Jenny Caribbean 300

Karibisches Blau für die „50th Anniversary Re-Edition“

Jenny_Caribbean_300_Front_SubmergedMit den Worten „Wer sich auf ein bestimmtes Gebiet spezialisieren will, muss es bis auf den Grund kennen. Die Firma Jenny & Cie. hat diese Forderung erfüllt, indem sie Berufstaucher beauftragte, Prototypen ihrer Uhren strengen, wiederholten Tests zu unterziehen. Aus diesen Untersuchungen ist eine Serie superwasserdichter Taucheruhrenmodelle hervorgegangen, die wahrscheinlich auf der Welt einzig dasteht: die ‚Caribbean‘ Serie.“ hat das Fachmagazin europa star schon im Jahr 1968 ziemlich treffend zusammengefasst, um was es sich bei der in den frühen Sechzigern lancierten Uhrenlinie gehandelt hat: Eine der stil- und massgebenden Taucheruhren ihrer Zeit.

Entsprechend erfreulich ist es, dass pünktlich zum 50jährigen Geburtstag der Caribbean im Jahr 2013 sowohl die Marke „Jenny“ als auch ein limitiertes Sondermodell als „50th Anniversary Re-Edition“ wieder zurück sind. Während die Uhr selbst von der wesentlichen Bauform her etwas altersweise geworden ist, hält sie es zumindest farblich nach wie vor äusserst jugendlich. Und das ist auch gut so.

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Artenvielfalt

Nachdem die Geschichte der Caribbean bereits im Jahr 2008 ausführlich hier behandelt wurde, fasst die Aussage…

„Als die ‚Caribbean‘ Uhren zum ersten Mal an der Basler Messe und im Handel erschienen, wirkte die Gewagtheit (…) vor allem der Farben ihrer Zifferblätter geradezu revolutionär.“

…vielleicht am besten zusammen, für welche (optische) Charaktereigenschaft die Caribbean damals gestanden hat: Viele Zifferblattfarben und noch mehr Kombinationsmöglichkeiten mit Lünetten und Gehäuseformen führten zu fast unbeschränkten Optionen für den Käufer, von den unzähligen Modellen für Fremdmarken ganz abgesehen.

Fast schon zivil wirkt deshalb die Aufstellung der Jubiläumstruppe: Fünf unterschiedliche Farbkombinationen, lediglich eine klassische Gehäuseform, eine Lünette und das von nur einer Marke; im Vergleich zu den unzähligen Versionen der früheren Generationen also ein wahrer Klacks für die nun folgende Dokumentation:

Das farbliche Leadertrikot der Re-Edition kommt mit schwarzem Zifferblatt und gelb-schwarzem Drehring (Ref. 5001.10); das zweite schwarze Zifferblatt gibt’s dann mit orange-schwarzem Drehring (Ref. 500x.10), daneben steht die hier mehrheitlich abgebildete blaue Version (Ref. 5002.10) mit weiss-blauem Drehring. Eine gänzlich orange Version (Ref. 500x.10) sowie eine silbrige – resp. etwas gehobener mit argenté zu bezeichnende – elegantere Zifferblatt-Version (Ref. 5003.10) mit weiss-schwarzem Drehring vervollständigen das Quintett, das Ende 2012 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

Jede Version ist auf 500 Exemplare limitiert, was sich in Form einer entsprechenden einzelnen Nummerierung auf dem Gehäuseboden bemerkbar macht.

Remake versus Vorlage

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Wie schon eingangs angedeutet, hören damit die grundsätzlichen Gemeinsamkeiten aber auch bereits wieder auf: Während die ursprüngliche, „superwasserdichte“ Caribbean vermutlich die erste bis 1000 Meter wasserdichte Taucheruhr war und sich diesen Rekord vor allem durch ihre aufwändige und vielerorts ausgelobte Einschalenbauweise (Monocoque-Gehäuse) erarbeitet hatte, verzichtet die aktuelle Caribbean 300 (wie der Name schon klarmacht) diesbezüglich auf jegliche Rekordjagd, das bis 300 Meter wasserdichte Gehäuse selbst ist zudem klassisch mehrteilig mit einem Schraubboden ausgestattet.

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Ebenfalls verzichtet die „50th Anniversary Re-Edition“ auf die eher ungewöhnlich innenseitig gespreizten Hörner der frühen Modelle, das Glas ist nun plan und nicht wie beim Original gewölbt, und beim Logo auf Krone und Boden trifft man auf einen Schwertfisch, der laut Hersteller auf die frühesten Bildmarken des Unternehmens zurückgehen soll.

