Baselworld 2012: Best in Show

So. Das waren sie nun also wieder. Die komprimierten Neuheiten der (Taucher-)Uhrenbranche, verteilt über ein paar überdurchschnittlich vollgepackte Tage, was logischerweise vor allem die Neuheiten und Aktualitäten der Baselworld 2012 betrifft.

Ein paar der in den letzten Beiträgen gezeigten Uhren wurden natürlich schon vorher hier oder anderswo präsentiert, ein paar andere hatten dafür tatsächlich vor Ort Weltpremiere, manche wurden vorerst nur inoffiziell gezeigt. Und wieder andere Neuheiten wurden ausschliesslich zum Jahresauftakt am SIHH enthüllt. – Höchste Zeit deshalb für mich, nach den eher quantitativ orientierten Berichten aus Basel jetzt endlich mal wieder eine subjektive, qualitative Meinung abzugeben, was denn nun die eigentlichen Highlights bislang waren – denn, so ehrlich kann ich durchaus sein, trotz der Fülle an neuen Uhren, der Jahrgang 2012 wird aus meiner Sicht nicht unbedingt als Spitzenjahr ins Geschichtsbuch der Taucheruhr eingehen… und somit ist ein abschliessendes “Best of” umso wichtiger, um nicht nur die Spreu vom Weizen zu trennen, sondern auch bei der Erstellung allfälliger Einkaufslisten zu helfen… ;-)

Die Regeln:
Auch wenn wir uns hier auf das Jahr 2012 fokussieren, die Handhabung der Jahresgrenze nach hinten wurde ausnahmsweise etwas flexibel gehandhabt, da wir ansonsten auf so bedeutende Kandidaten vom Herbst 2011 à la Blancpain X-Fathoms verzichten müssten… davon abgesehen herrschte bei der Wahl natürlich strengste Diktatur und Intransparenz, und Bestechungsgelder sind in Hülle und Fülle geflossen :-)

Die Trends:
Kurz zusammengefasst lässt sich das bislang Gesehene so charakter- resp. kategorisieren:

  • Mittlerweile gibt es praktisch nur noch Lünetten mit (Saphir-)glaseinlage, oder Lünetten aus Keramik. Klassische Stahl- oder Aluminium-Ringe werden bei den Neuheiten eher weniger denn mehr.
  • Dafür scheint die Kombination schwarz/gold im kommenden Sommer ein absolutes Must zu werden, wie uns Glycine, Omega und Breitling eindrücklich gezeigt haben.
  • Ohne Tauchchrono scheint fast kein Hersteller mehr auskommen zu wollen.
  • Innenliegende Lünetten haben ihre Hochphase für den Moment dafür eher wieder hinter sich, auch wenn mit Hublot, Perrelet und Maurice Lacroix gleich drei interessante Vertreter dieser Gattung lanciert wurden.
  • Und generell ist weiterhin eine Rückkehr zu klassischeren Formen und historischen Modellen zu sehen, dafür blieben weitere Extrem-, respektive Rekord-Taucheruhren bislang eher eine Ausnahme.

Genug damit aber mit der Theorie, Zeit für die angekündigte Rangliste:

Die Top-Ten (Grossansicht bei Klick):

