keine Probleme mit Kautschuk am Gehäuse hat, findet hier in mehrfacher Hinsicht eine ebenso interessante wie durchdachte Konstruktion vor.

Oris_Prodiver_Force_Recon_GMT_Nato_Rotation_SafetyDie Aussparung soll übrigens die Bedienung der Krone erleichtern und lässt sich jederzeit wieder in die Ursprungsposition bringen, ohne die Drehringeinlage zu bewegen.

Ledernacken mit 49 mm Durchmesser

Oris gibt die Grösse der ProDiver Force Recon GMT mit 49 mm an – eine Zahl, die definitiv den Verdacht aufkommen lassen könnte, es handle sich bei der Uhr um eines jener Modelle, das über mehr Testosteron verfügt, als ihr Träger es je haben wird; geschweige denn einen Handgelenksumfang mitbringen muss, der ohne Wrestling-Karriere kaum realistisch sein dürfte.

Die gute Nachricht: die Zahl täuscht gleich doppelt. Erstens wirken schwarze Gehäuse in der Regel immer etwas kleiner am Arm, und zweitens kommt die Force Recon GMT mit einem fast ganz ins Gehäuse integrierten Anstoss; die 49 mm Durchmesser bezeichnen somit also praktisch die gesamte Uhr und alleine schon die dicke, schwarze Kautschukummantelung des Drehrings dürfte den gar nicht so grossen Unterschied zu einer 44 resp. 45 mm grossen Uhr ausmachen.

Selbstverständlich handelt es sich trotz Tarnkappen-Optik auch weiterhin nicht um eine Uhr, die man schlecht wahrnimmt oder problemlos unter eine Hemdmanschette kriegt; und wer mit der Marinemaster 1000 von Seiko vertraut ist, dürfte hier in etwa wissen, auf was er sich einlässt.

Nato oder Kautschuk

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Ebenso beeindruckend gestaltet sich der Lieferumfang der Force Recon GMT: vom in diesem Fall grünen Peli-Case-ähnlichen Koffer bis zum Bandwechselwerkzeug und den Ersatz-Bandstegen bleibt objektiv kaum ein Wunsch offen – etwas inkonsequent ist höchstens, dass man den Bezug zur namensgebenden Einheit hier nicht noch etwas stärker herstellen wollte, sei es beispielsweise mit einem simplen Stoff-Abzeichen der Marines oder ganz einfach weiteren Infos.

Oris_Prodiver_Force_Recon_GMT_StrapDafür gibt’s ein schwarzes Textilband, das optisch und qualitativ hervorragend an die Uhr passt, von der Umsetzung aber einen etwas zwiespältigen Eindruck hinterlässt: aufgrund der proprietären Bandanstösse der ProDiver- und Aquis-Modelle wird es mit zwei passenden Adaptern montiert, wie ein normales Nato-Band unter dem Boden durchgezogen, dann aber mit einer schwarzen Faltschliesse wieder recht untypisch geschlossen.

Positiv: der Käufer erhält den typischen Look eines Nato-Bandes gepaart mit dem praktischen Komfort einer hochwertigen Schliesse mit seitlichen Drückern. Weniger optimal: die Uhr baut nochmals höher aufgrund des Bandes unter dem Gehäuseboden, selbiger ist konstant in Kontakt mit einem etwas härteren Material als Haut, und das Textil-Band musste etwas schmaler und vor allem dünner ausfallen, um die beiden Adapter nicht unnötig lang werden zu lassen. Vielleicht wäre hier ein gefüttertes Textil- oder dickeres Nylon-Band mit herkömmlicher Befestigung eine bessere Wahl gewesen, wie auch ein zusätzlicher Sicherungsbügel einer der beiden Schliessen gut gestanden hätte.

Das zusätzliche schwarze Kautschukband kennt man bereits von anderen ProDiver-Modellen und passt dank der breiteren Ausführung auch perfekt zu den Bandanstössen. Inwieweit es über einen Trockentauchanzug passt, müsste die Praxis zeigen, der Tragekomfort ist indes entsprechend hoch, die Schliesse zudem mit einer Verlängerung versehen.

