Omega Seamaster 1200

Das Comeback der Ploprof

Omega_Seamaster_PloProf_1200_FrontSeit dem ersten Artikel über die Ploprof (2003) auf dieser Website sind mittlerweile über sieben Jahre vergangen. – Sieben Jahre, die nicht nur an dieser Website, sondern natürlich auch an dieser aussergewöhnlichen Uhr nicht spurlos vorbei gegangen sind: Eine laufend wachsende Zahl von Anhängern, immer mehr Nachbauten und Fälschungen, und insbesondere die aufmerksamkeitsstarke Omegamania-Auktion im Jahr 2007 haben dieser Taucheruhren-Legende zu einem unglaublichen Comeback verholfen – bis hin zur seit langer Zeit absehbaren Neuauflage durch Omega im Jahr 2009. – Höchste Zeit also, der nunmehr offiziell auf den Namen „Ploprof“ getauften Uhr heute erneut einen weiteren würdigen Platz hier einzuräumen:

Nur eine Frage der Zeit

Dass die Ploprof eines Tages wieder im Sortiment von Omega auftauchen würde, war in Biel schon seit einigen Jahren ein Thema. Eher unklar war indes, ob es sich dabei um eine konservative Edition innerhalb der Museums-Linie handeln würde, oder um eine progressiv gestaltete reguläre Erweiterung der Seamaster-Linie.

2008 deuteten erste inoffizielle Bilder darauf hin, dass die Uhr grundsätzlich neu interpretiert worden war, und mit dem offiziellen Launch anlässlich der Baselworld 2009 wurde offiziell bestätigt, dass die Ploprof als fester Bestandteil der Seamaster-Familie zurückgekehrt war.

Und der Zeitpunkt war aus mehreren Gründen ideal gewählt: Während zwischenzeitlich nämlich praktisch sämtliche ernst zu nehmenden Mitbewerber von Omega auf die wachsende Popularität von Taucheruhren mit Extrem-Modellen reagiert hatten, herrschte bei Omega in diesem Segment seit Jahren Ebbe. – Sowohl die 300er Seamaster- als auch 600er Planet Ocean-Reihe waren trotz James Bond und „Professional“ Zifferblatt-Zusatz im Vergleich zu den bis zu 3900 Meter wasserdichten Konkurrenten plötzlich eher als elegante Strand- denn beeindruckende Tiefsee-Begleiter zu verstehen.

Gleichzeitig hatten die alten Seamaster-Modelle einen beispiellosen Schub erhalten: Als Omega mit der publikumswirksam inszenierten Omegamania-Auktion im Jahr 2007 demonstrieren wollte, dass sich die Marke auch in diesem Bereich wieder auf Augenhöhe mit der Genfer Konkurrenz befand, verdoppelten sich praktisch über Nacht die aufgerufenen Preise für eine Vintage Ploprof (Ref. 166.0077) – was wiederum dazu beitrug, dass die nunmehr noch glücklicheren Besitzer noch mehr Hype um die Uhr machten.

Im selben Jahr sprang auch die kleine Marke Ocean7 auf den fahrenden Zug auf und präsentierte eine zumindest optisch fast identische Uhr zum vergleichsweise tiefen Preis, für alle, denen die richtige Uhr zu teuer geworden war. Dazu gesellten sich eindeutige Fälschungen (auch schon bei der neuen der Fall) und Marriagen, eine steigende Anzahl von Reviews, eine dedizierte Website und ein im Eigenverlag eines Fans lanciertes Buch zur Ploprof, die allesamt ihren Teil dazu beitrugen, dass der Mythos um die Uhr noch weiter wuchs.

In diesem Sinne präsentierte sich die Ploprof rechtzeitig zum 40. Jahrestag gänzlich ohne Anzeichen einer Midlife-Crisis, dafür als unübersehbarer Image- und Technologieträger einer zunehmend selbstbewussten Bieler Uhrenmarke.

Omega_Seamaster_1200_PloProf_Black_submerged

Mythos auf Knopfdruck?