Beim Zifferblatt mit den aufgesetzten Stabindexen bei 6, 9 und 12 Uhr sowie den aufgedruckten Indexen bei den acht verbleibenden Stunden ist man der Vorlage indes sehr treu geblieben, während die Zeiger dezent modernisiert worden sind.

Spür- und sichtbaren Zuwachs gibt’s dafür bei den Dimensionen zu vermelden: Die knapp 40mm grosse Uhr ist nach 50 Jahren auf zeitgemässe(re) 42mm angewachsen, die Bauhöhe etwas ziviler mit Hemdmanschetten-freundlichen 12.3mm ausgefallen, was vor allem dem planen Boden und Glas geschuldet ist. Letztgenanntes wäre übrigens neu aus einseitig entspiegeltem Saphirglas und somit bedeutend kratzfester, wie auch die Lünetteneinlage erstmals unter einem Saphirglas versorgt wurde.

Die Summe dieser Punkte führt nun unweigerlich zu einem Dilemma: Der historische Pedant muss den Wegfall der Tiefentauglichkeit (geschweige denn Rekordjagd) unweigerlich bedauern, der Vintage-Liebhaber das gewölbte Glas schmerzlich vermissen und der technisch Interessierte das fehlende Einschalengehäuse kritisieren. Mindestens.

Der Uhrenträger auf der anderen Seite darf sich aber über ein unbestritten stimmiges Erscheinungsbild freuen, das zwar geschichtsträchtig, aber trotzdem nicht altbacken wirkt. Und dürfte zudem das bedeutend stabilere und mit der Lünette harmonisch eingepasste Saphirglas sowie die bessere Leuchtmasse dankbar annehmen und sich fragen, was der praktikable Vorteil einer dickeren 1000 Meter wasserdichten Uhr ist, die vermutlich nie zum Tauchen verwendet werden wird.

Und der Uhrmacher freut sich vermutlich einfach nur über den ungehinderten Zugang zum Werk und vielleicht sogar über den Anblick einer vergleichsweise aufwändigeren Gravur.

Alles im Griff?

Caribbeans gab es wie schon erwähnt nicht gerade wie den sprichwörtlichen Sand am Meer, aber mit unterschiedlichsten Lünetten: 12h-Drehringe, Countdown- und klassische -Up-Skalen sowie die charakteristischste von allen, die von Werner Jenny mitverantwortete Drehlünette mit Dekompressionszeit-Angabe, deren Patent 1968 beantragt und 1973 erteilt wurde. Insofern ist es ebenso konsequent wie begrüssenswert, dass die Re-Edition mit genau dieser alleinstellenden, in vier Segmente aufgeteilten Lünette ausgestattet wurde, die damals mit dem Beschrieb „specially developed serviceable Rotating Bezel fitted to Caribbean-1000 deep-sea diving watches, showing not only elapsed time under water but also the necessary compression stages“ beworben wurde.

Und wer nun ernsthaft glaubt, diese Darstellung sei der klassischen Lünette überlegen, dürfte vermutlich auch den Treibstoffverbrauch seines Flugzeuges noch mit dem Rechenschieber seines eigens dafür angeschafften Navitimers berechnen wollen.

Nein, im Ernst: Die Lünette der Caribbean 300 ist, wie man unschwer erkennen kann, selbstverständlich um einiges komplexer abzulesen als eine reine Taucherlünette, bietet dafür aber grundsätzlich mehr relevante Informationen (wer also für zukünftige Dekostopps noch nach einem Zeitvertreib sucht, ist hier goldrichtig) – sofern man deren Interpretation im Griff hat.

Wirklich speziell an der leicht überstehenden Lünette ist aus heutiger Sicht voll allem die angenehme Alternative im Look – wer sich am typischen Stil einer Taucheruhr satt gesehen hat oder eine (mehr optische denn funktionale) Alternative sucht, dürfte hier endlich wieder einmal eine erfrischend andere Uhr vorfinden, die dennoch nicht zu laut im Auftritt wird. – Der Extremtaucher mit Mischgas und Trocki hätte daran aber als Instrument im Jahr 2013 vermutlich eher weniger Freude.