1. Rolex Submariner No Date – natürlich ist es bezeichnend für den ganzen Jahrgang, wenn eine der klassischsten aller Taucheruhren den Spitzenplatz belegt… aber die Entscheidung von Rolex, dieses Basismodell a) weiterhin beizubehalten und es b) so behutsam und gelungen den neuen Formen anzupassen, hat zu einem augenblicklichen Klassiker geführt und zur optisch vermutlich ausgewogensten Taucheruhr aus dem Hause Rolex. Leider zu Lasten der Preisgestaltung… Trotzdem: nicht nur für diese Liste eine sichere Wahl und somit ein verdienter erster Rang für die Ref. 114060.
2. Hublot Oceanographic 1000m – Optisch und konstruktiv durchwegs eigenständig und typisch Hublot, auch wenn natürlich wieder völlig over-engineered, bleibt die Oceanographic Chrono aus jedem Winkel interessant anzuschauen. Oder anders gesagt: Hublots erster Tauchchrono ist auf Anhieb gelungen, und einer der wenigen Chronos mit der fürs Tauchen überaus sinnvollen zentralen Minutenanzeige, selbst wenn der Tragekomfort angesichts all der Kronen und Räder eingeschränkt sein dürfte und das proprietäre Band bei einer Uhr dieser Liga etwas einschränkt. Silber für Hublot also, und solange kein offizielles Bild von der Uhr existiert, behelfen wir uns aus stillem Protest mit einem Phantom-Bild… ;-) hublot
3. Blancpain X-Fathoms
Die bereits im Herbst 2011 präsentierte X-Fathoms von Blancpain ist in erster Linie ein mechanischer Meilenstein, und erst in zweiter ein trag- resp. bezahlbarer Begleiter für den Taucher, der sich auf einen mechanischen Tiefenmesser verlassen möchte. Ungeachtet dessen ist Blancpain mit der Fusion von Hightech, Präzision und Historie ein ganz, ganz grosser konzeptioneller Wurf gelungen, zu dem man dem Unternehmen nur gratulieren kann.
4. Jaeger-LeCoultre Deep Sea Vintage Chrono – erstmals am SIHH 2012 gezeigt, ist die Deep Sea Vintage in ihrer Ausführung als Chronograph natürlich historisch völlig unkorrekt, dafür optisch ein, wenn nicht gar mit Abstand der schönste Neuzugang im Uhrenjahr 2012 – trotz vorvergilbter Leuchtmasse… © Bild: JLC
5. Tudor Pelagos – wer hätte gedacht, dass ausgerechnet die kleine Schwester von Rolex eine ebenso moderne wie vom Mutterhaus emanzipierte Dreizeigeruhr (Ref. 25500TN) lancieren könnte, die dennoch die eigene Historie berücksichtigt. Einzig die Bandanstösse beim Kautschukband (typisch Rolex) hätte man weglassen können.
6. Tudor Heritage Black Bay – angesichts des gewählten Titels eine sehr freie und nicht ganz korrekte Neuauflage eines Klassiker, aber optisch dennoch ein durchaus leckeres Konzept, das einen weiteren Platz für Tudor in den Top-Ten mehr als rechtfertigt. Über die rote Farbwahl bei der Ref. 79220R dürfen indes andere urteilen…
7. Certina DS Action Diver Chrono – ein sportlicher, optisch gefälliger Taucherchrono, dem man wohl einzig die deplatzierte weisse Datumsscheibe und den unpassenden Sekundenzeiger zur Last legen könnte. Nichtsdestotrotz: Insgesamt eher gut gelungen und langfristig sogar interessanter als die 2011 lancierte Dreizeigeruhr.
8. Ball Watch Co. NEDU (Navy Experimental Diving Unit) – alleine schon die Lünette im Seitenprofil hätte eine Aufnahme in diese Liste mehr als gerechtfertigt… eine der Uhren, an der sich der Betrachter lange nicht sattsehen wird. Oder anders gesagt: Ball hat mit der NEDU ihre bislang gelungenste Taucheruhr lanciert, auch wenn das Zifferblatt sehr unruhig scheint.
9. Maurice Lacroix Pontos S Chrono – nicht der erste Tauchgang von Maurice Lacroix, aber mit der Pontos S hat das Unternehmen nun definitiv seinen eigenen Stil ins Thema gebracht. Und mit der Doppelbelegung des Drückers bei 2 Uhr zudem eine interessante Lösung für Liebhaber innenliegender Lünetten gefunden.
10. Rado D-Star Chrono – keine überdurchschnittlich schöne, geschweige denn funktionelle Taucheruhr, aber Rado hat dennoch das Kunststück geschafft, mit der D-Star-Linie eine mechanische Uhrenfamilie zu präsentieren, die auf Anhieb selbst ausserhalb der Rado-Fangemeinde mehrheitlich akzeptiert wurde. Hut ab davor.

Ihr Favorit ist nicht dabei? Hinterlassen Sie doch einen Kommentar, was aus Ihrer Sicht die Highlights 2012 waren!

Ein Kommentar zu “Baselworld 2012: Best in Show

  1. Ich muss ja als Nachtrag zur Baselworld noch sagen: ich begrüße es sehr, dass der klassische Uhrenstil sich wieder durchgesetzt hat! Zeitlose Uhren sind immer schon mein Favorit gewesen und in diesem Jahr habe ich mir nach der Messe sofort wieder eine für meine kleine Sammlung zugelegt. Das erste Mal seit 4 Jahren!

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