Wie bei jeder Neuauflage eines Produktes wird wohl auch bei der abschliessenden Beurteilung der Ploprof die Antwort auf eine einzelne Frage im Zentrum stehen: Wie nahe ist nahe genug am Original, und wie weit ist zu weit weg? – Dass hierbei die Meinungen der konservativen Sammler und der Lifestyle-bewussten Käuferschaft kaum zu vereinen sind, ist nicht erst seit VWs Experiment mit dem „New Beetle“ bekannt. Hinzu kommt, dass sich ein Kult wie beim Original erfahrungsgemäss zwar herbei wünschen, aber nicht unbedingt planen lässt – und so ist zum jetzigen Zeitpunkt nur schwer beurteilbar, ob die Ploprof erneut zum Aussenseiter avancieren wird oder zum gehypten Insidertipp einer trend- oder zumindest selbstbewussten Gruppe von Individualisten. Klar dürfte hingegen sein, dass die ursprüngliche Zielgruppe der Berufstaucher nicht nur angesichts des aufgerufenen Preises eher eine untergeordnete Rolle spielen wird.

Und vielleicht lässt sich die Eingangsfrage nur dann halbwegs zufriedenstellend beantworten, wenn man sich schrittweise an die Essenz der Uhr, also alt gegen neu, heranwagt.

So viel sei aber schon jetzt verraten: Auch bei der Neuen lassen sich nach wie vor keine Mini-Torpedos oder Unterwasser-Sprengsätze u.dgl. mit dem roten Knopf zünden… ;-)

Der Name: Mit „Plongeur Professionel“, oder eben kurz „Ploprof“ erhielt die ursprünglich „Seamaster 600“ getaufte Uhr einen inoffiziellen Spitznamen. Bei der heute offiziell (und erstmals auch schriftlich auf dem Gehäuseboden verewigt) als „Omega Seamaster Ploprof“ bezeichneten nächsten Generation wird dieser Spitzname nun auf eine höhere Ebene portiert. Damit geht ein bisschen von damaligen Charme verloren, aber merken wird das ausserhalb dieser Website wohl sowieso niemand.

Die Drehring-Sperre: Während der charakteristische Arretier-Knopf beim Urmodell noch aus rotem Plastik war, verfügt die neue Ploprof über einen massiven Stahlstift mit oranger Manschette aus eloxiertem Aluminium. Das sieht nicht nur besser aus, sondern ist auch ein massiver qualitativer Fortschritt im Vergleich zu früher.

Der Drehring: Wie früher ist er heute noch beidseitig drehbar (insgesamt etwas strenger), wenn der orange Knopf gleichzeitig gedrückt wird. – Was in der Praxis meistens bedeutet, dass die Uhr dafür abgezogen werden muss, was idealerweise eher an Land geschehen sollte. Und bei aller Liebe für die Uhr kann man diesbezüglich auch mal ganz ehrlich sein: Vor vierzig Jahren mag das noch als bewundernswertes Streben nach maximaler Sicherheit gegolten haben, heute wirkt die zusätzliche, nach wie vor eher exotische Sperre doch etwas übertrieben. Aber nachdem dieses zentrale Merkmal a) weiterhin der Sicherheit dient und b) ganz einfach elementar zu einer Ploprof gehört, gibt’s daran schlichtweg nichts zu kritisieren (ausser, dass der Spieltrieb des Trägers massiv eingeschränkt wird).

Besonders erfreulich ist dafür die (immer noch) nachleuchtende Lünetteneinlage, die neu unter einem Ring aus entspiegeltem Saphirglas liegt – im Vergleich zur äusserst anfälligen (und kurzlebigen) Bakelit-Lösung von früher eine optimale Anhebung auf den heutigen Stand, ohne dabei den typischen Look zu kompromittieren.

Die Gehäusekonstruktion: Während die originale Ploprof auf ein patentiertes Einschalen-Gehäuse (Monocoque) zurück greifen konnte, kommt die aktuelle Uhr mit einem separaten Bodendeckel. Dieser wird, ähnlich wie bei der Deepsea von Rolex, von einem zusätzlichen Ring fixiert, was wiederum dazu führt, dass die äusserst aufwändige Gehäuseboden-Gravur des Seepferdchens korrekt positioniert ist – was bei der aus praktischen Gründen gerillten früheren Version gar nicht erst nötig war. Oder mit anderen Worten: der heutige Käufer erhält mehr Komplexität (und rund 5mm mehr Höhe) mit gleichbleibendem Nutzen, der Uhrmacher dafür einen etwas einfacheren Zugang zum Werk.

