Heureka an der Kamera-Front

Grund für den Beitrag ist – der Titel sagt’s ja recht deutlich – das Ende einer jahrelangen Unzufriedenheit meinerseits: Keine einzige Kamera konnte bislang all das leisten, was gefordert wurde. Erst die relativ junge Canon PowerShot G9 scheint nun eine (wenn nicht sogar die) Lösung zu sein, nach der ich immer gesucht habe. In diesem Sinne soll die Kamera hier kurz gelobt/präsentiert werden; vor allem auch, weil mancher uhreninteressierte Leser erfahrungsgemäss meistens auch ein Interesse an Fotografie hat.

Zum besseren Verständnis aber zuvor noch ein kleiner Exkurs ins Pflichten- und Sorgenheft: Einerseits sollte ja eine Kamera möglichst gute Bilder als Begleiterin im Alltag liefern. Klingt doof, ist es aber nicht: Schliesslich will man ja nicht nur Uhren, sondern meistens andere Motive verewigen.

Dann sollte die Kamera in meinem Fall auch unter Wasser einsetzbar sein. Und einen möglichst sensationellen Makro-Modus aufweisen (eben wegen der Uhren – über und unter der Wasseroberfläche). Handlich sollte sie natürlich auch sein. Und auch genügend „professionell“, so dass in ganz seltenen Fällen auch mal ein Print-Medium mit Uhren-Bildmaterial versorgt werden könnte.

Kein Wunder also, führen solche Wünsche unweigerlich zu Problemen, steht wieder einmal der Kauf einer Kamera an.

Und immer muss zuallererst ein Grundsatz-Entscheid gefällt werden:

Spiegelreflex versus Kompakte

Selbst für einen Amateurfotografen wie mich ist es sonnenklar, dass erst mit dem Kauf einer digitalen Spiegelreflex-Kamera der Sprung in die Topliga bestechender Fotos gemacht werden kann. Aber genau als Amateur ist die Anschaffung einer solchen Spiegelreflex-Kamera nicht ganz so Reflex-artig möglich. Denn erstens sind die Fähigkeiten einer solchen Kamera in der Regel (oder mindestens in meinem Fall) höher als die des Fotografen. Will heissen: die Auseinandersetzung mit der Kamera und deren Komplexität punkto Bedienung übersteigt den gewünschten Grad massiv. Und dass der LCD-Screen i.d.R. nicht als Sucher verwendet werden kann, macht die Entscheidung auch nicht einfacher.

Zweitens sind Spiegelreflex-Kameras nie das, was Kompaktkameras eben sind: Nämlich kompakt. Was dazu führt, dass beim regulären Privat-Einsatz meist wenig Anreiz besteht, den Übersee-Koffer mit Foto-Equipment ständig mitzuführen. Oder anders gesagt: Eine stets griffbereite Kamera in der Jacke zu verstauen, liegt da nicht drin.

Drittens bedeutet die Anschaffung einer Spiegelreflex-Kamera schon fast schon die Aufgabe der Unterwasser-Fotografie. Denn ein passendes Unterwasser-Gehäuse zu finden, ist dann definitiv nur in der Profi-Liga möglich.

Apropos teuer: Viertens ist eine Spiegelreflex-Kamera an sich schon sehr teuer, und das zusätzliche Pflicht-Makro-Objektiv macht die Sache auch nicht günstiger, was ultimativ zu Lasten des nächsten uhrmacherischen Motivs führt.

Bei den Kompakten sieht’s aber auch nicht rosiger aus: Langsame Reaktion, bei ungünstigen Lichtverhältnissen stossen sie schnell an ihre Grenzen, ein optionales Blitzgerät ist ebenfalls meist unausweichlich und irgendwie ist man nie ganz glücklich mit dem Resultat. Dafür spart man Geld, muss sich weniger mit dem Gerät abgeben, kann (und will) die Kamera überall mitnehmen und hat eine reelle Chance, für ca. 200 Euro auch noch ein zusätzliches, einfaches Unterwasser-Gehäuse zu finden.

Kurz gesagt: Bislang war es für mich schlichtweg nicht möglich, ein einziges Produkt zu finden, dass die richtige Balance von Vor- und Nachteilen aufwies.

Beispiel gefällig?

Nikon CoolPix 4300 (ca. 2003): Sensationelle Kamera für den Makro-Bereich. Und eine der wenigen Kameras, für die’s damals ein bezahlbares Unterwassergehäuse gab (was auch das damalige Kauf-Argument war). Ansonsten eher enttäuschend. Magere Batterieleistung, einschläfernde Geschwindigkeit, kein Mikro für Filme, mässige Pixel-Zahl. Musste nach einem irreparablen Defekt (ca. 2005) sogar nachgekauft werden, um das Unterwassergehäuse weiter benutzen zu können, obschon es damals schon bedeutend bessere Kameras gab…

Sony DSC-V3 (ca. 2005): Damals ein Top-Produkt bei den Kompakten, kein Unterwasser-Gehäuse erhältlich. Relativ klobig. Unglaublich langsam, keine Chance bei mässigen Lichtverhältnissen. Makro erst nach Kauf einer Nahlinse inkl. Adapter brauchbar. Insgesamt aber immerhin eine semi-professionelle Begleiterin. – Zum Glück, wurde der Kauf in einer absoluten Notlage innert Minuten gemacht, nachdem die Nikon nicht mehr wollte, als sie sollte (s.o.).