Die (aufgrund des etwas schmaleren Metallrands) eher nach ihrem klassischen Vorbild aus den frühen Siebzigern empfundene Lünette ist selbstverständlich einseitig rastend ausgelegt und sitzt erfreulich satt auf dem Gehäuse, die Leuchtmarkierung bei 12 Uhr ist (beim vorliegenden Modell) tatsächlich dort, wo sie sein soll und die 120 Klicks pro Drehung sind ideal vom Widerstand her ausgelegt.

Besonders positiv: In Kombination mit dem Uhrenglas ergibt sich eine fast plane, ununterbrochene Fläche über den gesamten Durchmesser, die massgeblich zum verjüngten und unbestritten wertigen Auftritt der Caribbean beiträgt. Und – sofern man der entsprechenden Gattung Uhrenträger angehört – die schon nach ein paar Minuten überraschend einfach über das fehlende bombierte Glas hinwegtröstet.

Das Band

Kautschukbänder sind in der Regel entweder hart ausgelegt mit einer leichten Tendenz zu eingeschränktem Komfort, oder aber angenehm weich auf der Haut, was eventuell Zweifel an deren Stabilität und Abriebfestigkeit aufkommen lässt. Das für die Jenny Caribbean 300 „50th Anniversary Re-Edition“ mitgelieferte, eher elastische Band wäre jetzt nicht unbedingt die erste Wahl für die Bergung und Hebung eines tonnenschweren Wracks, darf sich aber punkto Komfort mit zu den bequemeren Kandidaten zählen, die man sich ums Handgelenk binden kann. Auch wenn es ein ziemlicher Staubmagnet ist. Nichtsdestotrotz: In Kombination mit der eher zivilen Bauhöhe der Uhr wird die Caribbean so insgesamt zu einer überdurchschnittlich komfortablen Begleiterin in der Sparte Taucheruhr.

Das schwarze Band ist für den Alltag ausreichend lang, fürs Tauchen eher zu kurz, und wer sehr schmale Handgelenke hat, könnte mit den rund 2mm über die Hörner überstehenden, starren (eingegossenen) Adaptern etwas Probleme haben.

Optisch und von der Einpassung her passt das Band gut zur und an die Uhr, und während die fixierte erste Schlaufe sowie die Noppen auf der Innenseite zur verbesserten Luft-/Wasserzirkulation von Detailliebe zeugen, ist die massive Dornschliesse unspektakulär aber absolut passend.

Einziger Wehrmutstropfen: Es scheint sich um ein eher 21mm breites Band zu handeln, was zukünftige Bandwechsel hin zu Drittanbietern zwar nicht verunmöglicht, aber dennoch etwas schwieriger machen dürfte. Und meistens mit der unbefriedigenden Wahl eines 20mm breiten Bandes mit Spiel, oder eines 22mm breiten Bandes mit etwas mehr Krafteinsatz endet.

UPDATE (2014): Mittlerweile bietet Jenny alternativ auch ein passendes Stahlband für die Uhr an.

Der Antrieb

Wer seine Sammlung um ein weiteres exquisites Manufakturwerk erweitern will, muss jetzt nicht weiterlesen, denn in der Caribbean 300 tickt das bewährte 2824-2 von ETA.

Insofern dürfte das Herzstück der Uhr vermutlich auch das geringste Risiko für Kummer beinhalten, und die dadurch freigewordene Zeit kann sinnvollerweise für das eingehende Studium der korrekten Interpretation der Lünettenskala verwendet werden. Oder so.

Damit wieder zu den wichtigeren Punkten:

Das Paket

50 Jahre Historie, mindestens 10 davon als unübersehbare Grösse und Pionier im Tauchsport. Eine klassische Bauform, die den schwierigen Spagat zwischen Siebzigerjahre-Charme und zeitgemässer Konstruktion schafft, ohne dabei den Anspruch hat, technologisch neue Massstäbe zu setzen. Dazu kommt ein hoher Tragekomfort gepaart mit einem für die Sparte zwischenzeitlich erstaunlich eigenständig gewordenen Look, von einer Marke, die lange von der Bildfläche verschwunden war, aber bis heute von der Gründungsfamilie direkt beeinflusst wird.

Das Ganze einzeln auf je 500 Stück limitiert, adäquat verarbeitet und verpackt in einer schlichten aber hübschen blauen Box mit weissem Überkarton, einer Garantiekarte und einem Siegel mit dem traditionellen Jenny-Logo. Im Direktvertrieb für wiederkehrende Kunden der heutigen Muttermarke Doxa zu 945 Dollar (Stand 2012), oder regulär für 1290 Dollar zu erwerben; somit definitiv weniger als für eine gut erhaltene Caribbean aus den Sechzigern heute zu bezahlen ist und damit in zweifacher Hinsicht bedeutend einfacher zu kriegen.