Die verdoppelte Wasserdichtheit von neu 1200 Meter dürfte indes nicht auf die veränderte Gehäusekonstruktion, sondern auf die thematisch klare Abgrenzung zur 600 Meter wasserdichten Omega Seamaster Planet Ocean zurückzuführen sein. – Schon um 1970 wurde die Ploprof ja erfolgreich bis 1370 Meter Tiefe getestet.

Mit der neuen offiziellen Tiefenangabe setzt sich die Ploprof also klar an die Spitze der aktuellen Omega Taucheruhren-Kollektion und ist zum Zeitpunkt der Lancierung gleichzeitig die Omega mit der höchsten je offiziell ausgewiesenen Tauchtiefe.

Als Glas kommt mittlerweile ein 4,9mm dickes, entspiegeltes Saphirglas zum Einsatz, das das frühere, chemisch gehärtete Mineralglas ersetzt. In Kombination mit der Saphirglaseinlage des Drehrings entsteht so ein äusserst harmonisches Oberflächen-Bild.

Die Krone: Was auf den ersten Blick sehr ähnlich zur ursprünglichen Konstruktion wirkt, entpuppt sich auf den zweiten Blick als vollständige Abkehr von der Überwurf-Mutter: Die runde Schraubkrone ist nun in der Tat auch die Aufzugskrone (früher war’s der viereckige äussere Teil); der massive äussere Teil dient nun einzig und alleine dem sicheren Schutz und wird automatisch mit ein- oder ausgeschraubt.

Kurz gesagt: Was früher schon bombensicher war (aber zugegebenermassen eine etwas lange Kronenwelle erforderte) ist heute als funktionale Evolution noch stabiler und einfacher bedienbar geworden.

Das Heliumventil: Während aus heutiger Sicht ein Heliumventil fast schon zum guten Ton bei einer Taucheruhr gehört (und es sich hier erstmals in der Geschichte von Omega um ein vollständig integriertes automatisches Ventil handelt), findet sich darin auch die grösste und nebst dem Gehäuseboden auch gravierendste konzeptionelle Unterscheidung zum Original: War die ursprüngliche Ploprof doch als Antwort auf die Sea-Dweller und somit auch als Gegenbeweis gedacht, dass Uhren fürs Sättigungstauchen besser ohne dieses Feature gebaut werden sollten. Zu diesem Zweck setzte man sogar eigens ein Massenspektrometer ein – das einzige in der Uhrenindustrie zur damaligen Zeit.

Aus Sicht des Puristen ist die Verwendung eines Heliumventils im Prinzip also ein schmerzliches, historisch falsches Einknicken in die Gimmick-Ecke; aus Sicht des Trägers ist es lediglich ein weiteres Plus im Pflichtenheft, das im Alltag weder Vor- noch Nachteile bringt. Raffiniert ist dafür die Beschriftung mit dem Elementsymbol „He“ unter der transparenten Lackschicht.

Das Zifferblatt: Optisch und qualitativ ein Traum unter dem fast nicht spürbaren Glas, verfügt das neu hochglänzend lackierte, tief schwarze Zifferblatt erstmals über aufgesetzte Stundenindexe und neu auch über ein dezentes weisses Datum auf schwarzer Scheibe zwischen 3 und 4 Uhr, das massgeblich zur ausgewogeneren Gestaltung beiträgt. Hinzu kommt ein aufgesetztes Logo, das seinen Teil zur Wertigkeit des Gesamtauftritts beiträgt.

Die Zeiger: Nachdem der charakteristische orange Minutenzeiger erstmals mit der Ploprof eingeführt wurde und seitdem massiv kopiert wurde, lag es auf der Hand, dass das Zeigerspiel hier möglichst unverändert zum Einsatz kommt. Das Orange nimmt aber neu das mattierte metallene Finish des Druckknopfs auf, was nicht nur die Wertigkeit der Uhr unterstützt, sondern eine erfreuliche Abgrenzung zu den unzähligen Nachahmern darstellt.

