Hands-On: Traser P66 Automatic Pro

Während Toolwatches von G-Shock oder Luminox durchs Band weg von ihren Trägern für ihre Nehmerqualitäten geschätzt werden, bleiben Mechanik-Liebhaber bei beiden eher auf der Strecke. Die Ausnahme von der Regel macht hier die Schweizer Uhrenmarke Traser, die mit der seit rund acht Jahren erhältlichen P66 Automatic Pro (hier abgebildet die Ref. 100267 mit NATO-Band) den seltenen Spagat aus verstärktem, schwarzen Kunststoffgehäuse und mechanischem Antrieb wagt. Höchste Zeit also für einen etwas genaueren Blick.

Traser wurde erstmals im Jahr 1978 durch die MB-Microtec AG registriert und wird seit 1997 als Uhrenmarke genutzt. Den Ausschlag dafür gab wiederum die „weltweit erste selbstleuchtende Uhr“ P6500 Type 6 von 1989, bei der die als „Trigalight“ bezeichneten Glasröhrchen erstmals als Leuchtmittel eingesetzt wurden. Diese „bestehen aus hermetisch versiegelten Elementen, die keine zusätzlichen externen Energiequellen benötigen, um zu leuchten“. Übersetzt heisst das: eine Uhr mit herkömmlichen Super-Luminova-Leuchtfarben benötigt zwingend eine externe Lichtquelle, um im Dunkeln aktiviert zu werden. Je nach Intensität dieser Quelle leuchtet die Uhr stark zu Beginn, verliert dann aber sukzessive an Leuchtkraft. Bei Trigalight ist indes keine Aktivierung erforderlich, die Uhr leuchtet im Dunkeln konstant über mehrere Jahre (Traser garantiert eine unveränderte Leuchtkraft für 10 Jahre).

Die Uhren von Traser Swiss H3 Watches werden mit Tritium-Elementen, sog. „Trigalight“, bestückt, die von der Muttergesellschaft MB-Microtec AG in Niederwangen bei Bern hergestellt werden. Vorteil: die Elemente leuchten von selbst.

Diese von MB-Microtec patentierte Umsetzung findet sich in der Uhrenindustrie unter anderem bei Luminox, Ball Watches und eben Traser. Die gesundheitlich unbedenklichen, leicht radioaktiven Glasröhrchen schränken zwar die Gestaltungsmöglichkeiten bei Zifferblatt und Zeigern etwas ein, dadurch entsteht aber eben auch der recht typische Look.

Apropos Look: Traser setzt für die P66 wie eingangs erwähnt ein skelettiertes, glasfaserverstärktes Polymer-Aussengehäuse ein. Im Innern kommt, seitlich gut sichtbar ein Edelstahlcontainer mit Schraubboden zum Einsatz, dank dem die Uhr bis 300 Meter wasserdicht bleibt. Drehring und Krone sind aus Edelstahl mit schwarzer PVD-Beschichtung. Gerade diese Mischung aus Kunststoff und Mechanik macht die Uhr auch innerhalb der Traser-Kollektion recht einzigartig: der Hersteller setzt bei seinen Mechanik-Modellen sonst mehrheitlich auf subjektiv hochwertigere Edelstahl- oder Bronze-Gehäuse. Mit anderen Worten: die P66 ist der ideale „Beater“ für Mechanik-Fans, dafür muss logischerweise auf ein raffiniertes Gehäuse-Finish verzichtet werden. Erfreuliches Detail: sowohl das Gehäuse-Mittelteil als auch Dornschliesse und Metallschlaufen sind passend mattiert.

Die Seitenansicht zeigt den inneren Metall-Container des mehrteiligen, bis 300 Meter wasserdichten Gehäuses.

Damit zu den inneren Qualitäten: Hinter dem von Traser verwendeten Begriff „Swiss Made Automatik“ müsste sich mit grösster Wahrscheinlichkeit das 1982 lancierte ETA 2824-2 mit rund 38 Stunden Gangreserve verbergen. Das Datumsfenster bei 3 Uhr ist trotz weisser Datumsscheibe überraschend harmonisch integriert worden, nachdem sich der Kontrast aus schwarzen und weissen Elementen recht gleichmässig über die gesamt Uhr zieht. Am Arm ist die 45 mm grosse, rund 100 Gramm leichte Uhr entsprechend bequem. Wer indes weniger kräftigere Handgelenke hat, sollte sich für das baugleiche Modell mit Kautschukband (Ref. 100373) entscheiden – das NATO-Band steht naturgemäss etwas weiter ab.

Preislich liegt die P66 Automatic Pro mittlerweile bei CHF 895.00. Damit steht sie CHF 170.00 über der Seastar 1000 von Tissot, oder CHF 55.00 unter der Doxa Sub 200. Beides sind indes recht klassisch gestaltete Taucheruhren, während bei Traser eben der typische, taktische Look geboten wird, bei dem Kratzer und Schläge irgendwie weniger weh tun. Verarbeitung und Haptik sind gut, einzig der fehlende Leuchtpunkt auf dem Sekundenzeiger ist etwas inkonsequent.

Fazit: Die P66 Automatic Pro ist dank der Kombination aus vertrauten „Military Look“ und dem verbauten mechanischen Werk definitiv eine Alternative für Uhrenfans, die eine eigenständige Taucheruhr mit Nehmerqualitäten suchen. Gleichzeitig bietet das verbaute Werk wenig Abwechslung für Sammler. Unter dem Strich ist die P66 aber zweifellos eine der Uhren, bei der der Begriff „Tool Watch“ nicht als Rationalisierung nach dem Kauf gebraucht werden muss, sondern von Hause aus passt. Damit zu den Bildern (Grossansicht nach Klick):

Technische Spezifikationen

Anbieter:Traser Swiss H3 Watches / MB-Microtec AG
Modell:P66 Automatic Pro
Referenz:100267
Lancierung:2012
Gehäuse:Glasfaserverstärktes Polymer-Gehäuse mit Edelstahlcontainer, verschraubte Krone, Saphirglas, einseitig drehbare Edelstahllünette (120 Klicks) mit PVD, verschraubter Gehäuseboden
Abmessungen:Ø 45 mm Durchmesser, 14 mm Bauhöhe, 54 mm Länge (Lug-to-Lug), 22 mm Bandanstossbreite, ca. 110 Gramm Gewicht
Werk:ETA 2824-2
Band:Schwarzes NATO-Textilband
Wasserdichtheit:300 Meter
Varianten:P66 Automatic Pro mit Kautschukband (Ref. 100373)
Garantie:2 Jahre (10 Jahre auf die Leuchtkraft)
Preis (2020):CHF 895.00

Ein Kommentar

  1. Es bleibt anzumerken, dass für die Schweiz dann und wann Uhren mit erhöhter Helligkeit der Leuchtelemente hergestellt und angeboten werden, da die Schweiz im Gegensatz zur EU noch höhere Strahlungsgrenzwerte kennt.

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