Und spätestens hier schliesst sich der Kreis zu den Anfängen: Selbstverständlich ist auch die Caribbean grundsätzlich ein Luxusprodukt, was Preisdiskussionen per se etwas schwierig macht; aber zumindest die Beschaffenheit und Erreichbarkeit der Caribbean sind vergleichsweise wenig elitär.

 

Das Fazit

Wem die Marke Jenny trotz aller Historie zu wenig sagt oder wem die Uhr auf den Bildern nicht gefällt, wird – wenig überraschend – auch kaum Freude an deren Wiedergeburt in Form der Caribbean 300 haben. Und vermutlich auch nicht bis hierher durchgehalten haben, somit können wir getrost zum Résumé der nächsten Anspruchsgruppe ziehen…

Taucheruhrenenthusiasten dürften mindestens Freude daran haben, dass die Marke wieder aktiv ist und gewohnt Farbe ins teilweise eher monoton gewordene Spiel bringt. – Selbstverständlich hätte man die Caribbean näher am Vorbild, also konstruktiv „extremer“ auslegen und nicht einfach punkto Farbenvielfalt wiederbeleben können. Hat man aber nicht. Und musste man als eigenverantwortlicher und legitimer Hersteller ja auch nicht. Vermutlich ein Entscheid zu Gunsten der Preisgestaltung und der Praxistauglichkeit, denn man sollte fairerweise nicht ganz vergessen, dass Rekorde in der Druckresistenz heute nicht mehr zu bewerkstelligen sind, ohne die Tragbarkeit in Frage zu stellen.

Deshalb: Das Comeback der Caribbean darf als geglückt bezeichnet werden, und damit ist gleichzeitig auch ein schwieriger Spagat überraschenderweise geschafft worden: Vintage, aber trotzdem nicht altmodisch.

Wem die Uhr also ansatzweise gefällt, und wer auf der Suche nach einer für heutige Standards erfrischend anders gestalteten Uhr ist, dürfte von der Caribbean 300 in Real Life nochmals positiv überrascht werden.

Und wie schon früher, bietet schon die heutige Startkollektion bereits wieder etwas für fast jeden Geschmack; silbrig für den klassisch-eleganteren Look, die drei Kontrastfarben für den sportlichen Auftritt und das hier portraitierte, je nach Lichteinfall wunderbar variierende Blau als idealer Kompromiss, Sechzigerjahre-Luft zu schnuppern, ohne dabei auf die qualitativen Verbesserungen der letzten 50 Jahre verzichten zu müssen. Schliesslich war früher nicht alles besser.

Oder mit anderen Worten: Die Karibik ist seit 2012 wieder etwas erreichbarer geworden.

 

Technische Daten

Modell: Jenny Caribbean 300 „50th Anniversary Re-Edition“
Ref.-Nr.: 5002.10
Hersteller: Montres Doxa SA / Jenny Watches
Grösse: 42mm Durchmesser / 12.3mm Bauhöhe
Gehäuse: Edelstahl 316L, Gehäuseboden verschraubt
Wasserdichtheit: 300 Meter
Glas: innenseitig entspiegeltes Saphirglas
Zifferblatt: Aufgesetzte Indexe bei 6, 9 und 12 Uhr
Werk: ETA 2824-2
Krone: 7mm Durchmesser, verschraubbar
Drehring: 120er Rastung, Edelstahl mit Saphirglaseinlage; 12-Uhr-Markierung nachleuchtend
Band: Kautschuk mit klassischer Edelstahl-Dornschliesse, 21mm Bandanstossbreite
Limitierung: 500 einzeln nummerierte Exemplare je Farbe
Varianten: insgesamt fünf; schwarzes Zifferblatt mit orangem oder gelben Drehring-Inlay, blaues Zifferblatt mit blauem Drehring-Inlay (siehe Abbildung), silbriges Zifferblatt mit weissem Drehring-Inlay, oranges Zifferblatt mit orangem Drehring-Inlay
Preis: $1290.00 (2012)
Garantie: 1 Jahr
Einführung: 2012

 

Dieser Artikel wurde erstmals im Jahr 2012 veröffentlicht.

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