Das Band: Erstmals lässt sich das (in Anlehnung an die meist bei Haifütterungen verwendeten Kettenhemden) als „Sharkproof“ bezeichnete Milanaise-Band schrittweise kürzen – links und rechts der Schliesse lassen sich verstiftete Glieder des geflochtenen Stahlbandes einzeln entfernen. Hier hätte man sich angesichts des Gesamtpreises der Uhr und zu Gunsten einer höheren Autonomie vielleicht Schrauben gewünscht, ansonsten hat man punkto Haptik und Optik aber ein willkommenes Déjà-vu. In Kombination mit der perfekten Anpassbarkeit an den eigenen Handgelenkumfang definitiv ein weiterer Schritt nach vorne, das vielfältige Bandzubehör von damals entfällt somit.

Die Aussenseite des Stahlbandes ist mattiert, die Innenseite poliert; beim Original waren beide Seiten poliert.

Alternativ stehen dem Käufer ein schwarzes (an der Ref. 224.32.55.21.01.001), ein oranges (an der Ref. 224.32.55.21.01.002) oder seit 2010 auch ein weisses Kautschukband offiziell zur Verfügung, als Schliesse wird ebenfalls die Konstruktion des Stahlbandes übernommen. – Angesichts der Differenz beim Anschaffungspreis lohnt es sich auch hier, bei Gefallen erst die Konstellation mit Stahlband zu wählen, und später im Bedarfsfall das Kautschukband nachzukaufen.

Übrigens: Während das Kautschukband der Uhr ein grosses Stück ihrer optischen Dominanz nimmt, gelingt es ihm dafür auf der anderen Seite nicht, der Kopflastigkeit der Uhr so entgegen zu wirken, wie es das Stahlband schafft.

Die Schliesse: Der eher dürftige Schnappverschluss des Originals gehört zum Glück ebenfalls der Vergangenheit an – denn neu präsentiert Omega mit der Ploprof ein ebenso mächtiges wie auf den ersten Blick durchdachtes Stück Ingenieurskunst: Mit den zwei seitlichen Drückern öffnet sich die gigantische Faltschliesse, darin befindet sich eine auf Druck („Push“) stufenlos ausfahrbare Verlängerung (bis max. 22mm Länge), die eine allfällige Feineinstellungen des Bandes ermöglicht (die Glieder des Bandes sind knapp 5mm breit und ermöglichen so keine wirkliche Feinanpassung) und auch bei geschlossenen Zustand in rastenden Millimeter-Schritten wieder bis zum Anschlag eingeschoben werden kann.

Ebenfalls bietet die massive Schliesse eine traditionell ausklappbare Tauchverlängerung (26mm), die in Kombination mit der Feineinstellung praktisch an jeden Arm und Tauchanzug passen sollte.

Auf der einen Seite eine ebenso durchdachte wie beeindruckende Konstruktion mit überdurchschnittlich hoher Qualität; auf der anderen Seite erfordert das korrekte Verschliessen relativ viel Druck (besonders bei voll eingeschobener Feinverstellung schnappt sie teilweise nur einseitig richtig ein) und kommt zudem ohne zusätzlichem Sicherungsbügel aus. – Angesichts des satten Sitzes vermutlich kein Problem, aber dennoch ein potentieller Unsicherheitsfaktor.

Last but not least: Die eingeschobene Verlängerung scheint etwas nahe am oberen Element positioniert – ein leichtes Kratzen und ebenso feine Kratzspuren von Beginn weg sind damit programmiert. – Ein Umstand, der übrigens auf die gesamte Schliesse zutrifft, wird deren beachtliche Grösse doch unweigerlich zu sichtbaren Tragespuren nach den zu erwartenden Nahkampfsituationen des Alltags führen…

