September 26, 2021

Hands-On: Breitling Superocean Heritage ’57 Capsule Collection

Zur Baselworld 2007 hatte Breitling eine mehr als gelungene Neuinterpretation der Superocean-Taucheruhr aus dem Jahr 1957 präsentiert. Unter anderem wurde die nach innen abfallende Lünette des Ur-Modells durch eine eher klassische Konstruktion ersetzt. Zehn Jahre später folgte das erste Facelift (u.a. neue Zeiger und endlich eine Keramik-Lünette mit Leuchtpunkt) sowie der Aufstieg zum etwas exklusiveren Kaliber B20, das auf einer Eigenentwicklung von Tudor basiert (ein Geschäftsfeld, das seit 2019 durch Kenissi betreut wird und mittlerweile auch andere Marken nutzen). Nach dem Einstieg von Georges Kern (und CVC) bei Breitling im Sommer 2017 folgten fast schon umgehend danach weitere, sehr dezente Änderungen, die mehrheitlich im Zuge der generellen Anpassung der Corporate Identity und Vereinfachung der Kollektion stattfanden. Bereits zu diesem Zeitpunkt war auch klar, dass die Vintage-angehauchte Taucheruhr den Fliegeruhren der Marke längst den Rang abgelaufen hatte.

Die Superocean aus dem Jahr 1957 mit konkaver Lünette wurde erstmals im 2007 neu aufgelegt; jetzt folgt eine Original-getreue Umsetzung unter dem Titel „Superocean Heritage ’57 Capsule Collection“

Breitlings uhrmacherische Zeitkapsel

Ende Mai 2020 kehrt die Taucheruhr unter dem Namen „Superocean Heritage ’57 Capsule Collection“ mit praktisch identischer Designsprache des Originals als Erweiterung der Linie zurück. Damit gibt es auf der einen Seite die moderne Superocean mit Gehäusen von 36, 42, 44 und 48 mm Durchmesser, die an der letzten Baselworld im 2019 präsentiert wurde. Daneben gibt es weiterhin die Superocean Heritage II, wahlweise als Dreizeiger (Kaliber B20) in 42, 44 oder 46 mm, oder als Chronograph (B01 oder Kal. 13/ETA Valjoux 7750) mit 44 mm Durchmesser. Und neu dazu kommt nun eben die „Capsule Collection“ auf Basis des originalen Designs, womit der Markt an Taucheruhren mit nach innen abfallender Lünette auf einen Schlag verdoppelt wurde: in der jüngeren Vergangenheit hatte sich einzig Rado mit der Captain Cook an ein Revival der aus heutiger Sicht ungewöhnlichen konkaven Konstruktion gewagt.

Bei Breitling starten die Preise bei CHF 4’200.00 (mit Lederband und Dornschliesse), also praktisch dem Doppelten, was man bei Rado für die Captain Cook auslegen muss. Zum Start gibt’s 5 Farbvarianten:

  • Blaues Zifferblatt mit braunem Lederband (Ref. A10370161C1X1, CHF 4’200.00)
  • Schwarzes Zifferblatt mit schwarzem Lederband (Ref. A10370121B1X1, CHF 4’200.00), mit Mesh-Band (Ref. A10370121B1A1) steigt der Preis auf CHF 4’650.00, der Aufpreis von der Dorn- zur Faltschliesse beträgt CHF 200.00.
  • Das Bi-Color Modell (Ref. U10370121B1X1) kostet am Lederband CHF 5’050.00.
  • Dazu kommen zwei limitierte Versionen mit vom „Regenbogen inspirierten Designelementen“, eine auf 1’000 Stück limitierte Edition mit blauem Zifferblatt und Mesh-Band (Ref. A103702A1C1A1, CHF 4’850.00) sowie eine schwarze, auf 250 Stück limitierte (und bereits ausverkaufte) Version (Ref. A103701A1B1A1, CHF 4’850.00).

Der Gehäusedurchmesser beträgt in allen Fällen 42 mm, die Wasserdichtheit lediglich 100 Meter, was vermutlich eher der Abgrenzung zu den professionelleren Modellen in der Kollektion geschuldet ist. Die Krone ist unverschraubt, die Lünetteneinlage aus Keramik und beidseitig drehbar (ohne Rastung). Im Innern tickt ein Chronometer-zertifiziertes ETA 2892-A2. Die weiteren Eckdaten: 20 mm Bandanstossbreite, bombiertes Saphirglas, verschraubter Boden.