Fazit: Beide Bänder stehen der Force Recon GMT ausgezeichnet, sind funktional top und dürften dem Käufer viel Freude bereiten. Dafür sind sie (nachvollziehbar) etwas inkonsequent ausgefallen und können nur durch passende Bänder des Herstellers ersetzt werden.

GMT

Als Antrieb wählte Oris das Kaliber 747 (auf Basis SW220-1 von Sellita), das in dieser Ausführung mit über einen zusätzlichen 24-Stunden-Zeiger zur Anzeige einer zweiten Zeitzone verfügt. Das Datum liegt bei 3 Uhr, die als Scheibe ausgeführte kleine Sekunde bei 9 Uhr.

Die grünliche Farbe der Leuchtmasse ist der Anzeige der zweiten Zeitzone vorbehalten, die aktuelle Zeit wird weiss angezeigt.

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Eine farbliche Unterscheidung findet sich übrigens auch im Dunkeln, dann leuchtet sogar der Begriff „GMT“ in passendem Grün mit.

Fazit: nichts für Pazifisten

Oris hat in den letzten Jahren ein ebenso grosses wie ansprechendes Angebot an mehr als überzeugenden Taucheruhren aufgebaut, das für jeden Geschmack und für fast jedes Budget und Einsatzzweck etwas bereit halten müsste. Wer sich also am unmissverständlich militärischen Bezug der Force Recon GMT stört, könnte problemlos auch zahlreiche Optionen ohne Abzeichen irgendeiner Einheit finden.

Wer mit der Partnerschaft indes keine Probleme hat oder sogar explizit deshalb auf die Uhr aufmerksam geworden ist (ohne gleich im Glauben zu leben, Marines wären damit offiziell ausgerüstet worden und aktiv), kriegt mit der Force Recon GMT eine Ausführung der ProDiver, die besonders gut mit dem ohnehin schon markanten Design der Reihe umgeht. Dass sich das preislich auswirkt, hängt vor allem mit den gewählten Komponenten und dem üppigen Lieferumfang zusammen, während die zweite Zeitzone darüber hinaus einen hohen Nutzen im Alltag bietet (nichts gegen eine Gezeitenstand-Anzeige, aber Trips in andere Zeitzonen dürften eher an der Tagesordnung liegen).

Objektiv zu kritisieren gibt es herzlich wenig; inwieweit sich die schwarze Beschichtung und die Kautschuk-Elemente des Drehrings im Laufe der Jahre verhalten, wird sich zeigen. Dass man sich bis dahin an der treuen Begleiterin satt sieht, dürfte indes kaum passieren.

In diesem Sinne: Mission completed!

 

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Technische Details

Anbieter: Oris SA
Modell: ProDiver Force Recon GMT
Referenz: 01 747 7715 7754-Set
Gehäuse: mehrteiliges, 49 mm grosses Gehäuse aus Titan mit DLC, verschraubte Krone bei 3 Uhr und aufgeschraubtem Kronenschutz; integriertes Heliumventil bei 9 Uhr, massiver Schraubboden mit USMC-Gravur, einseitig entspiegeltes, beidseitig leicht gewölbtes Saphirglas, einseitig drehbare Lünette (120 Klicks) mit Keramikeinlage und Drehringsperre; 1000 Meter Wasserdichtheit
Band: proprietäres schwarzes Kautschukband mit Faltschliesse und integrierter Verlängerung; zusätzliches schwarzes Textilband mit Faltschliesse und Adaptern
Zifferblatt: schwarzes Zifferblatt mit aufgesetzten Indexen und zweifarbiger Leuchtmasse
Werk: Kaliber 747 (Basis SW 220-1), 28 Lagersteine, ca. 38 Stunden Gangreserve; Stunden-, Minuten-, Sekunden- und Datumsanzeige; zweite Zeitzone
Markteinführung: 2015
Varianten: keine
Preis: CHF 3800.00 / EUR 3700.00 (Stand 2015)

 

Dieser Artikel wurde erstmals im Jahr 2015 publiziert.