Die inneren Werte: Nach über 10 Jahren im Serieneinsatz dürfte Skepsis gegenüber Omegas koaxialer Hemmung einerseits vollends überholt sein, andrerseits muss man sich von der Konstruktion aber auch keine Wunder im täglichen Einsatz erhoffen, die über den zuverlässigen Betrieb hinausgehen. Insofern ist ein Blick auf die nackten Daten des COSC-geprüften Schrittmachers vermutlich interessanter als Grundsatzdiskussion über die Hemmungs-Konstruktion: Das derzeit in der Ploprof verwendete Kaliber 8500 ist nämlich nicht nur optisch, sondern auch von den Daten her ein äusserst interessantes Beispiel von Omegas derzeitiger Werk-Kompetenz: Da wären einmal überraschende 25200 A/h (3 Hertz), 39 Lagersteine, zwei Federhäuser für angenehme 60 Stunden Gangreserve oder eine neue Nivachoc-Stosssicherung, die ihren Teil zum robusten Charakter des Werks beiträgt. Von den Gangwerten her beweist zumindest das vorliegende Exemplar einen tadellosen Charakter und somit die verdiente Vergabe des Chronometer-Zertifikates.

Ingesamt besteht das Kaliber 8500 aus 202 Teilen, verteilt auf 29mm Durchmesser und 5,5mm Höhe. Optisch bieten ein harmonisches Platinen-Layout, spiralförmige aufgetragene Genferstreifen und eine geschwärzte Unruh genügend Gründe, sich zumindest gelegentlich einen Sichtboden zu wünschen.

Oder anders gesagt: Der direkte Vergleich mit dem früheren, rotvergoldeten Kaliber 1002 wäre nun natürlich mehr als unfair – zwischen den beiden Werken liegen nicht nur Welten und Zertifikate, sondern auch Jahrzehnte an Know-how. – Immerhin, beides sind In-House-Werke, wobei das aktuelle 8500 sicherlich die interessantere Wahl für all jene darstellt, die fortschrittliche innere Werte schätzen.

Und selbstverständlich war das gerade eine verbale Steilvorlage für all jene, die nun sagen, dass bei dem gewöhnungsbedürftigen Äusseren ja auch wenigstens etwas attraktiv sein müsse… ;-)

Nichtsdestotrotz gibt es auch einen kleinen Wermutstropfen zu vermelden: Das 8500 verfügt ungewöhnlicherweise über keine Datumschnellverstellung, dafür aber über eine stundenweise Schaltung des Stundenzeigers bei laufender Sekunde und Minute – praktisch für Zeitzonenreisende, definitiv unpraktisch beim Einstellen des Datums für all jene, die die Uhr nicht laufend am Arm haben.

Alternativ kann die Zeit natürlich wie gewohnt mit gestoppter Sekunde gestellt werden.

Das Drumherum: Grosse Uhren kommen heutzutage meist in grossen Kisten, und das ist auch bei der neuen Ploprof so. Eine sportliche, grau-schwarze Neoprenbox mit grossem Reissverschluss bietet Uhr und Zubehör genügend Platz und dürfte vermutlich auch genügend Auftrieb für Schiffbrüchige bieten. Kein Vergleich also zur Plastik-Box der ursprünglichen Ploprof, auch wenn diese etwas so selten ist wie ein Riesenmaulhai.

Die Varianten: In der noch relativ kurzen Marktpräsenz der neuen Ploprof hat Omega schon nach einem Jahr wieder Tendenzen der klassischen Variantensucht gezeigt – erstmals wird nebst der klassischen schwarzen Zifferblattvariante auch eine weisse Version angeboten (ab 2010, Ref. 224.30.55.21.04.001 mit Stahlband). Nimmt man das rotgoldene Einzelstück der Only Watch 2009 Benefiz-Auktion hinzu, zeichnet sich eine potentiell ähnlich inflationäre Handhabung ab, wie dies bei anderen Omega-Modellen schon bekannt ist. Für konservative Puristen ein Gräuel, für den unbelasteten Endkonsumenten eher eine dankbare Vielfalt.

Die Verarbeitung: Während die Ploprof früher als zweckmässig und insgesamt überdurchschnittlich gut verarbeitet gelten konnte, beweist die aktuelle Version bedeutend mehr Raffinesse: Das Spiel aus polierten Kanten und Oberflächen in Kombination mit mattierten Flächen und Elementen ist schlichtweg grossartig, die Detailliebe und -Aufmerksamkeit, die fantastische Passgenauigkeit von Boden, Glasflächen, Kronenschutz und Drehring lassen die Uhr zu einem potentiellen Beginn von – und man möge den Vergleich verzeihen – einer leichten Objektophilie werden.