Erfreulich ist, dass Breitling für die Superocean Heritage ’57 Capsule Collection ein neues Mesh-Band mit passendem Anschluss anbietet. Der originale Stundenzeiger mit „Schneekappe“ ist mittlerweile etwas gewöhnungsbedürftig, nachdem die letzten 13 Jahre ein etwas ruhigeres Design bei den Heritage-Modellen zum Einsatz gekommen ist.

Die primäre Zielgruppe für das neue Modell dürfte die Marke eher bei den jüngeren Neueinsteigern sehen, die beim Innenleben weniger auf Exklusivität achten. Umgekehrt sind es aber oftmals gerade die Sammler, die auf detailgetreue Re-Editionen ansprechen, die das grösere B20-Kaliber aber weiterhin nur in der CHF 300.00 teureren Superocean Heritage II kriegen. Unbestritten ist, dass Breitling mit der „Superocean Heritage ’57 Capsule Collection“ ein grosser, und in Zeiten von COVID-19 kommerziell vielversprechender Wurf geglückt ist. Fraglich bleibt zum jetzigen Zeitpunkt, wie stark das neue Modell die Superocean Heritage II kanibalisieren wird. Damit zu den Bildern (Grossansicht nach Klick):

6 Kommentare

  1. Genau richtig erkannt lieber Roger. Der Vergleich mit Rado’s Captain Cook ist mehr als angebracht. Die gefällt mir eh besser und ist mindestens gleichwertig. Aber Georg Kern hat schon bei IWC die Preise in die Höhe geschraubt und wendet hier das gleiche Muster an. Breitling ist nicht mal mehr rein schweizerisch und die Zeiten haben sich geändert. Kern wird mit dieser Strategie bei Breitling kaum Erfolg haben. Es gibt besseres zum besseren Preis und das merkt der Käufer.

    1. Hi Markus, ich denke, dass man bei einem solch ohnehin schwierigen Vergleich aber nebst der rationalen auch die emotionale Betrachtungsweise berücksichtigen muss: Breitling ist nicht Rado, und wer nach Markenprestige wählt, wird auch klar einen Aufpreis dafür zahlen müssen.

  2. Du hast absolut recht, vielleicht hat es auch damit zu tun dass ich neben Breitling aufgewachsen bin und es mich nicht erfreut, dass nun eine reine Kapitalgesellschaft der neue Owner ist. Mit Prestige ist das so Sache, ich bin oft in Hongkong, Singapur und natürlich Bangkok weil ich da in der Nähe wohne. Da hat Breitling schon rein von den Shops und Standorten kaum mehr das Image einer Prestigemarke. Irgendwie ist das Image verwässert. Was sie gut hingekriegt haben sind die neuen Stahlbänder, wenngleich in dieser Preisklasse Schrauben anstelle Stifte ein Muss sind.

  3. Die Breitling bedient im Gegensatz zur Rado hier m.E. einen ganz anderen und auch neuen Käuferkreis.
    So wird das z.B. meine erste Breitling sein, da diese, neben dem Gefallen, meine generellen Anforderungen an eine Automatik-Uhr bedient:
    1) kein Datum
    2) keine verschraubte Krone
    3) unter 10mm Dicke
    Diese Kriterien sind bei mir nach 40 Jahren des Uhrentragens zwingend zu erfüllen und Breitling schafft das. Rado hingegen ist in allen 3 Kriterien raus. Von daher Herr Kern: alles richtig gemacht.

    1. Herzlichen Dank für den Kommentar. Viel wichtiger noch: Dann schon jetzt herzlichen Glückwunsch zur neuen Uhr und viel Freude mit der ersten Breitling.

  4. Hi Joe
    Schliesse mich dem Glückwunsch von Roger zur neuen Uhr gleich an. Über Präferenzen und Geschmack lässt sich nicht streiten, oder dann auf sehr hohem Niveau. Hauptsache ist immer, das einem die Uhr jeden Tag Freude bereitet beim Anschauen und beim Tragen. Viel Freude damit.
    Herzliche Grüsse aus Thailand Markus

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