1968: 93 Taucheruhren, 7’260 Tauchgänge

Dem grossartigen Gedächtnis des früheren Berufstauchers, Autors, Tauchhistorikers und Redaktors der englischen Historical Diving Society Peter Dick haben wir es zu verdanken, dass wir heute, fast 50 Jahre nach der ersten Veröffentlichung, nochmals einen Blick auf etwas werfen können, was mir in all den Jahren bislang so nicht unter die Augen gekommen ist: Ein Praxistest von sage und schreibe 93 Taucheruhren auf über 7‘200 Tauchgängen.

Im Jahr 1966 stellte der British Sub-Aqua Club (BSAC) ein sog. Equipment Investigation Committee auf, welches sich auch um die Zuverlässigkeit von Taucheruhren kümmern sollte – damals logischerweise nicht nur ein “vital part of the diver’s equipment”, sondern überraschenderweise auch der anfälligste aus Sicht des BSAC: Im Jahr 1968 stellte BSAC-Mitglied Geoff Harwood fest, dass…

“…the majority of the complaints and allegations of faulty equipment and unsatisfactory dealings with manufacturers and distributors have been concerned with diving watches”

Ein etwas ernüchternder Umstand, der gleichsam zur Entscheidung führte, einen umfangreichen Praxistest unter den Mitgliedern anzusetzen, um „the extent of the problem” festzustellen.

Das aus meiner Sicht mehrfach interessante Resultat wurde 1968 anlässlich einer BSAC-Konferenz veröffentlicht, mit dem nicht ganz schmeichelhaften Fazit:

“…even if you buy an internationally famous watch costing over £50 you still stand a fair chance of finding it full of water when you come to start your decompression schedule after a deep dive”

Mit etwas weniger britischem Humor betrachtet, gilt natürlich auch heute noch, “that since so few of each make are represented we cannot draw a conclusion as to ‘best buy’ or to definitely not recommend a certain watch”, selbst wenn mir ein dermassen umfangreicher Test bislang nicht unter die Augen gekommen ist. Und selbstverständlich dürfen wir uns alle angesichts der damaligen Preise kurz eine Zeitmaschine wünschen…

Die Resultate (Grossansicht nach Klick):

Ein paar Dinge, die bei der Durchsicht noch aufgefallen sind:

  • Die mit Abstand meisten Tauchgänge (1’900) wurden mit Uhren von Zodiac gemacht, mit 13 Modellen gleichzeitig auch am häufigsten im Test vertreten
  • Die 10 getesteten Modelle von Seiko (780 Tauchgänge) blieben allesamt dicht (100%), bei den in dieser Kategorie zweit platzierten Modellen von Rolex (9 Uhren, 980 Tauchgänge) versagte offenbar eine Uhr (89%) aus unbekannten Gründen, und bei Zodiac gab’s bei 9 von 13 Uhren einen Wassereinbruch (69%)
  • Rolex stellte mit £60 die teuerste getestete Marke dar, Cardinal mit £6 die günstigste (und gleichzeitig auch die Marke mit der tiefsten Zufriedenheit)
  • Damals nicht ganz unpopuläre Marken wie Blancpain, Doxa u.dgl. sind nicht im Test vertreten, was damit zu tun haben könnte, dass von ursprünglich 39 Marken all jene nicht berücksichtigt werden konnten, die nur mit einer Uhr vertreten waren; die Liste stellt also nicht den damaligen Markt dar, sondern den innerhalb der Organisation vorhandenen Bestand an Uhren
  • Seiko erreichte den zweithöchsten Wert bei der Zufriedenheit (80%)

Anmerkung Tabellen: „Completely satisfied“ bedeutete, dass Besitzer keine negativen Kommentare im Fragebogen hinterlassen hatten, „Completely dissatisfied“, dass Uhren von Beginn weg fehlerhaft oder nicht zur Zufriedenheit des Besitzers repariert worden waren.

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