Eine dermassen (fast einmalig) kompakte Verarbeitung erinnert eher an einen Tresor, denn an eine Uhr, und ab und zu vermisst man beim Tragen schon fast das übliche Spiel von Einzelkomponenten. Andrerseits: Die Ploprof, ob neu oder eine gebrauchte alte, ist preislich gesehen ja auch kein Kinderspiel…

Der Komfort: Knapp 280 Gramm unnachgiebiger Stahl auf 55mm Länge verteilt, dazu eine überdimensionierte Schliesse – drei Zutaten, die die auch die aktuelle Ploprof nicht automatisch zur bequemsten Uhr machen. Während die Dimensionen (bis auf die angewachsene Höhe) praktisch unverändert geblieben sind, nehmen das stattliche Gewicht und der Gehäuseboden lieber einen Neoprenanzug als Unterlage, denn ein unterdurchschnittlich dimensioniertes Handgelenk. Oder mit anderen Worten: Unbedingt erst anprobieren – eine Ploprof am falschen Handgelenk kann sich vermutlich nicht jeder leisten.

Die Preisfrage: Mit den im Jahr 2009 aufgerufenen CHF 8700.- (€ 6140.-) für die Version mit Stahlband ist die aktuelle Ploprof wie auch schon ihre Vorgängerin (damals CHF 795.-) ziemlich teuer. Im Vergleich zur Konkurrenz und unter Berücksichtung des Gelieferten definitiv nicht zu teuer, aber doch teuer genug, um den vorgesehenen Einsatz als Tauchinstrument für den Amateur lächerlich werden zu lassen.

Dass der Käufer dabei eine ebenso auffällige wie einzigartige Uhr wählt, die einen wichtigen Meilenstein in der Vergangenheit und Zukunft von Omega darstellt, macht den Preis auch nicht kleiner, bietet aber einen Vorgeschmack auf die höher gestellte Marktpositionierung, auf die sich Omega mit Erfolg hin bewegt.

Der Gesamtauftritt: Wem die damalige Ploprof nicht gefallen hat (was auf die Mehrheit zutreffen dürfte), der wird auch bei der aktuellen die Nase rümpfen und nie verstehen, wie man dafür so viel Kohle hinlegen kann. Somit darf das Experiment des Redesigns, auch wenn dabei zum Teil massive konstruktive Abweichungen vorgenommen wurden, als durchwegs geglückt bezeichnet werden. – Die brachiale Natur der Uhr wurde in der Tat aufgenommen, qualitativ aufgewertet und überraschend behutsam in die Gegenwart gebracht. Und auch wenn die neue, selbstbewusste Ploprof zum Teil etwas zu stark vom damaligen Tool-Charakter abweicht, versöhnt man sich doch eher schnell mit den uhrmacherischen Feinheiten, die neu dazu gekommen sind. Oder anders gesagt: Nahe genug dran am Original, und weit genug von der Vergangenheit entfernt.

Die Emotionen: Das Schöne an der Ploprof ist, dass sie ganz einfach nicht schön ist. Sie polarisiert. Sie fasziniert. Sie ärgert. Sie wird dank ihrer Einmaligkeit kaum einen Uhrenfan kalt lassen. Und genau deshalb ist sie im zum Teil herrschenden Einheitsbrei eine äusserst willkommene Bereicherung.

Fazit

Die ursprüngliche Ploprof trägt massgeblich eine Mitschuld daran, dass vor über 10 Jahren der Grundstein zu dieser Website gelegt wurde. Unter diesem Aspekt war es fast unmöglich, der neuen Ploprof hier ohne massive Vorurteile entgegen zu treten.