Drei Generationen digitaler Kompakt-Kameras: Nikon Coolpix 4300 (4 Mega Pixel), Sony Cyber-shot DSC-V3 (7.2 Mega Pixel), Canon PowerShot G9 (12.1 Mega Pixel). Ebenfalls im Bild: Unterwasser-Gehäuse für Nikon (links oben), Adapter und Nahlinse für Sony (rechts aussen), Tripod (oben).

Somit war die Nikon die Kamera fürs Wasser, die Sony für alles, was eine halbwegs professionelle Kamera verlangte. Eine kleine Kompakte (nicht abgebildet) agierte als Freizeit-Kamera für die Hosentasche.

Bei der jüngsten Entscheidung hatte eigentlich Sonys erste digitale Spiegelreflex (100) über längere Zeit die Nase vorn; bis die Canon in die engere Auswahl rückte. Bei beiden lassen sich übrigens i.d.R. fast nur positive Reviews finden. Und obschon dieser Vergleich zwischen einer G9 und einer V3 kurzzeitig die Kauflust bei der G9 etwas gedämpft hatte, wurde es dennoch die Canon. Die Welt der DLSRs wird wohl nochmals etwas warten müssen…

Für die Wahl sprachen hauptsächlich folgende Gründe:

Canon PowerShot G9 (2007): Als Top-Kompakt-Kamera des Herstellers bietet das Modell (im Vergleich zur G7) wieder das RAW-Format an, besticht durch beeindruckende Makro-Fähigkeiten (ab 1cm), die Grösse liegt gerade noch drin, die Haptik ist schlichtweg eine Wucht, ein Unterwasser-Gehäuse ist problemlos erhältlich, Zubehör ist auf Wunsch genügend vorhanden. Zudem bietet die G9 fast alle Betriebsfreiheiten einer Spiegelreflex, ist aber auch im Automatik-Modus sehr überzeugend. Und preislich ist das Abenteuer nicht ganz so schmerzhaft gewesen, macht man den Vergleich zur DLSR.

Ein schneller, kleiner Praxis-Vergleich der drei Kameras zeigt folgendes Resultat (Kunstlicht, Auto-Modus, kein spezieller Aufbau) – von oben nacht unten: Sony, Nikon und Canon:

Seikos Sumo mit den drei unterschiedlichen Kameras abgelichtet, zeigt die leichten Qualitätsunterschiede auf – die Sony (oben) bringt den etwas gelbstichigen Ausschnitt ursprünglich in einer Breite von etwa 700 Pixel hin, braucht dazu aber eine (optionale) Nahlinse.

Die schon lange nicht mehr ganz taufrische Nikon (Mitte) hat etwas Mühe mit der Farbe, liefert insgesamt aber ein nach wie vor erstaunliches Resultat in rund 400 Pixel Breite (also praktisch genau so gross wie hier gezeigt).

Die Canon G9 (unten) liefert den selben Ausschnitt in einer ursprünglichen Breite von rund 1000 Pixel; wie die Nikon ohne Zubehör. Die Farbdifferenz bei Leuchtmasse und Einfassung wird gut wiedergegeben.

Bei etwas besserer künstlicher Beleuchtung schafft die Canon folgenden Ausschnitt in Originalgrösse (immer noch ohne speziellen Aufbau, Zoom oder Nachbearbeitung):


Links oben ist die – im Vergleich zur Realität am Arm – etwa zweifache Vergrösserung des Zifferblatt-Schriftzugs zu sehen

Erste Tests bei Tageslicht (und die Kamera hab‘ ich nach 2 Tagen noch nicht wirklich im Griff) fielen übrigens noch vielversprechender aus.

Fazit: Wer derzeit mit einem ähnlichen Wunschkatalog ebenfalls auf der Suche nach „der einen“ kompakten Kamera ist, die möglichst nahe an eine DLSR kommt, sollte sich die G9 etwas genauer ansehen. Das einzige, was bislang nicht ganz so begeistern konnte, ist der (übrigens riesige) LCD-Screen, der Bilder nicht ganz so scharf darzustellen vermag, wie diese tatsächlich auf der Speicherkarte sind. Und rund 12 Mega Pixel sind vielleicht etwas übertrieben… Beides ist aber verschmerzbar.

Es scheint sogar, ich bräuchte noch nicht mal ein zusätzliches Blitzgerät: erste Aufnahmen am Abend sind im Vergleich zu früher (Sony) erfreulich ausgefallen.

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