Omega_Seamaster_PloProf_1200_Front_Reflection_Lume

Noch schlimmer: Im Prinzip haben die letzten Jahrzehnte zwischen den beiden Modellen mehrfach bewiesen, dass die Uhr zwar gut gemeint, aber im Prinzip schon damals völlig „over engineered“ war, und jetzt wurde zu allem Übel auch noch all das an ihr verändert, was die Ploprof ursprünglich ausgemacht hat – das nunmehr mehrteilige Gehäuse und vor allem das Heliumventil bedeuten fast schon ein Sakrileg. Und überhaupt stellt die PR- und Werbe-technisch massiv gepushte Neuauflage an sich schon ein potentielles Risiko dar, die legendäre (damals aber kommerziell wenig erfolgreiche) Ploprof zu beschädigen – der vermeintliche Insider-Tipp einer verschworenen kleinen Gemeinschaft von Afficionados wurde nun plötzlich einer Lifestyle-hungrigen Masse preis gegeben.

Andrerseits gilt auch heute noch genau das selbe Statement wie in früheren Anzeigen:

„It may not look pretty on the surface, but deep down it’s beautiful.”

Und auch heute noch handelt es sich um eine eher kostspielige, im Prinzip völlig “over engineered” Taucheruhr mit viel zu viel Testosteron, die je nach Geschmack des Betrachters ein beeindruckendes Best- oder halt Worst of Omega darstellt.

Nur wenige Menschen werden ihrem Charme erliegen. Und wen es erwischt, der hat mit sich über einen vermutlich längeren Zeitraum gerungen und sich eingehend mit der Uhr und ihrer Historie beschäftigt. In diesem Sinne ist die Mission überraschenderweise doch als äusserst gelungenes Revival zu betrachten. Und die neue Ploprof ist am Ende des Tages vielleicht doch nur mit dem einen Wort korrekt zu beschreiben, das man ebenso ungern wie selten bemühen mag: Kult.

Technische Daten

Name: Omega Seamaster Professional Ploprof 1200M
Referenz-Nummer: 224.30.55.21.01.001
Lancierungsjahr: 2009
Funktion: Stunden, Minuten, Sekunden, Datum
Gehäuse: mehrteiliges Edelstahlgehäuse mit separatem Gehäuseboden (fixiert durch aufgeschraubten Ring), beidseitig drehbare Taucherlünette mit Saphirglaseinlage, fixiert durch Arretierknopf (orange eloxiertes Aluminium und Edelstahl). Integriertes Heliumventil.
Glas: Beidseitig entspiegeltes Saphirglas (4,9mm dick)
Zifferblatt: schwarz mit aufgesetzten Indexen (SL-Leuchtmasse), Datumsfenster zwischen 4 und 5 Uhr
Krone: integriert verschraubt, bei 9 Uhr platziert
Abmessungen: ca. 55 x 48mm, 17,5mm Bauhöhe
Gewicht: ca. 280g (mit Stahlband)
Wasserdichtheit: 1200 Meter (120 bar)
Werk: COSC-zertifiziertes Omega Cal. 8500 mit automatischem Aufzug (beidseitig), Co-Axial-Hemmung, 60h Gangreserve, Nivachoc-Stosssicherung, Glucydur-Unruhe, 39 Rubine, 25’200A/h; keine Datumsschnellschaltung
Werk-Abmessungen: 29mm Durchmesser, 5,5mm Höhe
Band: Milanaise-Stahlband („Sharkproof“), Faltschliesse mit ausklappbarer Verlängerung und Möglichkeit zur Feinverstellung; 24mm Bandanstossbreite
Bandvarianten: Kautschukband schwarz (Kombination geführt als Ref. 224.32.55.21.01.001) oder orange (Kombination geführt als Ref. 224.32.55.21.01.002) mit identischer Faltschliesse
Varianten: Bis auf ein Einzelstück in Rotgold (Only Watch 2009) derzeit nur eine weitere Modellvariante mit weissem Zifferblatt (Ref. 224.30.55.21.04.001), Drehring und Kautschukband (Ref. 224.32.55.21.04.001) verfügbar
Preis (2009): CHF 8’700.-/Euro 6’140.- (inkl. Stahlband)

 

Dieser Artikel wurde erstmals im Jahr 2009 veröffentlicht.

 

UPDATE (2015): Zur Baselworld 2015 präsentierte Omega mehrere neue Versionen der Ploprof mit neuem Werk. Auffälligste Änderung: Das Gehäuse ist aus Titan, die Lünette aus Keramik.

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